Razzia bei Petrikovics & Co.

25. November 2008, 17:36
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Die erste Hausdurch­suchung in der Causa Immofinanz-Gruppe hatte es in sich: Beamte holten jede Menge Dokumente. Investor Fries zieht noch heuer einen Teil seiner Option

Wien - Die Überraschung ist gelungen. Dienstag früh schwärmten Dutzende Kriminalbeamte sowie Juristen und Beamte der Staatsanwaltschaft Wien aus, um, Punkt neun Uhr, an diversen, für die Causa Constantia Privatbank, Immofinanz und Immoeast neuralgischen Punkten Hausdurchsuchungsbefehle vorzulegen.

Orte der Handlung: Die Constantia Privatbank (CPB) in der Bankgasse, Immofinanz und Immoeast in Wien-Meidling, und andere Büros und Wohnungen, wo nach Unterlagen der Exvorstände Karl Petrikovics und Christian Thornton gesucht wurde. Heiß ging es auch in Hietzing her: Im Hause Petrikovics wurden angeblich jede Menge Unterlagen beschlagnahmt, die der Exmanager zum Studium mit heim genommen hatte. Petrikovics soll seiner Empörung gegenüber der Polizei deutlich Ausdruck verliehen haben; er bestreitet das.

Harte Vorwürfe

Grundlage der generalstabsmäßig geplanten Razzia, die schließlich den ganzen Tag dauern sollte: Die von Staatsanwalt Norbert Haslhofer geführten Ermittlungen gegen Petrikovics, Thornton, Christian Nowotny (er ist Aufsichtsrat der Immofinanz-Beteiligungs AG Ibag, jene mit der ominösen 900-Mio.-Euro-Anleihe; Anm.) und zwei weitere (Ex-)Mitarbeiter der Bank. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Liste der Vorwürfe liest sich dramatisch: Irreführende Ad-hoc-Meldungen, Verschweigung von Risikofaktoren, Verschweigung des Kaufs eigener Aktien "in enormem Umfang", zweckentfremdete Verwendung eines erheblichen Teils des Emissionserlöses (aus Kapitalerhöhungen; Anm.), fragwürdiger Abschluss der Managementverträge, Kauf eigener Aktien aus dem Emissionserlös unter Zwischenschaltung dritter Gesellschaften. Die Tatbestände dahinter: Betrug, Untreue, Insiderhandel und Bilanzmanipulation.

Die Beschuldigten belasten einander inzwischen gegenseitig. In Sachverhaltsdarstellungen an die Staatsanwaltschaft stellen sie die Abläufe, die auch hunderttausend Kleinaktionäre betreffen, je nach Standpunkt unterschiedlich dar. Der Vorstand der Ibag, über die ja 900 Millionen Euro geflossen sein dürften, beteuert, von all dem nichts gewusst zu haben.

Auch Ibag-Vorstand Helmut Falschlehner wurde von der Razzia am falschen Fuß erwischt: Er saß gerade in einer Aufsichtsratssitzung der CPB AG für Unternehmensbeteiligungen (ein ähnliches Vehikel wie die Ibag). An ihr lassen sich die verwickelten Verflechtungen der Gruppe ablesen: Vorstand war bis vor kurzem Investor Rudolf Fries. Nun ist Falschlehner bis Jänner "Notvorstand" der Gesellschaft, sein Aufsichtsratsmandat ist sistiert. Falschlehner: "Wir arbeiten die Vergangenheit auf."

Fries zieht Option

Weiteres Ungemach droht Christine de Castelbajac und ihrer niederländischen Constantia Packaging B. V.: Immofinanz-Aktionär Fries wird einen Teil seiner Put-Option gegenüber der B. V. bereits bis zum Jahresende ziehen - und nicht erst ab 2010. Wie berichtet, muss ihm die B. V. seine Immofinanz-Aktien um sieben Euro abkaufen. Die B. V. bestreitet allerdings die Gültigkeit der Forderungen. Einigt man sich nicht, droht ein jahrelanger Rechtsstreit. Ähnliches gilt übrigens für die Haftung, die die niederländische Gesellschaft für die so genannte Anleihe übernommen hat.

Die B. V. ist gerade dabei, einen Teil ihrer Constantia Packaging AG an den Mann zu bringen. Erst vor wenigen Wochen hat sie der CPB weitere zehn Prozent der Packaging AG abgekauft. Auf Pump: Die Bank Austria hat der B. V. einen Kredit über 160 Mio. Euro gewährt. Die Bank Austria hat inzwischen ein Pfandrecht an 15 Prozent der Packaging-Aktien, an Fries sind weitere zehn Prozent verpfändet.

In der Constantia Kapitalanlagegesellschaft ist am Montag Aufsichtsrat-Vizechef, Karl Setinek, zurückgetreten. Er ist seit 2000 Finanzvorstand der Österreichischen Beamten-Versicherung, war davor 21 Jahre lang in der CA. (Renate Graber, Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe, 26.11.208)

  • Dienstag, kurz nach neun Uhr früh, Eingang zur Constantia
Privatbank:Kriminalbeamte schwärmen zur Hausdurchsuchung herbei, um
Unterlagen sicherzustellen.
    foto: cremer

    Dienstag, kurz nach neun Uhr früh, Eingang zur Constantia Privatbank:Kriminalbeamte schwärmen zur Hausdurchsuchung herbei, um Unterlagen sicherzustellen.

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