Porträt: Andreas Schieder

24. November 2008, 17:10
1 Posting

Staatssekretär bleibt Staatssekretär - Ex-Kommunalpolitiker mit Faible für die Außenpolitik geht ins Finanzministerium

Wien - Andreas Schieder darf es sich weiter in der Regierung gemütlich machen. Im Frühsommer quasi als Übergangslösung im Beamten-Staatssekretariat installiert wird der 39-jährige Wiener nun ein Amt in Permanenz ausüben. Geändert hat sich freilich sein Tätigkeitsfeld. Hatte sich Schieder bisher mit Beamtengehältern und -dienstrecht herumschlagen müssen, wird er künftig die Augen auch auf die Staatsfinanzen und nicht weniger auf den schwarzen Ressortchef richten.

Andreas Schieder kam am 16. April 1969 in Wien zur Welt. Nach der Matura absolvierte der Sohn von SPÖ-Urgestein Peter Schieder ein Studium der Volkswirtschaft an der Universität Wien. Seine politische Laufbahn nahm er schon in Schultagen in Angriff: als Schulsprecher und in der Sozialistischen Jugend Penzing, wo er von 1988 bis 1992 Bezirksvorsitzender war.

Bald entdeckte Schieder aber seine "Leidenschaft" für internationale Politik. Von 1994 bis 1997 diente er als Vizepräsident der Sozialistischen Jungeninternationale. Infiziert hatte ihn der Fall der Berliner Mauer und die "Perestroika"-Politik des damaligen sowjetischen Machthabers Michail Gorbatschow. Später war Schieder als internationaler Funktionär quer durch die Welt unterwegs. Afrika und Asien bekamen viele Besuche des aufstrebenden Jungfunktionärs.

Doch blieb Schieder in der Kommunalpolitik stets verankert und wurde erst Bezirksrat im 14. Wiener Gemeindebezirk (1996 bis 1997) und dann Wiener Landtagsabgeordneter und Gemeinderat (1997 bis 2006). Seit 2002 ist er zudem Bezirksvorsitzender der SPÖ Penzing. Im Rathaus war Schieder Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr sowie der gemeinderätlichen Europakommission. Kommunales und Internationales verband er 2002 bis 2006 als Mitglied im EU-Ausschuss der Regionen.

Da sein Blick immer ein wenig über den Stadtrand hinauswanderte, überraschte es auch wenig, dass sich Schieder bei der Wahl 2006 der Bundespolitik zuwandte. Der Gang des Vaters in den Ruhestand ermöglichte Andreas Schieder die Kandidatur für den Nationalrat. Ein weiterer Grund für den Wechsel könnte auch gewesen sein, dass seine Lebensgefährtin Sonja Wehsely mittlerweile in die Stadtregierung aufgerückt war, was für Schieders eigene Ambitionen auf kommunaler Ebene nicht unbedingt dienlich war.

Im Parlament hatte sich auch der "junge" Schieder schnell einen Namen geschafft. Es dauerte nicht lange, bis er wie der Papa zum außenpolitischen Sprecher des Klubs aufgestiegen war, zudem wurde er zum "Internationalen Sekretär". Dieses außenpolitische Engagement und Wissen befähigte ihn dann auch dazu, die besonders brisante Untergruppe EU und Äußeres bei den Koalitionsverhandlungen zu leiten. Größere Probleme mit der als schwierig geltenden Außenministerin Ursula Plassnik gab es dabei nicht.

Dies hing wohl auch mit der eher ausgeglichenen Persönlichkeit des Staatssekretärs zusammen. Schieder gilt als sehr umgänglich, wenngleich auch als ausnehmend vorsichtig. Seine privaten Leidenschaften sind Rapid Wien und die Rolling Stones, von denen er seit den frühen 80ern kein Konzert in Wien verpasst hat. Noch dazu hat er ein ausgesprochenes Faible für Mehlspeisen. Fixpunkt bei jedem Geburtstag: eine Erdbeertorte.

Bei allem Sinn für Karriere hat Schieder auch Herz fürs Familiäre. Der Vater eines Sohnes ging ein Jahr in Karenz. (APA)

Share if you care.