Hohe Messlatte für Energiesparen

24. November 2008, 16:35
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Die beste Energie ist jene, die erst gar nicht verbraucht wurde, so das Mantra der EU-Kommission. Was auf den ersten Blick mit Energiesparen zu tun hat, ist ein komplexes Hightech-Thema

Die Idealmaße, die laut EU-Kommission erreicht werden sollen, lauten: 20-20-20. Das heißt: 20 Prozent erneuerbare Energien am Gesamtenergieverbrauch, der dann, im Jahr 2020, um 20 Prozent niedriger sein soll als heute. Die Vorgaben sind aus heutiger Sicht nur schwer erreichbar.

Dieses Ziel ist mit Energiesparen im ursprünglichen Sinn - dabei wird Energie nicht verbraucht, indem etwas nicht produziert oder konsumiert wird - nicht zu erreichen. Stattdessen geht es um Energieeffizienz: Wirtschaftswachstum und Produktion im gewünschten/notwendigen Ausmaß bei gleichzeitig geringerem Energieeinsatz.
Dass dies ein schwieriges Feld ist, leuchtet ein. Dass diesbezüglich in praktisch allen Lebensbereichen Forschung nötig ist, auch: Der große Wurf, mit dem ein für allemal 20 Prozent weniger Energie benötigt wird, ist nicht möglich.

Erschwert wird die Situation in Österreich dadurch, dass der Energieverbrauch noch nie gesunken, sondern stattdessen Jahr für Jahr ordentlich zugelegt hat - und zwar in allen Sektoren.

Trotz des ausufernden Bedarfs ist nicht einmal bekannt, wofür genau beispielsweise der Strom in einem typischen Haushalt verwendet wird. Die E-Control, die im Frühjahr 2008 ein "Grünbuch Energieeffizienz" herausgegeben hat, fordert deshalb, bis 2015 in allen Haushalten sogenannte Smart Meter zu installieren, mit denen genau festgehalten wird, wofür und wie viel Strom oder Gas verwendet wird. Außerdem müssen in allen Bereichen Benchmarks entwickelt werden, um Verschwendung ebenso festzumachen wie nachahmenswerte Modelle.

Maßnahmen, die sehr unterschiedlich sein können, umfassen Haushalte ebenso wie das produzierende kleine und mittlere Gewerbe, den privaten und den öffentlichen Dienstleister, die Industrie sowie den Individualverkehr. In diesem Grünbuch fordert die E-Control eine Reihe von Maßnahmen bzw. stellt Beispiele vor.

QAls erster Schritt müsste es bei den Haushalten zu besserer Information kommen. Orientierungsgrößen und Kennziffern sollten möglichst schnell verpflichtend auf den Energierechnungen aufscheinen.
QAuch zur Bewusstseinsbildung sollten zehn Millionen Energiesparlampen verteilt werden. Finanzierungskosten: je nach Glühbirne zwischen 60 und 100 Mio. Euro.

  • Beim Gewerbe wird ein verpflichtendes Energiemanagement samt Energiebuchhaltung überlegt. Das Ziel ist, festzustellen, ob und wie das Unternehmen im Vergleich zu einem Konkurrenten energieeffizient produziert.
  • Gerade bei Klein- und Mittelbetrieben werden häufig standardisierte Geräte und Motoren (Kühlung, Lüftung, Pumpen, Antriebe) verwendet. Die Überlegung ist hier, dass es nicht nur Energieeffizienz-Labels geben soll, sondern dass von vornherein nur mehr solche Geräte und Motoren zugelassen werden, die auch eine energieeffiziente Technologie haben.
  • Bei den privaten Dienstleistern (Banken, Handel, Hotels, Gastgewerbe) sind es Gebäude, Belüftung, Heizung/Kühlung, Beleuchtung und IT-Infrastruktur, die es zu untersuchen gilt. Laut E-Control Contracting wäre im Dienstleistungsbereich "Contracting" ein wesentlicher Schritt hin zur Initialisierung und Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen. Beim Energiecontracting geht es darum, die jeweiligen Einsparmöglichkeiten in einem Unternehmen erst einmal zu identifizieren. In der Folge müssen neue Systeme geplant und angeschafft werden. Contractoren helfen da bei der Vorfinanzierung und Wartung. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.11.2008)
    • Wolle wärmt und hilft, Energie in den eigenen vier Wänden zu sparen.
Für mehr Energieeffizienz müssen selbstverständlich konkretere
Informationen und Benchmarks herangezogen werden.
      foto: standard/christian fischer

      Wolle wärmt und hilft, Energie in den eigenen vier Wänden zu sparen. Für mehr Energieeffizienz müssen selbstverständlich konkretere Informationen und Benchmarks herangezogen werden.

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