Älteste Bestattung Österreichs nicht mehr von Häuslbauer bedroht

25. November 2008, 15:02
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27.000 Jahre alte Zwillingsgräber am Wachtberg in Krems gerettet - Archäologen haben weitere sieben Jahre Zeit für Forschungen

St. Pölten - Der Fund wird von den Archäologen als Sensation gehandelt, dennoch war der Erhalt der Zwillingsgräber am Wachtberg in Krems alles andere als gesichert. Die Grundeigentümer wollten auf dem Gelände, das zu den bedeutendsten jungpaläolithischen Fundstätten Europas zählt, bauen. Nun konnte aber eine Lösung gefunden worden, wie der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll bei einer Pressekonferenz in St. Pölten mitteilte.

Forschung unter dem Haus

Wie der für die Denkmalpflege zuständige Landeshauptmann ausführte, gelang es, die verständlichen Interessen der Grundeigentümer und jene der Archäologen auf einen Nenner zu bringen: Eine zusätzliche, seitlich zugängliche Unterkellerung ermöglicht den rechtlich gedeckten privaten Hausbau, das Land übernimmt die Mehrkosten in Höhe von 350.000 Euro.

Überdies erlauben die Eigentümer - quasi unter ihrem Haus - Forschungsarbeiten und Grabungen für weitere sieben Jahre. Ein weiterer Nachbar gestattete kostenlos die Zutrittsmöglichkeit über sein Grundstück, so dass die Fundstelle auch für Schüler und Studenten zugänglich sein wird.

Älteste Bestattung Österreichs

Wissenschafter der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hatten vor drei Jahren mit dem 27.000 Jahre alten Säuglingsgrab die älteste Bestattung Österreichs entdeckt. Die beiden in roten Farbstoff eingebetteten Säuglingsskelette mit Beigaben in Form einer Kette aus Elfenbeinperlen blieben deshalb so gut erhalten, weil die Grabgrube mit dem Schulterblatt eines Mammuts abgedeckt und damit geschützt war. Ein Jahr später wurde nur einen Meter daneben eine weitere Säuglingsbestattung freigelegt.

In einem offenen Brief wiesen mehr als 20 Wissenschafter und Museumsdirektoren, darunter Bernd Lötsch, Direktor des Naturhistorischen Museums Wien, im August - zeitgleich zu den Feierlichkeiten um die vor 100 Jahren entdeckte Venus von Willendorf - auf die Gefährdung der Forschungsarbeiten infolge der Bauabsicht hin. Das Denkmalschutzgesetz verbiete zwar die Zerstörung eines Befundes durch Bauarbeiten, nicht aber die Überbauung von bisher nicht freigelegten Fundschichten.

Das durch den Wachtberg noch erweiterte Weltkulturerbe Wachau sei dem Land sehr viel wert, betonte Pröll. Die ÖAW räume Niederösterreich das Nutzungsrecht ein, die Fundstücke sollen in Ausstellungen u.a. in Krems und im Landesmuseum in St. Pölten präsentiert werden.

"Herausforderung" für die Archäologen

Lötsch, die Archäologin Christine Neugebauer-Maresch und ÖAW-Vizepräsident Herbert Matis betonten die weltweite Beachtung der Fundstelle. Das altsteinzeitliche Bestattungsritual am Wachtberg signalisiere die hohe Kulturstufe der Menschen vor 27.000 Jahren. Die eingeräumten sieben Jahre seien eine "Herausforderung", weshalb das Grabungsteam verdoppelt werde, so Neugebauer-Maresch. Alle dankten den beiden Grundeigentümern, die die Grabungen bereits seit 2005 gestatteten, für ihr kulturelles Verständnis. Diese erklärten, von Beginn an "fasziniert" gewesen zu sein. (APA/red)

  • Das Grabungsgelände am Wachtberg in Krems.
    foto: prähistorische kommission der öaw

    Das Grabungsgelände am Wachtberg in Krems.

  • Die Forschungen an einer der bedeutendsten jungpaläolithischen Fundstätten Europas können zumindest für die nächsten sieben Jahre fortgesetzt werden.
    foto: prähistorische kommission der öaw

    Die Forschungen an einer der bedeutendsten jungpaläolithischen Fundstätten Europas können zumindest für die nächsten sieben Jahre fortgesetzt werden.

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