Darabos und die Denkmal-Chance

25. November 2008, 17:30
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Landesverteidigung / Sport ist eine seltene Konstellation, erscheint aber nicht unbedingt unlogisch. Von Minister Norbert Darabos wird ein Blick ins Dossier "Sport:Zukunft" erwartet

Wien - "Der Sport hat eine Abwertung erfahren." Für Gunnar Prokop, den Mister Handball, ist es nicht nur auf dem Papier ein Verlust, dass der Sport unter Faymann-Pröll kein eigenes Staatssekretariat mehr hat, sondern zu Norbert Darabos (SPÖ) ins Verteidigungsministerium übersiedelt. "Wobei" , sagt Prokop, "wenn ich mir die Personen in der neuen Regierung anschaue, ist Darabos neben Hahn eh der einzige Sportinteressierte." Bei genau diesem Punkt hakt Peter Kleinmann, der Mister Volleyball, ein. "Das Wichtigste ist, dass sich jemand um den Sport kümmert, der sportaffin ist."
Auf die Diskussion würde Prokop sich einlassen. "Es wird immer alles an Personen festgemacht. Das kann ja nicht sein, dass der Sport immer dorthin kommt, wo zufällig einer sitzt, der sich dafür interessiert." Kleinmann bleibt dabei: "Der Sport ist in einem guten Ministerium, in einer guten Struktur gelandet. Darabos will etwas bewegen." Davon geht auch Prokop aus. "Er hat ein Herz für den Sport."

Immerhin sind eine Menge Spitzensportler im Heeressportzentrum (HSZ) untergebracht und vor allem sozialversichert. Von 72 Olympia-Teilnehmern waren 38 Bundesheerangehörige, 18 Damen und 20 Herren. An Silber des Judoka Ludwig Paischer und an Bronze der Kanutin Violetta Oblinger-Peters war das Bundesheer quasi beteiligt, allein Mirna Jukic schwamm auf Rang drei, ohne je Uniform getragen zu haben.
Im Büro des zu den Finanzen scheidenden Sportstaatssekretärs Reinhold Lopatka wundert man sich dennoch. Nirgendwo sonst in der EU, so heißt es, sei der Sport bei der Landesverteidigung angesiedelt. Lopatka: "Der Sport hat so große Bedeutung, dass er sich weiterhin den Platz im Bundeskanzleramt verdient hätte."

Tatsächlich gibt es die Konstellation Landesverteidigung /Sport, recherchierten Standard-Korrespondenten, ansonsten nur in der Schweiz. Andere Beispiele: Frankreich hat ein Ministerium für Jugend, Gesundheit und Sport, Großbritannien (wie Montenegro) eines für Kultur, Medien und Sport. In Deutschland ressortiert der Sport im Innenministerium, in Griechenland im Kultur-, in Finnland im Unterrichtsministerium. In Serbien und Italien gibt es ein Ministerium für Jugend und Sport, in Kroatien eines für Wissenschaft, Bildung und Sport. Ein eigenes Ministerium findet der Sport in ganz Europa nicht vor, Trendsetter diesbezüglich ist Brasilien.
Auf Initiative von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer saßen ein Jahr lang regelmäßig 42 Expertinnen und Experten beisammen, um das 121-Seiten-Dossier "Sport:Zukunft" zu entwickeln. Es wurde analysiert, es werden Vorschläge gemacht. Prokop: "Vieles ist ganz einfach umzusetzen, kostet keinen Cent. Darabos wäre gut beraten, sich das Papier anzusehen. Er kann sich ein Denkmal setzen."

Größtes Problem ist für Kleinmann die Tatsache, dass sich in den Kindergärten und Schulen zu wenig tut. "Sechzig Prozent der Schüler bewegen sich gar nicht" , sagt er. "Sie kriegen alle Zivilisationskrankheiten dieser Welt. Immer heißt es, die Menschen werden länger arbeiten müssen. Aber niemand tut etwas dagegen, dass es vielen Menschen bald so schlecht gehen wird, dass sie nicht mehr arbeiten können." (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 26.11. 2008)

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