Twist it like Shakespeare

24. November 2008, 18:11
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Kammerspiele Linz: Gerhard Willert inszeniert „Was ihr wollt"

Linz - Für die Wirrnisse der Liebe, die in Shakespeares Komödie Was ihr wollt der steten Verkleidung von Körper und Seele geschuldet sind, hat man in den Kammerspielen ein stimmiges (Bühnen-)Bild gefunden: Die Gefühlswelt ist ein begehbarer Kleiderschrank. Auf dem Raster der klassischen Shakespeare-Bühne lässt Ausstatterin Alexandra Pitz das Parkett des Geschehens in den Zuschauerraum ragen, den Hintergrund begrenzen Kleiderstangen im Halbrund. Die wechselnden Schauplätze werden ganz im Sinne des englischen Meisters im Spiel erschaffen, was der lebendigen Inszenierung Gerhard Willerts auch prächtig gelingt.

Für Schwung sorgt dabei Viola (Nicole Reitzenstein), die als geschmeidig herumtänzelnder Cesario für Herzog Orsino (erfreulicher Neuzugang: Peter Pertusini) nicht so recht zu fassen ist. Willert taktet die Handlung ganz nach seiner Façon, lässt Cesario wirbeln und verschafft den Nebenrollen mancherorts zu manieristisch Zeit und Raum. In rotzig aufgepeppten Dialogen wird die allgemeine Versautheit zelebriert, für die vor allem der von Stefan Matousch famos gegebene Sir Toby steht. Als Onkel der weniger authentisch geratenen Gräfin Olivia (Barbara Novotny) führt er deren närrischen Hofstaat an.

Tugendwächter

Als da wären: Olivias Verehrer Sir Andrew Aguecheek (Karl M. Sibelius), das analfixierte Weichei, Assistentin Maria (Verena Koch), die allzeit bereite Schlampe, und, zu milde, weil „original" belassen, Sven-Christian Habich als Hofnarr Feste. Köstlich gerät auch der von ihnen in die Irre geführte Tugendwächter Malvolio (Manuel Klein), der Olivia in lächerlichen Bermudas gegenübertritt.

Willerts geballter Klamauk will jedoch zu den an sich ernst genommenen Gefühlen Olivias und Orsinos keine rechte Brücke finden. Als Violas Zwillingsbruder Sebastian (Nick-Robin Dietrich) auftaucht und damit die doppelte _Zuneigung gegenüber seiner Schwester ins korrektgeschlechtliche Topf-Deckel-Schema aufdröselt, ist das honorige Begehren derart vom Radar verschwunden, dass es inkonsequenterweise befremdlich anmutet. (Wolfgang Schmutz/DER STANDARD, Printausgabe, 25.11.2008)

 

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