"Queen of Less" wird 65

26. November 2008, 17:00
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Jil Sander gilt als Aushängeschild der deutschen Modeszene - Die Designerin hat sich vor Jahren aus dem Geschäft zurückgezogen - Nicht ganz freiwillig

Hamburg - Jil Sander, Aushängeschild der deutschen Mode, feiert am 27. November ihren 65. Geburtstag. In aller Stille - die Hambugrer Designerin hat der Modeszene längst den Rücken zugekehrt. Noch wartet die Branche vergeblich auf ein Comeback.

Aus "Heidemarie" wird "Jil"

1943 in Wesselburen (Schleswig- Holstein) geboren, wuchs Heidemarie Jiline Sander in Hamburg bei ihrer Mutter und deren zweitem Mann auf. Nach einer Ausbildung zur Textilingenieurin studierte Sander zwei Jahre in Los Angeles. Zurück in Deutschland, arbeitete sie als Moderedakteurin. 1967 eröffnete sie im schicken Hamburger Stadtteil Pöseldorf eine Boutique, in der sie auch eigene Entwürfe verkaufte. Schnell galt das Geschäft in der Milchstraße als Geheimtipp in der jungen Modeszene. Aus "Heidemarie" wurde "Jil".

Jil Sander stand für ein modernes und souveränes Frauenbild, für ein neues Selbstbewusstsein. "Noch heute wundere ich mich über meinen Widerstand und auch über meinen Mut", sagte sie später rückblickend. "Ich wollte etwas verändern; das sah ich wie eine Mission."

"Queen of Less"

Diese Mission - überladene Mode zu reduzieren auf einfache Linien und klare Formen - hat sie nicht mehr aus dem Blick verloren. Furore machte sie mit ihren figurbetonten klassisch-schlichten Entwürfen, für die sie edelste Materialien verwendete - und Farben wie Braun, Beige, Creme und dunkles Blau. Ihre puristischen Entwürfe brachten ihr den Titel der "Queen of Less" ein.

1979 lancierte die Designerin mit "Woman Pure" ihren ersten Frauenduft - für dieses Parfum warb sie mit ihrem eigenen Gesicht, was ihre Popularität erheblich steigerte. Ende der 90er Jahre war die Hamburger Designerin auf dem Gipfel ihres Ruhmes angelangt. "Jil Sander" steht bis heute neben Damenkleidung auch für Handtaschen, Sonnenbrillen und Kosmetik, die Marke hält Läden von Paris bis Tokio. Außerdem lancierte die Designerin 1997 eine aufwendige Herrenlinie.

Nach finanziellen Turbulenzen ging im September 1999 die Aktienmehrheit der Jil Sander AG an die italienische Prada-Gruppe. Jil Sander zog sich als Vorstandsvorsitzende zurück, wollte künftig für den Entwurf der Kollektionen verantwortlich sein, den kreativen Part in der Unternehmensführung übernehmen.

Sanders Abschied

Mit Prada-Chef Patrizio Bertelli und Jil Sander prallten jedoch zwei starke Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Vorstellungen aufeinander. Schon wenige Monate nach dem Verkauf stieg Sander aus; "Jil Sander" ohne Jil Sander funktionierte mehr schlecht als recht. Und so holte Bertelli sie drei Jahre später zurück. Die Auszeit hatte der Designerin gut getan: Sanders neuen Entwürfe wurden als "feminin wie nie und dennoch modern und klar wie zu ihren Glanzzeiten" bejubelt

Im November 2004 wurde bekanntgegeben, dass Jil Sander die Firma wieder verlassen habe. Gut ein Jahr später verkaufte Prada die Marke, mittlerweile hat sie erneut den Haupteigentümer gewechselt. Immerhin macht der belgische Designer Raf Simons bei der Modefirma Jil Sander einen anerkannten Job. Dennoch warten Sanders Fans immer noch auf ihre Rückkehr. (red/APA)

 

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    Jil Sander, aufgenommen 1997 in Hamburg

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    Das undatierte Foto zeigt die Modeschöpferin mit einer Stoffmuster-Kollektion.

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    Jil Sander posiert im Jahr 1983 in ihrem Büro für die Fotografen.

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