Fed pumpt 800 Milliarden Dollar in US-Kreditmärkte

25. November 2008, 15:59
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Die Ziffern werden laufend größer: Insgesamt 800 Milliarden Dollar will die Federal Reserve nun in den Aufkauf von Hypothekenpapieren sowie in den Konsumentenkreditmarkt pumpen

Washington - Die USA kurbeln mit weiteren Stützungsprogrammen im Gesamtvolumen von rund 800 Milliarden Dollar die stockende Vergabe von Konsum- und Immobilienkrediten an. Die Notenbank Federal Reserve (Fed) kündigte am Dienstag an, für bis zu 600 Milliarden Dollar Hypothekenpapiere zu kaufen. Ein weiteres Programm über 200 Milliarden Dollar soll dem ausgetrockneten Markt für Konsumentenkredite neue Liquidität zuführen.

Mit diesen gigantischen Paketen will die Fed nun die aktuellen Probleme der Wirtschaft an der Wurzel packen: Der Immobilienmarkt, dessen Zusammenbruch die derzeitige Krise ausgelöst hat, soll wieder aufgerichtet werden.

"Dieser Schritt soll die Kosten von Krediten für den Hauskauf reduzieren und deren Verfügbarkeit erhöhen, was wiederum den Immobilienmarkt unterstützen sollte", erklärte die Notenbank in einer Aussendung.

Die 600 Milliarden setzen sich folgendermaßen zusammen: Die Fed stellt bis zu 100 Milliarden Dollar bereit, um damit Schulden der quasi verstaatlichten Hypotheken-Institute Fannie Mae und Freddie Mac zu kaufen. Mit zusätzlich bis zu 500 Milliarden Dollar will sie Wertpapiere der zwölf sogenannten Federal Home Loan Banks kaufen, die mit Hypotheken unterlegt sind.

Optimismus

Branchenexperten zeigten sich optimistisch, dass dieser Schritt den Immobilienmarkt merklich stützen wird. Weil es für die Institute zuletzt schwierig war, ihre Schulden zu verkaufen, konnten sie den Banken nicht mehr so viele Hypotheken abkaufen. Dies hatte den US-Immobilienmarkt zusätzlich belastet, weil die Banken deswegen immer zurückhaltender bei der Hypothekenvergabe wurden.

Zur Stützung des Konsums legte die Fed ein Paket im Volumen von 200 Milliarden Dollar auf. Hiermit soll der Markt für Studenten-, Auto-, und Kreditkartendarlehen belebt werden. Auch diese Kreditmärkte waren im Sog der Finanzkrise zuletzt weitgehend ausgetrocknet. Das Geld geht an Halter von Asset Backed Securities auf Basis von Konsumenten- und KMU-Krediten, die mit dem besten Rating Triple-A bewertet sind. Das Finanzministerium unterstützt dieses Vorhaben mit 20 Milliarden Dollar aus dem staatlichen Rettungspaket, das bekanntlich insgesamt 700 Milliarden Dollar umfasst.

Die Börsen reagierten positiv auf das neue Großprogramm der Fed. Der Dow Jones startete mit einem Boost in den Handelstag, die europäischen Börsen machten die Verluste vom Vormittag wieder wett (siehe Börsenbericht).

Die europäische Union, respektive die Kommission, will am Mittwoch Stimuli für die Volkswirtschaften auf dem Alten Kontinent vorstellen (siehe dazu Bericht auf Seite 19). Frankreich will laut Präsident Nicolas Sarkozy in den kommenden zehn Tagen ein eigenes Zusatzpaket schnüren.

US-Wirtschaft schrumpft

Die US-Wirtschaft muss der Finanzkrise zunehmend Tribut zollen und ist im Sommer geschrumpft. Zwischen Juli und September sank das Bruttoinlandsprodukt mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 0,5 Prozent, wie das US-Wirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte. Dies war der stärkste Rückgang der Wirtschaftsleistung seit sieben Jahren.

Die größte Volkswirtschaft der Welt steht nach Ansicht von Experten am Rande einer oder bereits in einer Rezession. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.2008)

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    Die Geld-Kanonen, mit denen Fed-Chef Ben Bernanke auffahren muss, werden immer größer.

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