Porträt: Rudolf Hundstorfer

24. November 2008, 17:05
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Der Präsident wird Minister - ÖGB-Chef übernimmt aufgefettetes Sozialressort

Wien - In jeder Krise liegt eine Chance - über diese Binnenweisheit können Ewald Nowotny und Rudolf Hundstorfer (57) ein fröhliches Liedchen singen. Nachdem sie die BAWAG-Leiden überstanden hatten, ging es hurtig nach oben. Während der frühere Banken-Chef Nowotny schon im Frühling zum Nationalbank-Gouverneur aufstieg, bringt der Herbst Hundstorfer das Amt des Sozialministers, das für einen Gewerkschafter wohl bedeutendste Regierungsamt, umso mehr als es nun auch durch die Arbeitsagenden wieder aufgefettet wurde.

Das gewerkschaftliche Prestige des Sozialministeriums ist wohl auch einer der Gründe, warum Hundstorfer das an sich auch recht angesehene Amt des ÖGB-Chefs abgab, um in den vergleichsweise unsicheren Regierungsjob zu wechseln. Vielleicht war er auch des Präsidentseins schon müde. Bevor er 2006 zum Gewerkschaftspräsident wurde, war er immerhin elf Jahre lang Präsident des Gemeinderats. Nun geht es gegen Ende seiner politischen Karriere erstmals an direkt gestalten.

Eigentlich ist Hundstorfer ein alter Rathausfuchs. Dort, wo er schon seine Lehrjahre als Kanzleibediensteter absolvierte und verschiedene Verwaltungsbereiche durchlief, ging es stetig nach oben. Neben seiner Funktion im Gemeinderat kletterte er zum Chef der Gemeindebediensteten-Gewerkschaft und wurde damit zu einem der mächtigsten Männer im Rathaus. Gegen seinen Willen ging wenig, was sich etwa beim günstigen Pensionsrecht der Rathausbeamten und beim Verhindern einer Ausgliederung der MA 48 (Müllabfuhr) bewies.

Gewerkschaftlich ist Hundstorfer, geboren am 19. September 1951 in Wien, seit fast 40 Jahren tätig, was ihm ein gut funktionierendes Netzwerk eingebracht hat: 1967 Jugendvertrauensmann, ab 1976 freigestellter Personalvertreter, ab 2001 Geschäftsführender Vorsitzender der GdG, dann 2003 GdG-Vorsitzender und auch ÖGB-Vizepräsident. Seine Förderer waren sein Vorgänger in der GdG, Günter Weninger, und ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch. Ersterem droht im BAWAG-Skandal eine Haftstrafe, zweiterer ist im ÖGB heute persona non grata.

Hundstorfer hat die BAWAG hingegen geholfen, auch wenn sie so manches seiner Haare grau gefärbt hat. Verzentisch persönlich setzte ihn als seinen interimistischen Nachfolger ein, und da er nun einmal schon da saß und die ganze Affäre an vorderster Front durchlitt, raffte sich dann doch keiner mehr auf, ihm wieder aus dem Amt zu kippen. Schließlich trägt er ohnehin das Schicksal, als jener Präsident in die Geschichte einzugehen, der die BAWAG verkaufen musste.

So holte sich Hundstorfer beim ÖGB-Bundeskongress auch eine ordentliche Mehrheit und führt ab Jänner 2007 offiziell das schlingernde ÖGB-Schiff, das er schon seit 2006 interimistisch pilotiert hatte. Aus der großen Reform wurde in der Ära Hundstorfer nichts, wenigstens einige Neuerungen wurden eingeleitet, den kleineren Fraktionen etwas mehr Mitsprache gegeben. Und das wesentliche: Der ÖGB ist finanziell wieder saniert.

Die grundsätzliche System-Problematik, dass der Präsident im ÖGB kaum etwas zu melden hat, die großen Einzelgewerkschaften hingegen sehr viel, konnte auch der leutselige und humorvolle Hundstorfer nicht ändern. Viel schwerer dürfte sein Job im Sozialministerium auch nicht werden. Denn hier kommt es in erster Linie auf sozialpartnerschaftliches Geschick an, um erfolgreiche Politik zu machen. Und über dieses Gespür verfügt der leidenschaftliche "Winston"-Raucher Hundstorfer ohne Zweifel.

Privat ist Hundstorfer verheiratet, zum dritten Mal. Allerdings ist die erste Ehefrau auch die Dritte. Den drei Verbindungen entstammt eine Tochter, dazu hat der Ex-Handballer und Präsident des Wiener Handballverbands zwei Stiefkinder. Exotisch ist das bevorzugte Urlaubsziel der Hundstorfers, auch wenn es in Europa liegt. Der neue Sozialminister liebt Badeurlaub in Holland. (APA)

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