Blutende Nasen

26. November 2008, 15:27
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Nasenbluten gehört zu den Strapazen des Winters, denn klirrende Kälte und trockene Heizungsluft setzen der empfindlichen Nase zu - Bei unstillbarer Blutung ist der Facharzt gefragt

Erfreut sich die Nase bester Gesundheit, besitzt sie überragende Fähigkeiten. Sie filtert die Atemluft, befreit sie von störenden Staubpartikeln und Mikroorganismen und ist Heizstrahler und Luftbefeuchter zugleich. In Sekundenschnelle erwärmt sie kalte Außenluft auf angenehmere Temperaturen. Alles gemeinsam dient einem Zweck: Die tiefen Atemwege vor krankmachenden Einflüssen zu bewahren.

Hoch sensibel und ausgeklügelt

Das System Nase ist perfekt ausgeklügelt, jedoch hochsensibel und damit den Anforderungen der kalten Jahreszeit oft nicht gewachsen. Wer im Winter nicht mit Nasensalben-/ölen und Spülungen regelmäßige Nasenpflege betreibt, der kämpft unter Umständen mit der trockenen Heizungsluft in Innenräumen, die der Nasenschleimhaut die schützende Feuchtigkeit entzieht. Ungeschmeidig und trocken wird die Nase blutungsanfällig.

Blutung im Venengeflecht

"Die meisten Blutungen aus der Nase sind harmlos und im Locus Kiesselbach zu finden", erklärt Wolfgang Elsässer, Leiter der Hals-Nasen-Ohren Abteilung im Landeskrankenhaus in Feldkirch. Das dichte Venengeflecht im vorderen Anteil der Nase ist nur von einem dünnen Häutchen überzogen und daher sehr vulnerabel. Leichtes Schnäuzen oder manipulieren kann mitunter genügen, dass die Nase plötzlich zu bluten beginnt. Elsässers Empfehlung: Drei bis vier Minuten lang konsequent die Nasenflügel gegen die Nasenscheidewand pressen. Ein kalter Waschlappen im Nacken kann zusätzlich helfen, denn die Kälte induziert eine Verengung der Gefäße. Die Blutzufuhr in Richtung Nase wird damit reduziert.

Nach vorne beugen

Besonders schwer fällt es vielen Menschen beim Nasenbluten den Kopf nach vorne zu neigen. Es macht jedoch Sinn, denn nur so lässt sich auch abschätzen wie viel Blut aus der Nase rinnt. Außerdem verursacht der rote Saft, in rauen Mengen geschluckt, unter Umständen Übelkeit. Wird er erbrochen, steigt der Blutdruck und die Nasenblutung wird nur noch stärker.

Überforderte Hausärzte

Die blutstillenden Strategien sind also denkbar einfach, doch was ist zu tun, wenn die Nase nicht aufhört zu bluten? Dann bleibt nur, einen Arzt aufzusuchen. "Die meisten praktischen Ärzte sind mit Nasenbluten überfordert", weiß Elsässer, der auch das Amt des Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für HNO-Kunde innehat. Zur Verteidigung seiner Kollegen: Hausärzte glänzen nicht durch bloße Unwissenheit, sondern besitzen in der Regel nicht das technische Equipment um Nasenblutungen effizient zu begegnen. Der Versuch mit einer unprofessionellen Tamponade eine Blutung zu stoppen, nicht wissentlich woher sie eigentlich kommt, ist schon so manchem Hausarzt misslungen. Die Überweisung zum Hals-Nasen-Ohren Arzt folgt.

Spezialwissen für Blutstillung

Verglichen mit dem Praktiker behält der Spezialist da wesentlich leichter die Übersicht. Mit einer Lampe auf der Stirn vermag er in die Nase seiner Patienten zu leuchten, in der einen Hand das Nasenspekulum, um Nasenflügel aufzuspreizen, in der anderen einen Sauger, um das sichtbehindernde Blut zu entfernen. Meist ist die Blutungsursache so schnell eruiert und bei Blutungen aus dem erwähnten Venengeflecht auch relativ rasch gestillt. Das blutende Gefäß wird lokal betäubt und dann entweder mit einer bipolaren Pinzette oder mit einer ätzenden Substanz wie Kaliumpermanganat verödet. 

Dahinter steckende Krankheiten

Blutungen aus dem hinteren Anteil der Nasenhöhle sind zwar seltener, treten aber meist spontan und mit größerer Heftigkeit auf. Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck oder Gerinnungsstörungen stecken häufig dahinter. Die Frage nach blutverdünnenden Medikamenten in der Vorgeschichte eines Patienten ist für den Facharzt von besonderem Interesse.

"Egal ob im vorderen oder hinteren Abschnitt der Nase, bei einer diffusen Blutung ist die Tamponade die Therapie der Wahl", erklärt Elsässer. Entscheidend bei dieser Methode: Der Verbandsstoff, der zur Ausfüllung der Nasenhöhle dient, muss besalbt sein, da das Gefäß bei Entfernung der Tamponade nach zwei bis vier Tagen sonst wieder aufreißt.

Die schlimmsten Ursachen

Der Vollständigkeit halber seien noch die schlimmsten Ursachen einer möglichen Blutung aus der Nase erwähnt. Tumore, Verletzungen an der Schädelbasis oder im Nasennebenhöhlenbereich nach schweren Unfällen zählen dazu. HNO-Ärzte bedienen sich hier nicht nur der üblichen Kombinationen aus vorderen und hinteren Salben- oder flüssigkeitsgefüllten Ballontamponaden, sondern erzielen manchmal nur mehr mit endoskopischen oder aufwändigen operativen Maßnahmen den gewünschten Erfolg. (phr, derStandard.at, 26.11.2008)

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    Die Nase leistet viel in der kalten Jahreszeit - empfindlich ist sie trotzdem. Die Ursache von Nasenbluten sollte jedenfalls abgeklärt werden.

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