Studie: Ohne Zuwanderung schrumpft Europas Bevölkerung drastisch

24. November 2008, 17:44
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50 Millionen weniger Einwohner bis 2050 - Skandinavien und Schweiz am besten vorbereitet - Österreich mit relativ stabilem Wachstum

Brüssel- Ohne Einwanderung wird Europa nach Ansicht von Bevölkerungswissenschaftern bis 2050 um 50 Millionen Menschen schrumpfen. Nach einer am Montag in Brüssel vorgestellten Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung sind die nordischen Staaten und die Schweiz am besten für den demografischen Wandel vorbereitet. Am unteren Ende der Wertung finden sich weite Gebiete in Bulgarien, Rumänien und Polen, die vom radikalen Strukturwandel besonders betroffen sind, die der Abwanderung nichts mehr entgegenzusetzen haben und "regelrecht ausbluten" werden, heißt es in der Studie. Außerdem zeige die Studie eine klare Bevölkerungsverschiebung von Ost- nach Westeuropa.

Ost-West-Verschiebung

Auch der Osten Deutschlands, Teile Polens und die noch weiter östlich gelegenen Nicht-EU-Staaten Ukraine und Weißrussland werden demnach bis 2030 bis zu 18 Prozent oder mehr ihrer heutigen Bevölkerung verlieren.

Am besten vorbereitet sind laut Studie Island vor der Schweiz, Schweden, Norwegen und Dänemark am besten auf den demografischen Wandel vorbereitet. Diese Staaten hätten hohe Fertilitätsraten, eine gute Beschäftigungsquote von Frauen und älteren Menschen, gute Bildungssysteme und eine Zuwanderung hoch-qualifizierter Arbeiter, sagte Studienautor Reiner Klingholz.

Je mehr Frauen berufstätig sind, desto mehr Kinder kriegen sie

Gut vorbereitet auf den demografischen Wandel seien vor allem Länder, die eine hohe Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewährleisten würden, sagte Klingholz. Die Studie zeige klar, dass die Geburtenrate umso höher sei, je höher die Beschäftigtenquote von Frauen sei. Als weiteres Erfolgskriterium nannte der Wissenschafter die Beschäftigung älterer Menschen, die in den nordischen Staaten stark ausgeprägt sei. Klingholz räumte allerdings ein, dass die aktuelle Finanzkrise, von der Island überproportional betroffen ist, noch nicht bei der Untersuchung berücksichtigt wurde. Die Finanzkrise werde auch zu einer Rückkehr von osteuropäischen Gastarbeitern, die in den vergangenen Jahren nach Irland und Spanien auswanderten, in ihre Heimat führen, sagte Klingholz.

Vergleichsweise gut steht Österreich da. Die Autoren sehen das Land als Hauptprofiteur der EU-Erweiterung und verorten es in dem europäischen Ranking unter 30 Staaten auf Platz elf. Die österreichische Bevölkerung wird nach den Vorhersagen der Demografen von 8,3 Millionen Menschen 2007 auf 8,5 Millionen im Jahr 2030 wachsen.

Niedrige Geburtenrate

Nur wenige Nationen in Europa verzeichneten heute eine durchschnittliche Kinderzahl von 1,7 je Frau, bei der sich die Bevölkerung mit moderater Einwanderung noch stabil halten ließe, heißt es in der Studie. Irland, Island, Frankreich, Belgien, die Niederlande und die nordischen Staaten sowie am Balkan der Kosovo, Albanien und Montenegro haben in Europa die höchsten Fertilitätsraten. Polnische Frauen dagegen bekommen dagegen nur durchschnittlich 1,3 Kinder.

"Blue Card nicht großzügig genug"

Der österreichische Bevölkerungswissenschafter Rainer Münz sagte, die von der EU vereinbarte "Blue Card" für koordinierte Arbeitsmarktbewilligungen für hoch qualifizierte Kräfte aus Drittstaaten sei zwar ein erster Schritt der EU im weltweiten Rennen um die besten Köpfe. In den USA und in Kanada würden Arbeitskräfte aus Drittstaaten aber noch immer attraktivere Bedingungen vorfinden. "Die Blue Card" ist nicht großzügig genug", sagte er. Münz ist erst vor kurzem als Experte in den EU-"Weisenrat" bestellt worden, der bis 2010 Vorschläge für die langfristige Zukunft der Europäischen Union ausarbeiten soll. (APA)

 

 

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