Die "Pseudo-Euro-Liga"

26. November 2008, 11:26
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Herbert Prohaska sieht in der Champions-League eine "versteckte EURO-Liga", in der nur Reiche und "Eintagsfliegen" verkehren

Rapid schaut im Fernsehen zu. Für den österreichischen Fußballmeister wie für Stadtrivalen Austria Wien, Ligakrösus Red Bull und Sturm Graz ist die Champions-League reiner TV-Stoff. Seit der Saison 2005/06 findet die vermeintliche Königsklasse ohne österreichische Beteiligung statt. Den letzten Punkt für eine rot-weiß-rote Mannschaft in der Elite-Liga eroberte Sturm vor sieben Jahren. "Die Champions-League ist eine Pseudo-Euro-Liga. Dahinter steckt das Konzept, dass die finanzstarken Vereine unter sich bleiben. Nur zugeben tut das keiner", sagt Herbert Prohaska.

Versteckte EURO-Liga

Die Idee einer exklusiven Liga für Europas Fußball-Sahne blitzte Anfang der 90er bei der UEFA noch ab. Nicht fair gegenüber den kleineren Verbänden wie Österreich, inszenierte sich der europäische Fußballverband als Beschützer der finanziell Schwachen. Einer träumt weiter laut davon und zählt dabei die TV-Gelder im Kopf: Milan-Zampano und Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi will nicht in der Provinz vor weniger als 20.000 Zuschauern spielen, sondern eine Super-Liga ins Leben rufen.

Für Prohaska ist die Champions-League bereits zu einem Schaulaufen jener Vereine geworden, die über die größten Budgets verfügen. "Eigentlich sollten in der Champions-League nur die Meister aller Länder spielen. Der Qualifikationsmodus macht den Bewerb, aber bereits zu einer versteckten EURO-Liga, in der nur die finanzstärksten Vereine weiterkommen", so der Ex-Austrianer.

Eintagsfliegen ohne Gewähr

Famagusta, Bate Borisow und CFR Cluj sind für Prohaska die "Eintagsfliegen", der unvorhersehbare Part der Liga. Auch Salzburg, Sturm und Rapid waren Kurzzeitgäste mit unterschiedlichem Erfolg. "Als österreichischer Verein kann man nicht mit der Champions-League planen", stellt Prohaska klar, "nur mit Glück rutscht man da hinein".
Das Vorhaben Mateschitzs, mit Salzburg in zwei bis drei Jahren dort eine Rolle zu spielen, werde laut Prohaska sicher nicht funktionieren. Das musste auch Frank Stronach akzeptieren. "Die Spieler, die man für diese Liga braucht, kommen nicht nach Österreich, selbst wenn das finanzielle Angebot stimmt", so der Fußball-Analytiker.

Der neu strukturierte UEFA-Cup sei eine "Wiedergutmachung der UEFA für die kleineren Vereine" und durchaus auch für österreichische Mannschaften nicht unerreichbar.
Dass die Österreicher-Duelle in der Champions-League meist von der Ersatzbank aus ausgetragen werden, bekommt derzeit vor allem die Nationalmannschaft zu spüren. Prohaska, der selbst im Ausland spielte: "Es ist gut ins Ausland zu wechseln, aber es reicht nicht, nur dort zu sein, man muss auch Stammspieler werden." (Simon Hirt, derStandard.at, 26.11.2008)

 

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    Prohaska: "Als österreichischer Verein kann man nicht mit der Champions-League planen, nur mit Glück rutscht man da hinein."

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