US-Aktienmärkte: Strategie Dezember

25. November 2008, 10:43
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Um die 40 Prozent sind die großen US-Indizes heuer gefallen. Der Markt wartet ab, welche Maßnahmen der neue Präsident Obama ergreifen wird - Von Markus Christandl

Um die 40 % sind die großen US Indizes im heurigen Jahr gefallen, und hinter diesen massiven Rückgängen stehen nicht weniger massive Turbulenzen und Veränderungen, die im Zuge der Finanzkrise 2008 über die Wall Street hereingebrochen sind.
Was 2007 als Krise am US-Immobilienmarkt begann, wuchs sich 2008 zu einer Finanz- und dann zu einer Wirtschaftskrise aus. Der Zusammenbruch des Marktes für verbriefte Hypothekarkredite brachte Banken in aller Welt ins Trudeln, die Staaten mussten Hilfspakete schnüren. Besonders hart erwischte es die reinrassigen US-Investmentbanken. Von den 5 noch zu Jahresbeginn 2008 existierenden Instituten bleiben nur mehr zwei übrig, nämlich Goldman Sachs und Morgan Stanley, und die mussten um eine Banklizenz ansuchen. Lehman ist in Gläubigerschutz, Bear Stearns und Merrill Lynch wurden mehr oder weniger freiwillig übernommen.
Auch die Notenbanken in aller Welt, allen vor an die US Federal Reserve, versuchten, dem System mit Zinssenkungen und anderen Hilfsmaßnahmen unter die Arme zu greifen. Allein in den USA wurden die Leitzinsen seit September 2007 in neun Schritten auf derzeit 1 % gesenkt.

Auswirkungen auf die Realwirtschaft

Während sich im Spätherbst die Finanzkrise selbst etwas zu beruhigen schien, traten die Auswirkungen auf die Realwirtschaft immer mehr zu Tage. Die USA dürfte wohl in die schlimmste Rezession seit zwei Jahrzehnten kippen, mit schweren Rückgängen beim Konsum, einem nach wie vor unter Druck stehenden Immobilienmarkt und einer sich deutlich verschlimmernden Situation am Arbeitsmarkt.
Vom neu gewählten US Präsidenten Obama erwartet man jetzt, den wirtschaftlichen Umschwung herbeizuführen und wohl auch jene regulatorischen Schritte einzuleiten, die nötig sein werden, um das Vertrauen in das Finanzsystem nachhaltig wieder herzustellen.
Vor diesem Hintergrund sind die Fundamentaldaten der Aktien natürlich weiterhin mehr als angespannt. Im dritten Quartal 08 verbuchten die Werte im S&P 500 einen Gewinnrückgang um mehr als 20 %. Das ist somit das fünfte Quartal in Folge mit rückläufigen Gewinnen, und auch für die nächsten ein bis zwei Quartale werden die Aussichten wohl mehr als gedämpft ausfallen.

Geringe Visibilität

Im Moment ist die Visibilität am US-Aktienmarkt - und nicht nur dort - sehr gering. Das hat einerseits fundamentale Gründe, sprich man kann derzeit das Ausmaß der Rezession noch nicht wirklich abschätzen. Andererseits ist nicht auszuschließen, dass auch eine gewisse politische Unsicherheit herrscht. Der Markt wartet noch ab, welche Maßnahmen der neue Präsident Obama ergreifen wird. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie die noch im TARP zur Verfügung stehenden Mittel genutzt werden sollen, bzw. welche weitere Branche (Autos?) staatliche Hilfe erwarten darf. Wenn mehr Klarheit über die Zusammensetzung des wirtschaftlichen Beraterteams von Obama herrscht, sollte das wohl zu einer Beruhigung der Lage beitragen.
Für die verbleibenden Wochen des alten Jahres sehen wir weiterhin sehr volatile Märkte, räumen aber gleichzeitig ein, dass die stark überverkaufte Situation auch zu einer kurzfristigen Gegenbewegung führen kann. Fundamental bleiben wir aber bei unserer vorsichtigen Einschätzung.

Zur Person
Markus Christandl ist Analyst im Asset Management der Bank Austria.


Die vorstehenden Inhalte enthalten kurzfristige Markteinschätzungen, die auf öffentlich bekannten Informationen und auf Quellen beruhen, die wir für zuverlässig erachten. Alle in diesem Bericht enthaltenen Informationen, Meinungen und Schätzwerte geben unsere Überzeugung zum gegenwärtigen Zeitpunkt wieder und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Alle Angaben trotz größter Sorgfalt ohne Gewähr; Irrtum und Druckfehler vorbehalten.

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    Frostige Aussichten: Während sich im Spätherbst die Finanzkrise selbst etwas zu beruhigen schien, traten die Auswirkungen auf die Realwirtschaft immer mehr zu Tage.

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