Kosovo-Bombe: Zweifel und Komplotttheorien

24. November 2008, 17:46
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Berlin nennt angebliche Beteiligung des BND "absurd"

Belgrad/Berlin - Drei Agenten des Bundesnachrichtendienstes aktivieren eine Bombe vor der EU-Mission in Prishtina - und dann noch gleich zu dritt, mit Geheimdienstausweisen in der Tasche, ohne die übliche Akkreditierung und diplomatische Immunität. Und sie lassen sich dann auch noch am Tatort erwischen und festnehmen. "So blöd kann kein Geheimdienst sein" , meint ein ehemaliger jugoslawischer Agent. Und vor allem, warum sollten Beamte des deutschen BND so etwas tun?

Die Nachricht ist so seltsam, dass sich Politiker und seriöse Medien vor Spekulationen zurückhalten. Umso wilder sind aber die Verschwörungstheorien. Belgrad hätte die deutschen Agenten angeheuert, um Bomben in Prishtina auf internationale Büros zu werfen, damit die Kosovo-Albaner in den Ruf von Extremisten und Terroristen kommen und der Aufbau der Unabhängigkeit aufgehalten wird, kann man in Prishtina hören.

"Die Vorstellung, dass deutsche Stellen in terroristische Anschläge verwickelt sein könnten, ist absurd", sagte Regierungssprecher Thomas Steg am Montag in Berlin. Im Auswärtigen Amt erinnerte man daran, dass gerade Deutschland zu jenen Staaten gehöre, "die dem Kosovo größte Unterstützung zukommen lassen auf dem Weg zu einem demokratischen und rechtsstaatlichen Gemeinwesen" . Um so mehr drängt Berlin nun auf schnelle Klärung. Ein Richter hatte am Samstag 30 Tage Untersuchungshaft gegen die drei Männer verfügt.

Die Affäre kommt im Vorfeld einer für Mittwoch angesetzten Sitzung des UN-Sicherheitsrats. Der soll über eine Umgestaltung der internationalen Präsenz im Kosovo entscheiden. Auf dem Tisch liegt ein zwischen Serbien und der UNO ausgehandeltes Mandat für Eulex, die EU-Mission im Kosovo, das diese unter UN-Schirm stellt und als "statusneutral" definiert. Prishtina lehnt das ab. (iva, bau/DER STANDARD, Printausgabe, 25.11.2008)

 

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