EU will Patientenrechte ausbauen

24. November 2008, 18:23
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Gesundheitskommissarin: Jede zehnte Behandlung fehlerhaft

Berlin/Brüssel/Wien - Nach Angaben der EU-Kommission ist jede zehnte medizinische Behandlung in der Europäischen Union fehlerhaft. Europaweit litten darunter dieser Erhebung zufolge Millionen von Patienten. Einer von tausend Spitalspatienten käme infolge "unerwünschter Ereignisse" sogar zu Tode.

EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou erklärte deshalb gegenüber der der deutschen Tageszeitung Die Welt, dass medizinische Fehler "eine echte Herausforderung für die europäischen Gesundheitssysteme darstellen" . Vassiliou fordert daher die Mitgliedstaaten auf, die Sicherheit und die Rechte der Patienten durch bessere Standards und mehr Kontrollen zu verbessern.

Laut EU-Kommission treten pro Jahr allein in Krankenhäusern bei medizinischen Behandlungen in 15 Millionen Fällen Fehler auf. "Wir erwarten, dass die Mitgliedstaaten eine Reihe von Empfehlungen umsetzen, um die Sicherheit von Patienten zu verbessern", sagte Vassiliou. "Dazu gehört auch, dass im Falle medizinischer Behandlungsfehler Klagen erleichtert werden und eine Entschädigung sichergestellt wird."

Konkrete Pläne dazu will die Kommissarin am Mittwoch vorlegen. Das Thema, weiß Vassiliou, werde von 78 Prozent der Europäer als "wichtiges Problem" bewertet.

Vassilious Angaben stammen aus einer Erhebung des "Aktionsbündnis Patientensicherheit" , eines Netzwerks von Ärzten und Patienten. Das Bündnis spricht davon, dass jedes Jahr 0,1 Prozent aller im Spital behandelten Patienten durch Fehler zu Tode kämen. "Das entspricht einer Größenordnung von 17.000 Todesfällen im Jahr", sagt Matthias Schrappe, Chef des Bündnisses und ehemaliger Ärztlicher Leiter der Uni-Klinik Marburg.

Österreich: Ärzteprotest

Vassilious Ankündigung, Klagen zu erleichtern, stößt in Österreich auf Ablehnung: "Das ist nicht der richtige Weg, um Fehler zu vermeiden" , erklärt Thomas Szekeres, Vizepräsident der Wiener Ärztekammer. "Wenn es schneller und leichter zu Klagen bei vermuteten Fehlbehandlungen beziehungsweise mangelndem Behandlungserfolg kommen kann, würden die Kosten langfristig auf die Allgemeinheit der Patienten zurückfallen." (red/DER STANDARD, Printausgabe, 25.11.2008)

 

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