Kdolsky bereut nichts

25. November 2008, 13:15
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Bilanztagung der scheidenden Gesundheitsministerin: Kann "ordenliche" Bilanz zeigen - Regierung muss an Strukturveränderungen dranbleiben

Wien - Noch-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky war in ihrer Amtszeit nicht gerade für leise Auftritte bekannt, ein leiser Abtritt ist offensichtlich auch ihre Sache nicht. So hat sie am Dienstag zu einer "Bilanztagung" geladen, bei der Sektionschefs, Player im Gesundheitswesen und nicht zuletzt sie selbst ein Resümee über die vergangenen zwei Jahre zogen. Dieses fiel naturgemäß nicht schlecht aus: "Ordentlich", so Kdolskys eigene Bewertung ihrer Arbeit. Anders machen würde die ehemalige Spitalsmanagerin - auch wenn sie die Zeit zurückdrehen könnte - nichts, wie sie gegenüber Journalisten am Rande der Tagung meinte.

Eingeschränkte Kompetenzen

So glaubt die scheidende Ministerin in Sachen Gesundheitsreform eine Bewusstseinsänderung eingeläutet zu haben, wie sie sinngemäß erläuterte. Dass die von ihr angepeilten Reformmaßnahmen letzlich gescheitert sind, erklärt sie mit den eingeschränkten Kompetenzen des Ressorts. Bedauern äußerte sie darüber, dass im neuen Koalitions-Pakt "Mut fehlt, heiße Eisen anzupacken". Die Regierung müsse bei der Kassensanierung "dran bleiben" und Strukturveränderungen angehen anstatt "nur Geld ins System nachzupumpen". Auch die Qualitätssicherung im niedergelassenen Bereich müsse in Angriff genommen werden, forderte sie erneut. Als Beispiele ihrer Errungenschaften nannte die Ministerin unter anderem das flexible Kinderbetreuungsgeld, das Tiertransportgesetz sowie das Präventionsgesetz.

"Unfair behandelt"

Kdolsky, die nach einem anfänglichen Popularitätshoch wegen eigenwilliger Medienauftritte und Interviews zu Details aus ihrem Privatleben scharf kritisiert wurde, fühlt sich nach wie vor unfair behandelt. Die Medien hätten ihre "Offenheit und Ehrlichkeit" nicht verstanden, glaubt sie. Society-Events habe sie nie besucht, ihre Teilnahme am Life-Ball sei ihre Verpflichtung als Gesundheitsministerin gewesen, verteidigte sie sich erneut. Nach dem Motto "Ich bin ich" bereue sie ihr Vorgehen jedenfalls nicht, betonte sie. Dementsprechend rät sie auch ihrem Nachfolger "Ecken und Kanten zu zeigen". Zu ihrer eigenen beruflichen Zukunft wollte sie keine Angaben machen.

Anerkennung zollten Kdolsky unter anderem der Generaldirektor des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Josef Kandlhofer und der Sprecher der österreichischen Patientenanwälte, Gerald Bachinger, in kurzen Ansprachen. Nicht gesichtet bei der Veranstaltung wurden hingegen Vertreter der Ärztekammer. Diese wären über so manche Wortspenden vermutlich auch nicht sehr erfreut gewesen. So sprach Bachinger von "nicht gerechtfertigten, persönlichen Angriffen" gegen Kdolsky von "jenen, die normalerweise die Ethik wie einen Bauchladen vor sich hertragen" und Kandlhofer von "Ärztestreiks, die völlig zu Unrecht vom Zaun gebrochen wurden". (APA)

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