Wenn der Kühlschrank mit dem Ofen spricht

24. November 2008, 16:43
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Auf einer Wiener Fachtagung referierten Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über Herausforderungen in Sachen Energieversorgung

Auf einer Wiener Fachtagung referierten Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über Herausforderungen in Sachen Energieversorgung. Innovationen sollen vor allem dem Verbraucher beim Ressourcensparen helfen.

"Die Elektrizitätserzeugung in Österreich wird zunehmend fossil", prognostizierte Günther Brauner vom Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der TU Wien während eines Vortrags im Rahmen der Fachtagung "Energie neu denken" vergangenen Mittwoch in Wien. Tatsächlich hat sich hierzulande der fossile Primärenergieverbrauch seit 1970 verdoppelt.

Im vergangenen Jahrzehnt stieg dieser sogar überproportional an: um etwa drei Prozent pro Jahr.
Brauner zeigte auf, wohin diese Entwicklung führen könnte: Würden alle Menschen bis zum Jahr 2050 bei einer angenommenen Weltbevölkerung von zehn Milliarden den Energiebedarf eines österreichischen Bürgers von heute haben, rechnete der TU-Professor vor, wären sämtliche fossilen Energievorräte innerhalb von 75 Jahren verbraucht. Mit dem Energieverbrauch eines US-Amerikaners käme man auf gerade einmal 30 Jahre. Der Referent sprach sich daher für ein Energiesystem auf Basis einer "regenerativen Minderbedarfsgesellschaft" aus.

Energieverbrauch versus Lifestyle

Hinsichtlich der - an diesem Tag vielfach beschworenen - Energieeffizienz, erklärte Brauner, dass man die größten Erfolge in einzelnen Sektoren erzielen könnte, etwa bei privaten Haushalten. Diese würden schließlich 20 Prozent am energetischen Mineralölverbrauch mittragen. Und Friedrich Seefeldt, Marktfeldleiter Energieeffizienz, Erneuerbare Energien und Klimaschutz bei der Prognos AG referierte, dass nicht zuletzt Singlehaushalte, deren Zahl ständig zunimmt, den Energieverbrauch in die Höhe treiben würden.

Energieeffizienz und Lifestyle würden eben nicht zusammenpassen, bedauerte Eveline Steinberger, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds. "Schließlich hängen Energienutzung und Wohlstand zusammen" , erläuterte Michael Hübner von der Abteilung für Energie- und Umwelttechnologie des Infrastrukturministeriums und plädierte gleichzeitig dafür, beides zu entkoppeln und damit für eine neue "Energiekultur" . Ein weiterer unangenehmer Nebeneffekt des (fossilen) Energieverbrauchs sind die damit verbundenen CO2-Emissionen.

Der Klimawandel löse allerdings keine emotionale Betroffenheit beim Konsumenten aus, meinte Steinberger. "Er sieht sich nicht als Verursacher und nimmt Energie als selbstverständlich hin" , zitierte sie aus einer vom Fonds in Auftrag gegebenen Studie. Wenn überhaupt falle ihm sein Energieverbrauch nur auf der Stromrechnung auf. Steinberger führt dies auf die Bequemlichkeit der Konsumenten und fehlende Anreize vonseiten der Industrie, aber auch des Gesetzgebers zurück. "Man muss Kostenvorteile kommunizieren."

Kochplatte an Abzugshaube: Absaugen!

Dass der Konsument schwer zu "erziehen" ist, schilderte auch Eduard Sailer, Geschäftsführer des Haushaltgeräteherstellers Miele. Mittels Powermanagement der Geräte wolle man ihm aber Sparsamkeit lehren. Eine Waschmaschine etwa könnte so programmiert werden, dass sie sich nur zu bestimmten Zeiten einschaltet, wenn der Strom günstig sei, also etwa in der Nacht. "Das senkt die Kosten und belastet das Stromnetz nicht", resümierte Sailer.

Die Waschmaschine "wüsste" über Wasserstandsmessungen, Drucksensor und Waage, wie es um die Schmutzwäsche stünde, und würde dann entscheiden, wie viel Wasser sie braucht. Auch könnten einzelne Geräte über "Prozessleittechnik" miteinander kommunizieren, die Kochplatte teilt etwa der Abzugshaube mit, wenn ihre Dienste benötigt werden - "Smart Home" , das vernetzte Haus, nennt sich dieser (nicht allzu neue) Ansatz. Verantwortung hin, Energieeffizienz her: "Natürlich wollen wir damit auch Geld verdienen", räumte Sailer ein. (Markus Böhm, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.11.2008)

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