Schneemobil-Vergleichsstürzen

25. November 2008, 17:00
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Je mehr Material der Einschlag aufwirbelt und je verbotener der Katapult, desto glu ist ein Fahrzeug

Wäre der Motorschlitten Yamaha Nytro RTX SE ein Motorrad, würd ich grad ins Licht schauend fahren – also so weit über den Lenker gebeugt, dass mir die Scheinwerfer eine Erleuchtung bescheren. Das hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen reißt mir der Schneesturm nicht weiter die Lippen auf und zum anderen reißt es mich am Steilhang nicht gleich nach hinten vom Schneemobil runter.

Weil wenn wir die milde Rechnung anstellen, dass der Viertakt-Dreizylindermotor mit 1049 Kubikzentimeter an die 150 PS leistet und ein Drehmoment hat wie meine Frau, wenn sie die Daumenschrauben nachjustiert, dann kann man sich vorstellen, dass Vollgas und Steilhang annähernd Abflug sind. Wie beim Endurofahren ist es am sportlichen Schneemobil sehr wichtig, richtig in den Rasten zu stehen. Am Motorschlitten geht ohne Gewichtsverteilung gar nix. Und Gewicht zum Verteilen hab ich ja genug.

Sportmodelle bei Schneemobilen sind selten in Österreich. Nur Hüttenwirte und Liftbetreiber dürfen, wenn sie eine Sondergenehmigung haben, Schneemobile fahren. Dass diese vorwiegend zum Arbeiten gebraucht werden, ist aber nur ein Grund, warum die Lastschlitten leichter verkauft werden – sie kippen auch weniger leicht. Bei den Sportlern ist das anders. Ich halte mich am Sportschlitten keine zwei Minuten, bevor ich das erste Mal in hohem Bogen abfliege, im Tiefschnee einschlage und herumrolle wie das Abendkleid meiner Mutter, wenn die Katze es wieder einmal mit ihrem Deckerl verwechselt hat. Der Reibwert eines rotierenden Menschen im Tiefschnee ist bald einmal geringer als die Steigung eines Testgeländes, weshalb es einiger Kreativität und einigen Mutes bei der Exposition von Körperteilen bedarf, um zum Stillstand zu kommen.

Was macht der Schlitten bei der Gelegenheit? Ich hab mich nicht nur exorbitant länger am Schlitten gehalten als viele Testkollegen, sondern ich habe ihn auch nicht auf die Seite gelegt, was den Nytro RTX SE in Bewegung hält. So fährt der Schlitten, zwar langsam langsamer werdend, aber doch unkontrolliert, bergab, dorthin, wo die anderen Tester stehen und warten, dass ich mit dem Nytro wieder runterkomme. Die Aussicht, dass der Nytro ohne mich runterkommt, amüsiert zwar, der Spaß nimmt aber mit dem Quadrat des sich verringernden Abstands des Schneemobils zur Gruppe ab.

>>> Die wahren Ambitionen der Hüttenwirte


Ich schaffe auch das Kunststück, einen Arbeitsschlitten auf die Seite zu legen. Und das nicht nur einmal. Der RS Viking mit seinem 973 ccm-Dreizylinder-Viertaktmotor sieht im Vergleich zum Nytro aus wie eine FJR zu einer R6. Man erkennt schon allein am Styling, dass es hier nicht nur um Sport geht, mangelnde Leistung ist aber das Problem nicht ist. Und gäbe es den Viking schon länger, würde heute niemand Hannibal mit Elefanten in Verbindung bringen. Die Antriebsraupe des Viking ist länger (3968 Millimeter) und breiter (508 Millimeter) als die des Nytro (3072 Millimeter lang, 381 Millimeter breit).

Das heißt nicht nur, dass er mehr Grip hat, und das Automatikgetriebe den Vikinger über die Piste schnellen lässt, dass man glaubt, man sitze in einem düsenbetriebenen Kühlschrank, wenn man die Augen schließt. Die mächtigere Raupe bedeutet auch, dass der Viking nicht so einfach ums Eck zu schießen ist wie der Nytro. Und der biegt schon nicht ab wie ein Ellenbogen. Diese Eigenschaft kombiniert mit ein bisserl Augenschließen hilft aber beim Stürzen. Augen zu, bis drei zählen wollen und eh bei zwei schon den Schnee schmecken. Gar kein Problem.

Hüttenwirte und Liftbetreiber haben natürlich andere Ambitionen. Sie wollen möglichst günstig und umweltfreundlich einen starken Schlitten betreiben. Heute werden in Österreich nur mehr Viertakter verkauft, und von den 100 Motorschlitten-Herstellern vor einigen Jahren, hat es bis heute nur eine handvoll geschafft. Im europäischen Raum ist Yamaha vorne mit dabei – gerade der Viking ist aufgrund seiner Zuverlässigkeit hierzulande sehr beliebt.

Um 15.590 Euro bekommt man einen Viking, um 15.240 Euro einen Nytro. Dazwischen liegt mit 15.390 Euro der Venture TF, ein Dreizylinder-Schlitten mit 1049 ccm und den Raupenabmessungen 381 x 3835 x 32. Unter 12.000 Euro gibt es den handlichen Venture MP mit 499 ccm Zweizylindermotor und einer Raupe mit 406 x 3657 x 32 Millimetern.

Wer einen Hüttenwirt kennt, oder einen Liftbetreiber, der so einen Motorschlitten hat, rutscht am besten gleich einmal auf Knien bei dessen Haustür rein. Eine Runde sollte man mit so einem Schneemobil schon gefahren sein. Und ist man ein Hüttenwirt oder Liftbetreiber ohne Snowmobile, dann…, dann…, dann… Ach, so was gibt es doch nicht, oder?

(Text & Bilder: Guido Gluschitsch, Bildbearbeitung: Wolf-Dieter „Graf Foto“ Grabner)

Technische Daten Nytro RTX SE:
Bauart: 4-Takt; Hubraum:(cm³) 1049; Zylinder: 3; Kühlung: Flüssigkeit; Bohrung: & Hub 82.0 x 66.2;
Ventile: 2 Ventile; Vergaser: 41 mm Mikuni x 3, Benzineinspritzung, beheizt; Zündung: Digital T.C.I. w/T.P.S.; Auspuffsystem: 2 Ventile, Rear Exhaust; Bremsen: Hydraulisch, 4 Kolben Alum. Bremssattel, lbelüftete Bremsscheibe in Leichtbauweise, mech. Parkbremse, adj. Lever; Kupplung/Getriebe: YVXC, Variator, Magnesium Abdeckung, Rückwärtsgang; Federung vorne: Einzeln, Double Wishbone, Link Stabilizer Bar; Federbein vorne: Fox float-X, Luftstoßdämpfer, Alum, Piggyback Clicker, Kompression & rebound damping adjuster; Vorlauf: 216; Federung hinten: Dual Shock Pro 46; Federbein hinten: SOQI, 40mm, alum., H.P. Gas, 16mm rod, Reservetank, clicker, Kompression & rebound damping adjuster / SOQI 40mm, alum., H.P. Gas, 16mm rod, piggyback clicker, compression & rebound damping adjuster;
Nachlauf: 368; Länge x Breite x Höhe: 2805 x 1180 x 1160; Schiene: Länge x Breite x Höhe: 3072 x 381 x 32; Schilänge: (mm) 1050; Tankinhalt: 28.0; Track Type: Camoplast Ripsaw; Starter: Standard; Retourgang: Standard; Griffheizung: Standard, 9-fach verstellbar; Scheinwerfer: Watt, Type 60/55w Halogen x 2; DC Output; optional; Preis: 15.240 EURO

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Yamaha

  • Am liebsten sieht der glu der Gefahr direkt ins Auge. Auch wenn sie ihn blendet! Und was dabei heraus kommt lesen Sie hier...
    foto: derstandard/gluschitsch

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