Porträt: Doris Bures

24. November 2008, 16:57
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Von der Zahnarzt-Gehilfin zur Infrastrukturministerin

Wien - Doris Bures (46) hat auch die Demontage ihres Mentors Alfred Gusenbauer problemlos überstanden. Ganz im Gegenteil ist die langjährige Bundesgeschäftsführerin der SPÖ unter ihrem alten Liesinger Parteifreund Werner Faymann in der internen Hierarchie ganz weit nach oben gerückt. War es bei Alfred Gusenbauer nur das machtarme Frauenministerium, das ihr zufiel, ist es nun das potente Infrastrukturministerium, das der ausgebildeten Zahnarzt-Assistentin überantwortet wird.

Bures, geboren am 3. August 1962, stammt aus so genannten kleinen Verhältnissen. Als sie sechs Jahre alt war, verließ der Vater die Familie, Bures wuchs mit der allein erziehenden Mutter und fünf Geschwistern in Wien-Liesing auf. Früh musste sie selbst für ein Einkommen sorgen, sie begann als Zahnarzt-Gehilfin.

Über die Anti-Atom-Bewegung fand Bures zur SPÖ, genauer gesagt zur Sozialistischen Jugend, wo sie Werner Faymann kennenlernte, der schon in seinen kommunalpolitischen Zeiten über sie ins Schwärmen geriet. "Sie war schon damals ein sehr herzlicher und pragmatischer Mensch", meinte der damalige Wohnbaustadtrat 2005 im "profil". Faymanns langjähriger Pressesprecher Wolfgang Jansky war über viele Jahre Bures' Lebensgefährte und ist Vater ihrer mittlerweile erwachsenen Tochter. Faymann und Bures waren stets im freundschaftlichen Kontakt.

Zunächst war es aber Alfred Gusenbauer, der zu Bures' großem Mentor wurde. Insidern war sie als Vorsitzende der Wiener Mietervereinigung und junge Nationalratsabgeordnete zwar bekannt, jedoch war Bures doch für viele ein Neuling, als Gusenbauer sie nach seiner Kür zum Parteichef im Jahr 2000 zur Bundesgeschäftsführerin machte, an der Seite der sanften Andrea Kuntzl, mit der die ruppigere Bures gar nicht auskam. Sie überlebte politisch, Kuntzl wurde durch Norbert Darabos ersetzt, mit dem sich Bures deutlich besser verstand.

Als es Gusenbauer zur Kanzlerschaft brachte, war klar, dass Bures nun auch Regierungsluft schnuppern werde dürfen. War sie am Beginn selbst noch skeptisch, gefiel sie sich bald in ihrer Rolle als Frauenministerin. Bures überraschte positiv, zeigte sich konstruktiv und sachorientiert und konnte erstmals in ihrer Karriere auch mediales Lob einheimsen. Unter ihrer kräftigen Mithilfe wurden etwa das Kindergeld flexibilisiert und die Förderungen für Kinderbetreuungseinrichtungen erhöht. Bitter war dann auch der Abschied, als sie im Zuge der Demontage Gusenbauers wieder in die Parteizentrale zurückgeholt wurde, um zu retten, was noch zu retten war bei Umfrage-Werten von rund 20 Prozent für die SPÖ.

Bures machte ihren Job, und das neuerlich gar nicht schlecht. War sie früher als eine Art Kampfschreierin gegen die soziale Kälte bei Schwarz-Blau aufgetreten, verpasste sie sich nun ein zu Faymann passendes Image, freundlich, sonnig, konstruktiv. Unter ihrer Führung wurde die Wahl gewissermaßen gewonnen. Die SPÖ verlor zwar an Stimmanteilen, behielt aber Platz eins und vergrößerte den Abstand zur ÖVP.

Damit war Bures' Wiederaufstieg besiegelt. In den Koalitionsverhandlungen durfte sie nicht nur den Infrastruktur- und Wirtschaftsbereich verhandeln sondern bekam gleich die ganze Koordination umgehängt. Dass Faymann gerade sie nun in "sein" Infrastrukturressort setzt, zeigt einerseits, dass er ihr voll vertraut und andererseits, dass er selbst ganz gerne noch das ein oder andere Auge auf seine ehemalige Baustelle werfen wird.

Parteiintern werden manche froh sein, wenn Bures zumindest nicht mehr an der Schaltstelle in der Parteizentrale sitzt. Sie gilt als eine Art Feldwebelin, die kritische Stimmen nicht gerne hört und erwartet, dass Befehle kommentarlos entgegengenommen werden. "Eng denken, weit kommen" nennen wenig wohlmeinende Parteifreunde den Bures-Stil. Ob das mit dem eng denken stimmt, ist Geschmacksfrage. Weit gekommen ist sie jedenfalls. (APA)

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