Porträt: Schon immer ein Querkopf in der SPD

25. November 2008, 12:05
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Motto "viel Feind, viel Ehr"

Berlin - Angst vor heißen Eisen hat der frühere deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement nie, Konflikte regelrecht gesucht. Nach dem Motto "viel Feind, viel Ehr", brachte der Mann aus dem Ruhrgebiet seine Partei, die SPD, immer wieder gegen sich auf. Genossen rauften sich die Haare, wenn er wieder einmal querschoss, sich für Atomkraft, weniger Kündigungsschutz, mehr Zeitarbeit oder gegen Mindestlöhne positionierte. Die indirekte Aufforderung, die hessische SPD mit ihrer Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti nicht zu wählen, war nur noch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Clements Stern als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen war schon im Sinken, als ihn 2002 der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder mit einem Überraschungscoup in Berlin zum Ressortchef für Wirtschaft und Arbeit machte. Als Super-Minister verkörperte er fortan in einer Person das - später gescheiterte - "Bündnis für Arbeit" und war wesentlich an der Durchsetzung der Reform-Agenda 2010 beteiligt. Mit dem Antritt der Großen Koalition (CDU/CSU/SPD) im Herbst 2005 war Clement jedoch, auf Betreiben des damaligen SPD-Partei- und Fraktionschefs Franz Müntefering, als Ressortchef abgemeldet.

Journalist mit Jus-Studium

Seine berufliche Laufbahn hatte der 68-jährige gebürtige Bochumer nach dem Jurastudium als Redakteur bei der "Westfälischen Rundschau" gestartet. Von 1973 bis 1981 war er dort stellvertretender Chefredakteur. Die Parteilaufbahn war zunächst wechselhaft. 1981 wurde er Sprecher des SPD-Vorstandes, von 1985 an auch stellvertretender Bundesgeschäftsführer der SPD.

Wegen mangelnder Unterstützung der SPD für ihren Kanzlerkandidaten Johannes Rau legte Clement 1987 alle Parteiämter nieder und übernahm bis 1988 die Chefredaktion der "Hamburger Morgenpost". Rau macht ihn 1989 zum Chef der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei und Minister für besondere Aufgaben. Später wurde Clement Landes-Wirtschafts- und Verkehrsminister, 1998 als Nachfolger von Rau Ministerpräsident.

Der drahtige 68-Jährige - heute als Lobbyist für Energie und Zeitarbeit tätig - hat viele Ecken und Kanten: Journalisten stauchte er schon mal für "dusselige Fragen" zusammen. Wutausbrüche vor laufender Kamera waren nicht selten. Der bekennende VfL-Bochum-Fan und passionierte Jogger und Frühsportler hat aber auch andere Seiten: Wenn er auf seine fünf Töchter zu sprechen kommt, nennt er sie liebevoll "meine Clementinen". (APA/dpa)

 

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