Realismus im Handball störend

24. November 2008, 19:11
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Österreich sucht sich vor der EM 2010 starke Gegner. Im sogenannten Interwetten-Cup warten Dänemark, Kroatien und Ägypten

Wien - Was Dagur Sigurdsson sagt, hat nichts damit zu tun, dass er Isländer ist. "Man darf nicht realistisch sein", sagt Sigurdsson, weil er Österreichs Handballer coacht. Sie wickeln am Wochenende in Graz ein Viernationenturnier ab, treffen im sogenannten Interwetten-Cup auf Dänemark, Kroatien, Ägypten. Es ist dies der nächste Schritt in der Vorbereitung auf die Handball-EM 2010 in Österreich. Ähnlich wie die Fußballer sind die Handballer als Gastgeber qualifiziert, anders als die Fußballer wollen sie die Vorrunde überstehen. Chancen? Wie gesagt. Hoffnungen? Sigurdsson: "Sind groß."

In der Wiener Staatsoper, warum auch nicht, rührte man die Werbetrommel fürs Grazer Turnier und für die EM. Es wird bald einen Handball-Kalender geben, Handballer entblößten dafür ihre Oberkörper, ansonsten unterscheidet er sich von Feuerwehr-, Jungbauern- und Bierbauchträger-Kalendern insofern, als er durch 13 Monate führt. Der Jänner 2010, in dem die EM steigt, rutschte mit hinein. Auflage: 750 Stück. Preis: 15 Euro.

Konrad Wilczynski, linker Flügel im Team und bei den Füchsen Berlin, war heuer sensationell deutscher Torschützenkönig. Dass Österreich, weil fix dabei, vor der EM keine Pflichtspiele absolvieren muss, sieht er nicht als Nachteil. Der Wert von Testspielen sei höher als im Fußball. "Im Handball kann man sich nie ausruhen. Wer sich ausruht, kassiert sofort Tore. Und auf ein 0:0 spielen geht sowieso nicht." Mit Einsatz und Irrealismus hatte Österreich im März beim Turnier in Innsbruck hinter Schweden, aber vor Deutschland und Tunesien Rang zwei belegt.

Auch die Gegner in Graz sind hoch einzustufen. Dänemark? Regierender Europameister. Kroatien? Erst im Olympia-Semifinale am späteren Sieger Frankreich gescheitert. Ägypten? Afrikameister. Österreich ist also Außenseiter. Wenn man realistisch bleibt. (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe, 25. 11. 2008)

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    Im März behielt Österreich (Markus Wagesreiter) gegen ein allerdings ersatzgeschwächtes deutsches Team (Andrej Klimovets, Frank von Behren) die Oberhand. Jetzt wartet die nächste Prüfung.

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