Deutschland 2009 in tiefer Rezession, auch Schweizer Wirtschaft strauchelt

25. November 2008, 12:23
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Die wirtschaftliche Talfahrt in Deutschland hält nach Einschätzung der OECD bis weit ins nächste Jahr an - Schweizer Wirtschaft dürfte um 0,2 Prozent schrumpfen

Die wirtschaftliche Talfahrt in Deutschland hält nach Einschätzung der OECD bis weit ins nächste Jahr an. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde nächstes Jahr real um 0,9 Prozent schrumpfen (bereinigt um freie Tage um 0,8 Prozent), teilte die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag mit.

"Es wird damit gerechnet, dass das reale BIP im verbleibenden Teil von 2008 stark nachgeben und im ersten Halbjahr 2009 weiter zurückgehen wird", heißt es in dem Bericht der Organisation von 30 Industrieländern. Wegen seiner Exportabhängigkeit treffe Deutschland der weltweite Konjunktureinbruch besonders hart. Die OECD-Forscher haben bei ihrem Ausblick allerdings das Konjunkturpaket der Bundesregierung noch nicht berücksichtigt.

Arbeitslosigkeit dürfte erheblich steigen

"Die Arbeitslosigkeit dürfte gegenüber ihrem derzeit niedrigen Stand erheblich ansteigen, wobei erste Entlassungen hauptsächlich Zeitarbeitskräfte treffen werden", sagt die OECD voraus. Die Organisation prognostiziert für 2009 einen Anstieg der Arbeitslosenquote - nach internationaler Definition - von geschätzten 7,4 auf über acht Prozent. Dennoch werde der private Konsum voraussichtlich moderat zulegen, da die meisten der höheren Lohnabschlüsse von 2008 bis weit in das nächste Jahr hineinwirkten. Durch den nachlassenden Preisdruck verbleibe den Verbrauchern zudem real mehr Geld in der Tasche. Die OECD geht davon aus, dass wegen der nachlassenden Nahrungs- und Energiepreise die Inflation spürbar auf Jahresraten von unter 1,5 Prozent sinken werde.

Ab dem zweiten Halbjahr 2009 werde sich die Wirtschaft etwas erholen. Für 2010 rechnet die Organisation mit der Rückkehr zum Wachstumspfad, wobei ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 1,3 Prozent veranschlagt wird.

Die Wirtschaftstätigkeit lasse in den meisten OECD-Volkswirtschaften bereits nach und dürfte sich auf kurze Sicht weiter abschwächen, sagte die Organisation voraus. Das OECD-weite Wachstum werde wahrscheinlich für einige Quartale im negativen Bereich liegen und auch im restlichen Teil des Jahres 2009 schwach bleiben.

Schweizer Wirtschaft schrumpft

Auch die Schweiz ist nach den Zahlen der OECD vom Rückgang betroffen. Für das kommende Jahr sagt die in Paris beheimatete Organisation eine leicht rückläufige Wirtschaftsleistung von 0,2 Prozent und eine Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent voraus. Der Finanzsektor, der 12,5 Prozent des Bruttosozialproduktes erwirtschaftet, werde kaum noch einen Wachstumsbeitrag liefern können und auch andere Schweizer Multis dürften im Ausland weniger verdienen als bisher, hieß es in der am Dienstag vorgelegten Wirtschaftsprognose.

2010, wenn die erwartete Erholung an den Finanzmärkten eintritt, sollte das Wachstum wieder 1,6 Prozent erreichen. Auf dem mit Verzögerung reagierenden Arbeitsmarkt wird das aber wohl noch nicht zu spüren sein. Laut der Prognose muss 2010 mit einer Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent gerechnet werden.

2009 und 2010 dürften sich auch die Steuereinnahmen markant zurückbilden. Falls die Finanzkrise länger anhält als erwartet, werde das starke und direkte Auswirkungen auf der Wirtschaftswachstum und die Steuereinnahmen haben.

Ein explizites Konjunkturprogramm forderte die OECD für die Schweiz nicht. Die Schweiz solle vielmehr die im öffentlichen Haushalt eingebauten Stabilisatoren spielen lassen. Der Spielraum dafür sein vorhanden. (APA)

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