Wilde Streiks und leere Kassen: Flugbetrieb wird halbiert

25. November 2008, 15:15
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Aus Spargründen wird die noch staatliche Airline nur mehr die rentabelsten nationalen und internationalen Flugverbindungen sichern

Rom - Wilde Streiks und leere Kassen zwingen den Insolvenzverwalter der bankrotten italienischen Fluggesellschaft Alitalia, Augusto Fantozzi, zu drastischen Maßnahmen. Ab dem morgigen Mittwoch wird von den rund 550 Flügen, die bis vor zwei Wochen täglich angeboten wurden, nur noch maximal die Hälfte garantiert. Der Insolvenzverwalter leitete die Schritte in die Wege, um die 17.500 Mitarbeiter der bankrotten Fluggesellschaft auf Kurzarbeit zu stellen.

Aus Spargründen wird die noch staatliche Airline nur mehr die rentabelsten nationalen und internationalen Flugverbindungen sichern. Die interkontinentalen Flüge werden noch garantiert. Die Flüge nach Wien hatte Alitalia schon Anfang November aus dem Flugplan gestrichen.

Konsequenzen aus schwindenden Liquidität

Fantozzi zog somit die Konsequenzen der schwindenden Liquidität in den Kassen der Airline und des Protests der Belegschaft, die seit zwei Wochen den Flugbetrieb durch wilde Streiks und durch Dienst nach Vorschrift stark unter Druck setzt. Geführt wird der Protest gegen die neuen Arbeitsverträge von einer Minderheit der Alitalia-Mitarbeiter, die den Dienst arbeitswilliger Kollegen behindern. Täglich werden über 100 Flüge gecancelt. Die Maschinen, die starten können, sind meistens halbleer, weil die Passagiere sicherheitshalber andere Fluggesellschaften bevorzugen. Die Alitalia meldete vor der Streikwelle täglich zwei Mio. Euro Verluste pro Tag.

Das Ziel des Insolvenzverwalters ist es, mit strengen Einsparungen die Flüge der Alitalia bis zu der am 15. Dezember geplanten Neugründung der Fluggesellschaft durch die italienische Investorengruppe CAI zu garantieren. Fantozzi hat keine andere Wahl, denn um Alitalia am Leben zu erhalten, bräuchte er weitere Kredite.

Die Gewerkschaften besprachen mit dem italienischen Arbeitsminister, Maurizio Sacconi, das Übernahmeverfahren der Alitalia-Mitarbeiter in die Verdienstausfallkasse. Ein Teil der Alitalia-Mitarbeiter soll später von der neuen Gesellschaft angestellt werden, die aus der Fusion der gesunden Teile der Alitalia mit der privaten italienischen Fluggesellschaft Air One entstehen wird. Allerdings werden dabei 3.250 Jobs wegfallen. Die Regierung Berlusconi wird dem gekündigten Personal soziale Unterstützung für die nächsten sieben Jahre garantieren.

Eine Milliarde Betriebsverlust

Insolvenzverwalter Fantozzi rechnet für das Gesamtjahr 2008 mit einem Betriebsverlust von rund einer Milliarde Euro. Die italienische Regierung hat am vergangenen Mittwoch der Übernahme der Fluggesellschaft durch die Investorengruppe CAI zugestimmt. Nach zweijähriger Käufersuche ebnete sie damit den Weg für den im nächsten Monat geplanten Neustart der Airline. Das Industrieministerium genehmigte den Kauf zu einem Preis von 1,052 Mrd. Euro durch die italienischen Geschäftsleute.

Um die Überlebenschancen der neuen Alitalia zu verbessern, ist die Regierung in Rom zudem noch auf der Suche nach einem ausländischen Großaktionär. Im Gespräch sind Air France-KLM und Lufthansa. Fantozzi zeigte sich optimistisch, dass der angeschlagenen Fluggesellschaft die angestrebte Kehrtwende mit Hilfe eines internationalen Partners gelingen wird.(APA)

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    Drastische Maßnahmen bei der Alitalia

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