"Schülervertreter brauchen eine Aufwertung "

25. November 2008, 12:57
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Mit der Neuauflage der großen Koalition sind breite Reformen möglich: Der SchülerStandard hörte sich deshalb unter den zwei rivalisierenden Schülervertretern um, was die Jugend fordert.

Wien - "Bildung liegt in der Prioritätenreihung der Politik vorn", sagt der Politologe Peter Filzmaier. "Die Frage ist nur, ob das ein Lippenbekenntnis ist und wie viele Ressourcen dafür bereitgestellt werden." Und gerade weil die Regierung wegen der Wirtschaftskrise momentan gezwungen sei, enorme Summen in andere Bereiche zu investieren, "ist weiter zu fragen, wie viel Geld dann für Bildung übrig- bleibt", resümiert Filzmaier.

Doch wenn schon wenig Geld zur Verfügung steht, wofür sollte es dann ausgeben werden? Wo liegen die größten Baustellen in Sachen Bildung und Schule, wenn Schülervertreter das Sagen hätten?

Klar an erster Stelle steht nicht das Kussverbot, sondern die Gesamtschule. Die "neue Mittelschule" als das Projekt der letzten und auch künftigen Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) wird derzeit und wohl auch zukünftig nicht flächendeckend, in dem von ihr geplanten Ausmaß, bevorstehen.

"Das pädagogische Konzept hinter den Mittelschulen ist wirklich beeindruckend, das begrüßen wir sehr. Ich bin auf jeden Fall für die Gesamtschule", meint Klaus Baumgartner, Vorsitzender der Aktion kritischer SchülerInnen (AKS). Die AKS, derzeit größte Schülerorganisation Österreichs, fährt damit die Linie der Partei, an die sie sich anlehnt, der SPÖ.

Das Konzept einer Gesamtschule fordert, betont Klaus Baumgartner, andere Veränderungen vor allem in der Lehrerausbildung. Eine "intensivere pädagogische Bildung" soll zukünftige Lehrer verstärkt von dem klassischen Berufskonzept in die Richtung treiben zu "Trainern für die Schüler" zu werden. "Das würde auch dem Lehrberuf Aufwertung bringen", meint der Vorsitzende der AKS.

Matthias Hansy, Bundesobmann der 1972 gegründeten Schülerunion, ist auf die Gesamtschule nicht gut zu sprechen. Auch er lehnt sich an die Position der nahestehenden ÖVP an und weist darauf hin, dass es wichtig sei, in der Schule zwischen den Schülern zu differenzieren. Nur dann könne gewährleistet werden, dass alle Schüler nach ihren jeweiligen Begabungen gefördert werden. "Dieser Punkt der Differenzierung gehört nicht vermindert, sondern sogar noch verstärkt", geht Hansy in seinen Forderungen weiter.

Zentralisierte Matura

Die österreichweit einheitliche Matura, wird zu einem weiteren Arbeitspunkt der neuen Regierung werden, unter den Schülerorganisationen ebenso umstritten.

"Die Zentralmatura an sich ist nichts anderes als ein Bildungsstandard", erklärt Hansy von der Schülerunion. Doch so etwas müsse ab der unteren Schulstufe funktionieren und könne nicht von oben eingeführt werden. "Das Bestreben, jetzt eine Zentralmatura übers Knie zu brechen, halte ich für ein ganz gefährliches", kritisiert er, gesteht aber ein: Längerfristig sei eine Zentralmatura jedoch absolut wünschenswert.

Die AKS hingegen ist gegen die Vereinheitlichung der Matura. "Prinziell finden wir es gut, dass man alle Schulen in Österreich auf den gleichen Bildungsstandard bringen will, jedoch ist die Zentralmatura der falsche Weg", betont Baumgartner. "Uns ist die Vereinheitlichung der Schulen wichtig, sodass es keine finanziellen Hürden mehr gibt und der sozioökonomische Hintergrund nicht mehr darüber entscheidet, welchen Bildungsweg ich einschlagen kann."

Neben diesen klassischen Themen, haben die zwei Köpfe an der Spitze der Schülerparteien weitere Ideen zur Gestaltung der Schulen.

"Modern" ist das Stichwort für die Schülerunion. "Unnötige, veraltete Inhalte sollten aus dem Lehrplan gestrichen werden und stattdessen sinnvolle wie zum Beispiel politische Bildung oder Bereiche wie Rhetorik, Projektmanagement und sozialer Umgang verstärkt in den Unterricht eingebaut werden", sagt Hansy. Laut dem Bundesobmann ist das heutzutage "für die Schüler viel wichtiger als die reine Wissensvermittlung".

Baumgartner hingegen liegt vor allem Politik-Vermittlung am Herzen. Ihm ist wichtig, "zu zeigen, dass Politik Veränderung bedeutet, die auch für die Menschen spürbar ist", und das möglichst früh.

Jüngere Schülervertreter

Für die AKS beginnt Demokratie schon in der Volkschule. Deswegen schlägt Baumgartner Klassensprecher ab der ersten Volkschulklasse vor. "Man muss Demokratie lernen. Wenn man Sechsjährigen die Chance gibt zu sagen, was sie wollen, werden sie das sicher tun."

Dieser Idee ist auch Hansy nicht abgeneigt. "Ich wäre auf jeden Fall für Klassensprecher ab der ersten Klasse Volkschule."

Beiden Seiten ist die bessere Vertretung von Schülern wichtig. "Schülervertreter brauchen eine Aufwertung. Auf überschulischer Ebene sollte ein Schulpartnergremium einzurichten, hier ist die zentrale Komponente allein das Ministerium", sagt Hansy. (Magdalena Legerer, Antonia Reiss/DER STANDARD, 25.11.2008)

  • Was würde eine große Koalition von Schüler- vertretern machen, wenn sie in der Regierung das Sagen hätten? Viel Streit wäre nicht zu vermeiden.
    foto: standard/urban

    Was würde eine große Koalition von Schüler- vertretern machen, wenn sie in der Regierung das Sagen hätten? Viel Streit wäre nicht zu vermeiden.

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