Prozess wegen rechtsextremen Anschlags in Brescia begonnen

25. November 2008, 16:55
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Ex-Chef der aufgelösten neofaschistischen Bewegung MSI vor 1974 starben bei Bombenexplosion acht Personen

Rom - Vor einem Schwurgericht in der lombardischen Stadt Brescia hat am Dienstag ein Prozess wegen des rechtsextremistischen Bombenanschlags auf der zentralen Piazza della Loggia in Brescia begonnen, bei dem während einer Gewerkschafterkundgebung am 28. Mai 1974 acht Personen ums Leben gekommen und 103 verletzt worden waren. Der Prozess begann am Ende der dritten Untersuchung, die in den letzten 34 Jahren zu diesem Bombenanschlag geführt wurden.

Vor Gericht stehen sechs Personen, darunter zwei venezianische Ex-Terroristen, sowie der Ex-Chef der inzwischen aufgelösten neofaschistischen Bewegung MSI (Movimento Sociale Italiano), Pino Rauti. Dieser wird verdächtigt, eine Hauptrolle bei dem rechtsextremistischen Bombenanschlag gespielt zu haben. Vor Gericht muss sich auch der ehemalige Carabinieri-General Francesco Delfino verantworten, der die erste Ermittlung um den Anschlag geführt hatte.

Abgeordneter und Europaparlamentarier

Belastet wurde der 85-jährige Rauti von einem Mitarbeiter der Justiz, der angeblich die Hintergründe des Anschlags klären wollte. Rauti, in den vergangenen Jahren Abgeordneter und Europaparlamentarier, war auch in Zusammenanhang mit dem Anschlag auf der Mailänder Piazza Fontana im Jahr 1969 verdächtigt, dann jedoch freigesprochen worden. Rauti hatte sich über die Untersuchung gegen ihn verblüfft gezeigt. "Ich habe mit diesem schrecklichen Anschlag nichts zu tun. So viele Jahre nach dem Attentat ist es schwer, sich an die damaligen Ereignisse zu erinnern", betonte der Ex-Chef der MSI, die sich inzwischen in die Rechtspartei Alleanza Nazionale umgewandelt hat.

Zu den Angeklagten zählt auch der Rechtsextremist Delfo Zorzi. Er lebt seit Jahren in Japan, von wo er nicht nach Italien ausgeliefert werden kann. Er war vor drei Jahren vom Vorwurf freigesprochen worden, für den ersten großen politisch motivierten Terroranschlag im Nachkriegs-Italien verantwortlich zu sein, bei dem Ende 1969 in Mailand 17 Menschen getötet wurden. Zorzi war in diesem Verfahren erstinstanzlich zu lebenslanger Haft verurteilt und zweitinstanzlich im März 2004 freigesprochen worden.

Nach 34 Jahren und langwierigen Ermittlungen wurde noch kein Verantwortlicher für den Anschlag in Brescia gefunden. Im Laufe der Untersuchung tauchte immer wieder der Verdacht auf, dass italienische Geheimdienste in den Anschlag verwickelt waren. (APA)

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