Kussverbot: Starre Fronten nach Protestschmusen

25. November 2008, 11:28
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Enzenhofer stellte sich erneut hinter Beschluss des Schulforums - AKS fordert mehr Mitbestimmungsrechte für SchülerInnen - 20 Paare demonstrierten gegen Kussverbot

Linz - Küssende Paare haben am Montagvormittag gegen das "Kussverbot" in einer Hauptschule in Gunskirchen (Bezirk Wels-Land) in Oberösterreich vor dem Landeschulratsgebäude in Linz demonstriert. Präsident Fritz Enzenhofer bekam von Aktivisten der "Aktion kritischer SchülerInnen" (AKS) einen Kussmund aus Karton überreicht, auf dem u.a. zu lesen war: "Treten Sie zurück, Herr Enzenhofer!".

Küsserei vor Fernsehteams

Gut 20 Paare hatten sich bei eisigen Temperaturen vor dem Landesschulratsgebäude versammelt. Von der betroffenen Schule war niemand dabei, weil die Betroffenen nicht frei bekommen bzw. "schwerwiegenden Probleme" mit ihren Lehrern befürchtet hätten, erklärten die Organisatoren. Nach einer ausgiebigen Küsserei für die zahlreichen anwesenden Fotografen und Fernsehteams durften schließlich AKS-Bundesvorsitzender Klaus Baumgartner und die Linzer Obfrau Vanessa Gaigg zu Enzenhofer ins Büro. In der Diskussion blieben die Fronten verhärtet.

Die Vorgeschichte: Weil sich Schülerinnen der Hauptschule Gunskirchen neuerdings nicht mehr nur auf die Wange, sondern auch auf den Mund küssen, wurde vom Schulforum ein "Kussverbot" beschlossen. Das sorgte für Protest von vielen Seiten, Enzenhofer stellte sich aber hinter den Beschluss. Es gehe darum, dass sich Schülerinnen genötigt gefühlt hätten, mitzumachen, so seine Begründung.

"Ein bisschen mehr Liebe"

Bei dem Gespräch mit den Aktivisten beharrte Enzenhofer auf seiner Position. Er stehe hinter dem Beschluss, und außerdem könne er ihn gar nicht aufheben, selbst wenn er wollte. Baumgartner verlangte mehr Mitbestimmung für die Schüler und kritisierte, dass "Rechte von Schülern und Schülerinnen mit Füßen getreten werden". Der Landesschulratspräsident warf der AKS vor, "sich für Dinge auf die Schienen zu werfen, die wirklich lächerlich sind", anstatt beispielsweise gegen Gewalt in Schulen aufzutreten. Er forderte von den Aktivisten angesichts des eher hitzigen Gesprächs immer wieder "ein bisschen mehr Liebe" ein.

Ähnliche Aktion 2004

Für Enzenhofer dürfte die Demo nichts Neues gewesen sein: Im Mai 2004 hatten spärlich bekleidete Aktivisten der AKS mit einer ähnlichen Aktion gegen Bekleidungsvorschriften protestiert. Im Büro des Landesschulratspräsidenten entblößte sich dann eine bis zu diesem Zeitpunkt noch bekleidete Schülerin bis auf BH und Höschen und übergab Enzenhofer ein bauchfreies T-Shirt.

Das Gespräch habe sich so entwickelt, wie sie erwartet habe, kommentierte Gaigg den Termin. Die AKS will aber den heutigen Lippenbekenntnissen weitere Aktionen folgen lassen. So sei für kommende Woche eine Pressekonferenz in Wien geplant, in der andere "Skandale an Schulen" thematisiert werden sollen. Außerdem werde man darauf hinarbeiten, dass Schüler künftig im Schulforum vertreten seien, kündigte die Initiatorin des Protestküssens an. (APA)

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    Das "Schauküssen" hat nichts genützt - Landesschulratspräsident Enzenhofer bleibt bei seiner Position.

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