Porträt: Norbert Darabos

24. November 2008, 16:55
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Zivildiener bleibt Verteidigungsminister - nicht unbedingt zur Freunde aller beim Heer

Wien - Aus dem Nicht-Wunschjob wird für Norbert Darabos (44) eine Dauerbeschäftigung. Der 44-jährige Ex-Zivildiener behält das "große Los" Verteidigungsminister, das ihm der scheidende Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) beschert hatte. Seine erste Amtszeit war von seinem Eurofighter-Deal, mit dem Stückzahl und Leistungen reduziert wurden, geprägt - dafür war er auch im Grunde ernannt worden, obwohl er eigentlich als Innenminister gehandelt worden war. Aus dem Innenressort wurde schon wieder nichts, aber mittlerweile wirkt der Burgenländer gar nicht so unglücklich zwischen Panzern und Fliegern.

Dass Darabos die bei den Jets eingesparten Millionen nicht für das eigene, finanziell ohnehin schlecht bestellte Ressort beanspruchte, sondern als zusätzliches Geld für Soziales und Bildung anpries, machte ihn nicht gerade beliebter im Heer. Und dass die im Wahlkampf versprochene Stornierung der Flieger nicht gelungen ist, war zwar nicht wirklich überraschend, hat den zweifachen Vater aber auch in der Öffentlichkeit beschädigt - er rangierte gemeinsam mit Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (V) konstant am Ende der Beliebtheitsskala. Die öffentlichen Prügel sind an dem meist blassen Burgenländer nicht spurlos vorbeigezogen. "Mittlerweile wache ich schon in der Nacht auf, und denke mir: 'Hab' ich den vielleicht selber gekauft?'", erzählt er von seinen Fighterträumen.

Bevor Darabos zu Ministerehren gelangte, hatte er sich mit seinen erfolgreichen Wahlkämpfen für Bundespräsident Heinz Fischer und Gusenbauer einen Namen als roter Meisterstratege gemacht. In seinem Heimatbundesland lieferte der Burgenland-Kroate als Landesgeschäftsführer schon im Jahr 2000 ein Meisterstück, als er der SPÖ trotz Bank-Burgenland-Skandals den Landeshauptmann-Sessel rettete - und das mit dem damals eher unbekannten und unscheinbaren Bürgermeister von Frauenkirchen, Hans Niessl.

Dass Darabos dann 2003 nach Wien wechselte, überraschte angesichts seines Rufs kaum. Ob im Wahlkampf für Fischer oder jenen für Gusenbauer, der Familienvater zog auch in der Hauptstadt jeweils die richtigen Fäden - einmal staatstragend, einmal polemisch, beides ging auf. Überdies schaffte es der leutselige Burgenländer auch, sich mit seiner Co-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures zu arrangieren, eine Aufgabe, vor der andere gezittert hätten.

Der am 31. Mai 1964 geborene Darabos entstammt eher bescheidenen Verhältnissen im burgenländischen Kroatisch-Minihof. Sein Vater war Anstreicher und bundesland-typisch Pendler nach Wien, die Mutter Hilfsarbeiterin in einer Fabrik. Da es der Bub einmal besser haben sollte, wurde er ins Privatgymnasium Marianum in die Bundeshauptstadt geschickt. Dort maturierte er mit Auszeichnung, ebenso tadellos verlief das Geschichte- und Politikwissenschaftsstudium. Die Diplomarbeit widmete er seiner Volksgruppe, deren Sprache sich Darabos übrigens erst im Erwachsenen-Alter aneignete.

Darabos war gerade einmal 23, als er in der Kaderschmiede der burgenländischen SPÖ, dem örtlichen Renner-Institut, zum Chef avancierte. Landeshauptmann Karl Stix, sein größter Förderer und ein väterlicher Freund, holte ihn als Büroleiter, von wo aus er zum Landesgeschäftsführer und später eben zum Bundesgeschäftsführer weiter auf der Karriere-Leiter hochkletterte.

Bescheiden ist er aber geblieben, sein Wiener Domizil ist eine Substandardwohnung mit Klo am Gang. Seine eigentliche Liebe gilt ohnehin dem Burgenland. Frau Irene und die beiden Kinder - Sohn Ralph und Tochter Hannah, jeweils im Teenager-Alter - leben unverändert dort. Der passionierte Tischtennis- und Fußball-Spieler ist folgerichtig ein Pendler geblieben, schließlich muss er ja auch noch seine Aufgabe als Präsident des Fußball-Klubs Kroatisch-Minihof bewältigen. Mag sein, dass es mit dem Pendeln doch irgendwann ein Ende nimmt. Denn als Darabos' Traumziel gilt der Posten des Landeshauptmanns. (APA)

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