Premier lehnt Rücktritt ab - Tausende Touristen sitzen fest

26. November 2008, 16:31
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Armeechef hatte Auflösung des Parlaments und Neuwahlen gefordert - Premier lehnt ab: Er sei demokratisch legitimiert - Die Proteste hingegen seien ungesetzlich

Er ist ein General wie aus dem militärischen Bilderbuch: gediegene Uniform, straffe Schultern unter blitzenden Rangabzeichen, emotionslose Stimme. Armeechef Anupong Paojinda verkündet Bedeutsames für die nahe Zukunft Thailands. Und unter tausenden Gestrandeten am Flughafen Suvarnabhumi in Bangkok spricht es sich schnell herum: "Neuwahlen soll es geben!"
Draußen auf dem Vorplatz schreien ein paar tausend Demonstranten in gelben T-Shirts ihre Freude hinaus, ihre Anführer brüllen in die Lautsprecher. Für die Anhänger der Volksallianz für Demokratie sind die Worte des Generals wie ein Sieg.

Sie sind für den Sturz der Regierung Thailands ein halbes Jahr lang zuerst friedlich und später mit viel Gewalt auf die Straße gegangen. Doch der General gibt ihnen auch drängende Worte mit auf den Weg: "Gebt den Flughafen frei!" Suvarnabhumi ist einer der größten Flughäfen Asiens, eine der Lebensadern Thailands, und die krisengeschüttelte Wirtschaft kann es kaum verkraften, dass er blockiert ist.

Premier weicht aus

Neue Nachrichten verbreiten sich schnell weit über den Flughafen und Bangkok hinaus: Die Regierung unter Premierminister Somchai Wongsawat denke nicht daran, auf Neuwahlen einzugehen, und die Volksallianz will den Flughafen partout nicht räumen. Ein Sprecher des Premiers hat die Neuwahlforderung des Armeechefs zurückgewiesen. Somchai selbst ist bei der Rückkehr vom Asien-Pazifik-Gipfel in Lima den Oppositionellen ausgewichen und am Mittwochnachmittag in Chiang Mai im Norden gelandet. Dort wurde nach Polizeiberichten ein Regierungsgegner von Anhängern Somchais erschossen.

Aussichtslos ist es in diesen Stunden, zum Flughafen zu gelangen. Urlauber in Pattaya verfolgen die Websites der Fluglinien, in der Hoffnung auf ein baldiges Ende der Flughafenblockade. Eine AUA-Maschine konnte am Mittwochnachmittag auf einem Regionalflughafen nahe Pattaya landen. "Wenn die sich nicht einigen, sitzen wir wohl noch länger hier?!" Am härtesten treffe es die, die heim zur Arbeit müssen, klagt der Wiener Gerhard R., ein Opfer der Misere, im Freundeskreis. Sie alle sind zu Betroffenen geworden in einem erbitterten Machtkampf zwischen alter und neuer Elite im Land, zwischen den Reichen und Etablierten im urbanen Raum einerseits und jenen, die am Land draußen auf den Reisfeldern schuften und wenig vom Wohlstand in Bangkoks schicken Zentren mitbekommen.

Dennoch bringen die Worte Anupongs für viele, die seit 36 Stunden zu einem ungemütlichen Aufenthalt in Bangkok gezwungen sind, die Hoffnung auf baldige Ankunft am eigentlichen Ziel.
Es hilft ihnen im Augenblick ohnehin nur Pragmatismus: In den grauen Boxen, die ansonsten ständig auf den Förderbändern hinter den Check-in-Schaltern vorbeiziehen, um Rucksäcke, Taschen und Kinderwägen zu transportieren, kauern die Gestrandeten jetzt. Sie schlafen darin, sie lesen, sie suchen nach einem Handtuch im Koffer, um sich zuzudecken. Manche haben die Boxen zum Hocker gemacht. Natürlich schimpfen sie alle beim Anblick der vielen "Cancelled" neben den Flugnummern auf den Anzeigetafeln.

"Keiner sagt uns was"

"Was mich am meisten ärgert, ist, dass uns keiner was sagt." Der jungen Mutter aus den Niederlanden, die sich vor Stunden schon mit ihren Kindern auf dem Rückweg nach Amsterdam wähnte, sieht man die durchwachte Nacht an. Alle Flugschalter seien geschlossen, das Personal bekomme man nicht mehr zu Gesicht. "Ich will heim" , stöhnt die Frau und füttert ihre Jüngste.
In der Nacht darauf sind am Bahnhof Hua Lamphong im Herzen Bangkoks bereits ungewöhnlich viele Ausländer mit schwerem Gepäck zu sehen, die heißen Kaffee im "Black Canyon" genießen. Kaum betritt Jerry, einer jener Glücklichen, die als Erste per Bus den Flughafen verlassen konnten, die Bahnhofshalle, fragt ihn schon ein freundlicher Mitarbeiter nach seinem Ziel. "Chiang Mai" sagt der Student aus Florida und wird zum Ticketschalter geschoben. Sein Urlaub im Norden des Landes kann endlich beginnen. (Andrea Waldbrunner aus Bangkok/red, DER STANDARD, Printausgabe, 27.11.2008)

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    Armeechef Anupong Paojinda forderte den Rücktritt der Regierung und die Ausschreibung von Neuwahlen. Die Regierung lehnt seinen Vorschlag ab.

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    Chaos am Flughafen Bangkok: zahlreiche Flüge mußten abgesagt werden

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    Antiregierungsdemonstranten legten den Flughafen lahm.

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