Raiffeisen genehmigt sich Staatshilfe

24. November 2008, 17:34
59 Postings

RZB stimmt über Partizipationskapital ab und denkt über Umstrukturierungen nach

Wien - Der Vorstand der Raiffeisen Zentralbank (RZB) lässt sich heute, Dienstag, in einer außerordentlichen Eigentümerversammlung die Aufnahme von Kapital von bis zu zwei Milliarden Euro absegnen. Dabei geht es um das sogenannte Partizipationskapital ("PS-Kapital" ) der Regierung, also um einen Anteil am Bankenhilfspaket des Staates.

Ist der Beschluss gefasst, könnte die Kapitalzufuhr dann sehr rasch erfolgen, um sie noch für die Bilanz 2008 nutzen zu können, heißt es. Denn das so aufgenommene PS-Kapital ist als Kernkapital anrechenbar. Das Bezugsrecht der Aktionäre ist ausgeschlossen.

Innerhalb des Raiffeisen-Sektors könnte vor allem die Ost-Tochter Raiffeisen International (RI) Druck bekommen. RI ist ausschließlich in Osteuropa tätig, wo sich die Finanzkrise nun deutlich bemerkbar macht. Volkswirte schrauben zum Teil ihre Prognosen für die Länder in Zentral- und Osteuropa zurück, das rasante Wachstum der vor Ort tätigen Banken wird sich wohl stark einbremsen. RI kann selbst aber um kein PS-Kapital ansuchen, da das Unternehmen als Holding über keine Bank-Lizenz verfügt. Eine Zufuhr von Kapital kann daher nur über die RZB erfolgen.

In der RZB selbst beschäftigt man sich hausinternen derzeit auch mit dem Thema Umstrukturierungen. Aus einigen Geschäftsbereichen will man sich zurückziehen, ist in Finanzkreisen zu hören.

Zinssatz für PS-Kapital offen

Das Eis mit der Staatshilfe hat die Erste Group gebrochen, die als erste Bank Anfang November um 2,7 Mrd. Euro PS-Kapital angesucht hatte. Geflossen ist das Geld noch nicht, weil noch immer am Vertrag mit dem Bund gefeilt wird.

Der Knackpunkt ist der Zinssatz, den der Staat für die Geldspritze bekommen soll. Festgelegt wurde der mit acht Prozent. Der EU-Kommission könnte das aber nicht genug sein, eine Erhöhung auf zehn Prozent steht imRaum. Allerdings öffnet die Erste die PS-Beteiligungsmöglichkeit auch privaten Anlegern. Der Staat hat in ihrem Modell kein Mitspracherecht; profitiert aber vom Erfolg der Bank. (Renate Graber, Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.11.2008)

  • Zur RCB-Hauseröffnung schnitten unlängst alle mit: RZB-GeneralWalter Rothensteiner, Bürgermeister Michael Häupl, RI-Chef Herbert Stepic, Sektorboss Christian Konrad und Pfarrer Anton Faber.
    foto: standard/regine hendrich

    Zur RCB-Hauseröffnung schnitten unlängst alle mit: RZB-GeneralWalter Rothensteiner, Bürgermeister Michael Häupl, RI-Chef Herbert Stepic, Sektorboss Christian Konrad und Pfarrer Anton Faber.

Share if you care.