USA testen Pille gegen HIV, Spanier testen Impfstoff an Freiwilligen

25. November 2008, 10:12
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Klinische Studien mit Arzneimittel in USA, das bereits in der Therapie der Immunschwächekrankheit eingesetzt wird - Spanische Forscher wollen mit Impfstoff verhindern, dass die Krankheit ausbricht

New York/Bethesda/Barcelona - Die US-Gesundheitsbehörde testet eine Pille, die gesunde Menschen vor einer Infektion mit dem Aidserreger HIV schützen soll. Das zuständige Bundesinstitut (NIAID) in Bethesda im US-Bundesstaat Maryland bestätigte, dass der klinische Versuch (HPTN052) mit dem Wirkstoff Tenofovir derzeit in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern wie Brasilien, Thailand, Indien sowie Südafrika vorbereitet wird. Erprobt wird das Medikament an Interessenten mit einem hohen Ansteckungsrisiko, also Homosexuellen, Drogensüchtigen und Prostituierten.

Prophylaxe könnte Tücken haben

Aidsexperten hoffen, dass die Anti-Aids-Pille die Zahl der Neuinfektionen senkt, bis ein wirksamer Impfstoff gegen das tückische Virus entwickelt ist. Kritiker fürchten, dass die neue Strategie, die sogenannte Präexpositionsprophylaxe (PrEP), die Angst vor ungeschütztem Sex nehmen und zu einer beschleunigten Verbreitung von HIV führen könnte. Es könnte wohl auch vermehrt zu Resistenzen gegen das Medikament kommen. Die Substanz wird bereits in der Therapie der Immunschwächekrankheit eingesetzt.

Tests in Spanien

In Spanien testen Mediziner erstmals einen Aids-Impfstoff an Freiwilligen. Wie die Wissenschafter in Barcelona mitteilten, soll der Impfstoff keine Infektion mit einem Aids-Erreger HIV verhindern, sondern davor schützen, dass nach einer Infektion die Immunschwächekrankheit ausbricht.

Bei 0,5 Prozent der HIV-infizierten Patienten breche Aids niemals aus, erläuterte einer der Mediziner. Der von Wissenschaftlern des staatlichen Forschungsinstituts CSIC entwickelte Impfstoff solle diese Situation bei anderen Patienten "reproduzieren". An der im Jänner beginnenden Testreihe nehmen 30 Freiwillige teil, die nicht HIV-infiziert sind. 24 von ihnen bekommen den Impfstoff aus Proteinen injiziert, die den HIV-Eiweißmolekülen nachgebildet sind.

Die Mediziner prüfen dann, ob sich im Körper der Testpersonen Antikörper bilden. Die übrigen 6 Freiwillige bekommen ein wirkstoffloses Placebo verabreicht und dienen als Vergleichsgruppe. Die Forscher hatten den Impfstoff zuvor an Mäusen und Affen getestet. Der Leiter des Ärzteteams, Mariano Esteban, betonte, es sei ausgeschlossen, dass die Freiwilligen bei dem Test mit dem Aidserreger HIV infiziert würden. (APA/dpa/red)

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