Adobe AIR: Gadgets und Web-Anwendungen selbst entwickeln

25. November 2008, 11:33
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Die Creative Suite 4 von Adobe ist mehr als ein Kreativwerkzeug - Zwei "AIR-Lines" führen zum Ziel

"Rich Internet Applications", abgekürzt RIA, heißen Computerprogramme, die den Trend unterstützen, dass Betriebssysteme ihre einst überragende Bedeutung für den Computernutzer verlieren. Google, Microsoft und andere bieten Anwendungen an, die direkt im Browser laufen. "Gadgets" oder "Widgets" stehen als kleine Helferlein auf dem Desktop bereit. Und "Mashups" führen Daten aus verschiedenen Quellen im Internet in einem Programm zusammen.

Web-Applikationen selbst entwickeln

Alle drei Möglichkeiten unterstützt das AIR-Konzept von Adobe, mit dem sich auch ohne große Programmierkenntnisse Web-Applikationen entwickeln lassen. Das geht bei diesem offenen Konzept mit einem kostenlosen Text-Editor und dem ebenfalls kostenlos bereitgestellten AIR SDK (Software Development Kit) - neueste Version ist AIR 1.5. Besonders einfach ist die Anwendungsentwicklung aber mit den Programmen der in diesem Monat eingeführten Creative Suite 4 (CS4) des kalifornischen Software-Unternehmens.

Flash und Dreamweaver

Es sind im Wesentlichen zwei CS4-Programme, die als "AIR-Line" genutzt werden können, als Entwicklungsumgebung für Anwendungen in dieser Technik: Flash und Dreamweaver. Content und Layout der AIR-Anwendungen lassen sich mit Hilfe von weiteren CS4-Werkzeugen wie Photoshop, Fireworks oder Acrobat erstellen, so dass der Workflow-Charakter des umfangreichen Programmpakets zum Tragen kommt.

Die Entscheidung zwischen Flash und Dreamweaver hängt von der Wahl der Skriptsprache ab, mit deren Hilfe das gewünschte Programm die Interaktion mit seinen Benutzern umsetzt: Bei Flash kommt das von dieser Technik genutzte ActionScript zum Einsatz, beim Dreamweaver das weit verbreitete JavaScript.

Auf der Grundlage von HTML und JavaScript lässt sich jede Webseite mit oder auch ohne dynamische Interaktion in eine AIR-Anwendung übersetzen. Dazu muss bei Adobe zunächst eine Erweiterung für Dreamweaver heruntergeladen und installiert werden. Danach steht unter dem Menü-Eintrag "Site" der Befehl "Create AIR File" zur Verfügung.

Einstellungen festlegen

Im ersten Schritt der AIR-Programmierung mit dem Dreamweaver müssen bestimmte Einstellungen für das gewünschte AIR-Programm festgelegt werden: Name, Versionsnummer, Beschreibung, Fenstergröße und ein Bildchen für das Programmsymbol. Erforderlich ist aus Sicherheitsgründen auch eine digitale Signatur, die mit einem Passwort geschützt wird. Schließlich erstellt die Software eine Programmdatei mit der Endung .air - aus der Webseite ist ein Programm geworden, das auf jedem Computer installiert werden kann.

AIR installieren

Dazu ist es allerdings erforderlich, die "Adobe Integrated Runtime" (AIR) für das Ausführen des Programmcodes auch auf dem Computer zu installieren. Die rund 20 MB große Datei gibt es für Windows und Mac, eine Linux-Version ist noch in der Testphase. Anschließend startet ein Doppelklick auf die AIR-Datei die Installation. Es erscheint zunächst eine Sicherheitsabfrage: "Möchten Sie diese Anwendung wirklich auf dem Computer installieren?" und die Aufforderung: "Installieren Sie nur Anwendungen von Quellen, denen Sie vertrauen."

Wird dies bestätigt, steht das Programm danach im Programmmenü oder -ordner zur Verfügung. Soll es als richtige Web-Anwendung angeboten werden, die nicht auf dem Desktop, sondern im Browser laufen soll, muss die Schnittstelle (API) für den Browser in die Anwendung integriert werden. Die erforderlichen Code-Zeilen werden in die zentrale XML-Datei der Anwendung eingefügt - diese findet sich, wenn man die Installationsdatei des Programms mit der Endung .air entpackt.

Animationen einfacher erstellen

Die mit Dreamweaver erstellte AIR-Anwendung ist auf die Fähigkeiten von HTML und JavaScript beschränkt. Weiter reichen die Möglichkeiten eines AIR-Programms auf der Grundlage von Flash, dem Adobe-Werkzeug für die Erstellung von Animationen und interaktiven Web-Anwendungen. Flash nutzt in der neuen Version CS4 ein objektbasiertes Modell, mit dem sich Animationen sehr viel einfacher erstellen lassen als bisher. Die interaktiven Fähigkeiten der gewünschten Anwendung werden im Fenster "Aktionen" ausgewählt - hier stehen Code-Schnipsel für alle gängigen Methoden zur Verfügung, um etwa das Verhalten der Anwendung beim Mausklick auf einen bestimmten Button zu steuern.

Ergebnis gleich testen

Wie man es bei Flash gewohnt ist, kann man das Ergebnis gleich testen, indem man es "abspielt". Der integrierte "Debugger" untersucht den ActionScript-Code, und wenn alles stimmig ist, wird das AIR-Programm mit wenigen Mausklicks erstellt. Im Unterschied zum Dreamweaver muss man hier keine gesonderte Erweiterung installieren, bei Flash ist die AIR-Unterstützung von vornherein mit integriert.

Noch steht das AIR-Konzept am Anfang, und andere RIA-Techniken wie Silverlight von Microsoft oder JavaFX von Sun Microsystems bieten der Adobe-Technik Konkurrenz. Ob AIR-Anwendungen einmal zum Computer-Alltag dazugehören, wird wohl entscheidend von der Kreativität der Entwickler abhängen.

Die Adobe Creative Suite 4 für Windows oder Mac kostet als umfassende "Master"-Ausgabe 3.570 Euro. Einzeln gibt es den Dreamweaver CS4 für 570 Euro und Flash CS4 für 832 Euro. Zum Kennenlernen der Programme gibt es im Internet kostenlose 30-Tage-Testversionen. (AP)

  • Rich Internet Applications sind Web-Anwendungen, die Funktionen des Betriebssystems verwenden
    screenshot: adobe

    Rich Internet Applications sind Web-Anwendungen, die Funktionen des Betriebssystems verwenden

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