Krise gefährdet bis zu 7.200 Jobs

25. November 2008, 13:37
8 Postings

Zwar ist die Buchungs­lage für den heurigen Winter noch gut, wie es weiter geht, hängt aber auch davon ab, "was Frau Merkel und Co machen werden"

Wien - Große Unsicherheit herrscht über die künftige Beschäftigungsentwicklung im heimischen Tourismus. Schlimmstenfalls könnten im kommenden Jahr bis zu 7.200 Jobs verloren gehen, zitiert der vida-Vorsitzende und ÖGB-Arbeitsmarktsprecher Rudolf Kaske aus einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts Synthesis. Das Institut hat drei unterschiedliche Szenarien errechnet. Nagelprobe werde der kommende Sommer sein, so Kaske am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf, Tourismus-Spartenobmann Hans Schenner und Wifo-Tourismusexperten Egon Smeral.

Im Detail geht das optimistische Szenario für 2009 bei entsprechender Konjunkturpolitik in Österreich und den wichtigsten Märkten von einem Plus von 1.900 Arbeitsplätzen aus. Das mittlere Szenario nimmt bei zögerlicher Konjunkturpolitik ein Minus von 2.500 Job an. Bei einem Einbruch der Wachstumsmärkte und stark zögerlicher Wirtschaftspolitik werden laut Synthesis bis zu 7.200 Tourismus-Jobs verloren gehen. Dieses Szenario "wollen wir nicht annehmen", so Kaske.

Naivität

Aber es wäre naiv, wenn man meine, dass die Krise keine Auswirkungen auf die Tourismuswirtschaft haben werde. Das mittlere Szenario, das einen Rückgang um 2.500 Beschäftigte vorsieht, wäre, so Kaske, "noch kein Oberschenkelhalsbuch, sondern nur eine Delle", vor allem deshalb, weil in der Branche die Beschäftigung in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugelegt hat.

Im Oktober waren im Tourismus 168.924 Beschäftigte, das waren um 885 oder um 0,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenrate in der Branche betrug zuletzt 17 Prozent. Der hohe Wert erklärt sich aus den Saisonschwankungen.

Die Tourismusbranchenprognose decke sich mit der Gesamtprognose, so AMS-Vorstand Kopf. Auch hier gebe es Schwankungen. So gehe das AMS für 2009 von 20.000, das Wifo von 24.000 zusätzlichen Arbeitslosen aus. Die Entwicklung werde von den Konjunkturmaßnahmen abhängen. Im Tourismus werde es auch darauf ankommen "was Frau Merkel und Co machen werden" und was in Russland passiert, so Kaske. "Man denke nur an die russischen Weihnachten im Jänner."

Die Buchungen für den bevorstehenden Winter sind gut, betonte Spartenobmann und Hotelier Hans Schenner. In der Ferienbranche werde es für das nächste halbe Jahr keine Probleme geben. Schenner fordert von der neuen Regierung mehr Förderungen. So sollte das Budget für die Österreich Werbung um 20 Prozent auf 60 Mio. Euro aufgestockt werden.

Fachkräfte gesucht

Der Tourismus hat rotz Krisenszenarien einen großen Bedarf an qualifizierten Fachkräften, vor allem Kellner und Köche sind gefragt, betonte der Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf, am Dienstag anlässlich des zweiten Tourismus-Arbeitsmarktgipfel. Der Tourismus ist eine wichtige Stütze für den Arbeitsmarkt und in schwierigen Zeiten ein "stabiler Pfeiler".

"Um die Unternehmen bei der Suche nach qualifizierten Fachkräften zu unterstützen, hat das AMS gemeinsam mit den Sozialpartnern - zusätzlich zu den bereits bestehenden Schulungen - ein regionales Qualifizierungsprogramm für Fachkräfte ins Leben gerufen, mit dem heuer mehr als 500 Personen zu Fachkräften in Gastronomie- und Tourismusberufen ausgebildet werden", betonte Kopf. Dabei werden in Wien beispielsweise Facharbeiterintensivausbildungen für Köchinnen und Köche und in der Steiermark Ausbildungen für Restaurantfachkräfte (Kellner/innen) durchgeführt. Im nächsten Jahr werde das regionale Qualifizierungsprogramm sogar noch erweitert: 2009 sollen insgesamt rund 900 Personen zusätzlich im Bereich Gastronomie/Tourismus geschult werden. Der Schwerpunkt liege dabei in den Regionen Salzburg, Wien und Steiermark, Niederösterreich und Tirol.

Zusätzlich zur Fachkräfteausbildung setzt das AMS verstärkt auf die Höherqualifizierung von Arbeitnehmern im Hotel- und Gastgewerbe. Gemeinsam mit den Sozialpartnern wurde dazu ein neues Förderpaket geschnürt: Seit Anfang November d.J. unterstützt das AMS alle Arbeitgeber im Hotel- und Gastgewerbe, die eine Woche vor Saisonbeginn im Rahmen des beginnenden Arbeitsverhältnisses die Teilnahme ihrer Mitarbeiter an einer Schulung wie z.B. Verkaufstrainings, Sommelierkurse etc. ermöglichen. Bei dieser Schulungswoche übernimmt das AMS 90 Prozent der Kurskosten, 10 Prozent finanziert der Betrieb selbst, betonte vida-Vorsitzender Rudolf Kaske. Voraussetzung für die Förderung ist, dass der geschulte Mitarbeiter unmittelbar vorher beim AMS arbeitslos gemeldet war.

Förderungen

Darüber hinaus fördert das AMS im Rahmen der Qualifizierungsförderung für Beschäftigte die Weiterbildung von Personen im Alter ab 45 Jahren, von Frauen mit höchstens Lehrausbildung oder mittlerer Schule sowie von Wiedereinsteigerinnen. Dabei finanziert das AMS gemeinsam mit dem Europäischen Sozialfonds (ESF) zwei Drittel der Kurskosten, ein Drittel zahlt der Betrieb selbst. Die Förderung wird von der Hotel- und Gastronomiebranche in steigendem Ausmaß in Anspruch genommen: 2007 gab es rund 460 Schulungsteilnehmer, 2008 profitierten bereits rund 760 Teilnehmer und Teilnehmerinnen von der Förderung.

Als Basis für die Fördermaßnahmen dient eine aktuelle Wifo-Studie von Egon Smeral, der die Ausbildungserfordernisse und den Arbeitskräftebedarf der Branche untersucht. Teilgenommen haben an der Online-Befragung 3.200 Unternehmen. Unter anderem ergab die Studie, dass mehr als die Hälfte der im Hotel- und Gastgewerbe beschäftigten Personen besser als nach dem Kollektivvertrag entlohnt werden.

80 Prozent der in den befragten Betrieben Beschäftigten sind jünger als 45 Jahre. Damit bieten Hotellerie und Gastronomie weitgehend Berufsfelder für jüngere Menschen. "Aber genau in diesem Punkt müssen wir uns alle gemeinsam anstrengen, um auch ältere Personen und Wiedereinsteiger für den Tourismus zu gewinnen; denn die prognostizierte Überalterung der Bevölkerung wird auch unsere Branche voll treffen", so Tourismussparten-Obmann Hans Schenner. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zwei Spuren im Schnee... In der österreichischen Tourismusbranche steht Unsicherheit an der Tagesordnung - im schlimmsten Fall könnten über 7.000 Stellen gefährdet sein.

Share if you care.