Schulverwaltungsreform "light" festgeschrieben

24. November 2008, 16:45
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50 Millionen Euro jährlich zusätzlich für Bildungsreform - Experten sollen Konzept für Lehrerausbildung erarbeiten

Wien - Beseitigung von Doppelgleisigkeiten in der Schulverwaltung und mehr "Ergebnisverantwortung" an den einzelnen Schulen - diese von Bildungsexperten lange geforderten Maßnahmen sind im Bildungskapitel des Regierungsprogramms festgeschrieben. Konkret soll Direktoren die "Mitwirkung" bei der Personalauswahl ermöglicht werden. Die Bezirksschulräte sollen aufgelöst und die Landesschulräte - wie schon im vergangenen Regierungsprogramm vereinbart - in Bildungsdirektionen des Bundes umgewandelt werden.

Für die Lehrerausbildung sollen Experten bis Ende 2009 ein neues Konzept erarbeiten. Geplant ist eine Neuorganisation der Lehramtsstudien, die der Bologna-Struktur entspricht, Durchlässigkeit garantiert und zwischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen abgestimmt ist. Die Formulierung "gemeinsame Lehrerausbildung", zu der sich ÖVP wie SPÖ im Vorfeld bekannt haben, wird im Regierungsprogramm tunlichst vermieden. Kurzfristig soll eine "gemeinsame Studieneingangsphase für alle LehramtskandidatInnen" gewährleisten, dass nur die "bestgeeigneten" Kandidaten zu Pädagogen ausgebildet werden.

Kindergarten als "Bildungseinrichtung"

Ebenso vage - und mit Hinweis auf Abhängigkeit vom Budget - bleibt die Ankündigung einer tertiären Ausbildung für Kindergartenpädagogen. "Aufbauend oder ergänzend" zur derzeitigen Kindergärtner-Ausbildung an Bundesbildungsanstalten für Kindergartenpädagogik soll diese an Pädagogischen Hochschulen "bis hin zur Einrichtung von Bachelor-Studiengängen" erfolgen. Der Kindergarten wird als "Bildungseinrichtung" bezeichnet, ein von Bund und Ländern zu erstellender Bildungsplan soll "einheitliche Qualitätsstandards" an den Kindergärten sicherstellen.

Zur Förderung von Schülern mit Migrationshintergrund ist ein Ausbau der Deutschkurse festgehalten. Vor Schuleintritt sollen neben Deutschkenntnissen auch jene in der Muttersprache gefördert, an den Volksschulen spezielle Fördermaßnahmen für schulpflichtige Kinder mit Sprachproblemen erarbeitet werden. Zusätzlich will die Bundesregierung "Anreize setzen", damit sich mehr Migranten für eine pädagogische Ausbildung entscheiden; generell sollen "interkulturelle Kompetenzen" künftig Teil der Lehrerausbildung werden. Im Rahmen der Schulpartnerschaft sollen laut Regierungsprogramm auch die Eltern von Schülern mit Migrationshintergrund gefördert werden, etwa durch Informationen über Sprach- und Rechtsinformationsangebote.

Bildungsgarantie bis 18

Die Zahl von Österreichern ohne Bildungsabschluss soll reduziert werden: geplant ist, dass Bund und Länder Jugendlichen wie Erwachsenen das kostenlose Nachholen von Hauptschulabschluss, Matura bzw. Berufsreifeprüfung ermöglichen. Jugendliche sollen bis zum 18. Lebensjahr eine Bildungsgarantie bekommen, die ihnen eine "vollwertige" Ausbildung in der Schule, im Rahmen der dualen Berufsausbildung oder bei Engpässen in einer überbetrieblichen Lehrwerkstätte ermöglichen soll. Wodurch, wird nicht explizit erwähnt.

Relativ kurz wird die "Schule der 10- bis 14-Jährigen" abgehandelt: Die "Neue Mittelschule" soll weiterentwickelt und Modelle in allen Bundesländern eingerichtet werden. Zusätzlich sei die qualitative Weiterentwicklung der Hauptschulen und der AHS-Unterstufe sicherzustellen, heißt es in dem Papier.

Um Klassenwiederholungen und die Schulabbrecherquote zu reduzieren sollen ab der 7. Schulstufe (3. Klasse Hauptschule oder AHS) "erste Formen der Wahlpflicht- und Kursangebote" erstellt und in der AHS-Oberstufe in modularisierter Form weiterentwickelt werden. Außerdem sollen individuell abgestimmte Förderangebote ausgebaut und das Frühwarnsystem verbessert werden.

Ethikunterricht bei Enquete diskutieren

Die - bereits fixierten - Bildungsstandards sollen weiterentwickelt werden, eine standardisierte, teilzentrale Reifeprüfung beginnend mit der AHS für alle Schularten kommen. "Bereinigen" will die Regierung das Schulversuchswesen, wobei die Übernahme von Versuchen, etwa auch im Rahmen schulautonomer Schwerpunktsetzungen, überprüft werden soll. Die Details der Einführung eines Gegenstands "Ethikunterricht" an höheren Schulen und in welchem Verhältnis er zum Religionsunterricht steht, sollen in einer parlamentarischen Enquete geklärt werden.

Berufsorientierung und Bildungsberatung sollen von der 7. bis zur 9. Schulstufe ausgebaut werden, an Pädagogischen Hochschulen ein Hochschullehrgang zur Ausbildung zum Berater ("Counsellor") für Berufsorientierung und Berufsberatung eingerichtet werden.

"Für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen ist ein zusätzliches Budget von 50 Mio. Euro pro Jahr vorgesehen", heißt es im Regierungsprogramm. (APA)

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