Auch die Museen brauchen Millionen für Gegenwartskunst

24. November 2008, 16:25
posten

MAK-Direktor Noever: Ankaufsbudget für Gegenwartskunst "leistbar" - Aber "Frage, ob das überbleibt" - Konkrete Kulturvorhaben "schwer dechiffrierbar"

Wien - Der Passus im Koalitionsabkommen, der (unter Budgetvorbehalt) eine Erhöhung der Basisabgeltung für die Bundesmuseen in Aussicht stellt, "stimmt mich optimistisch, aber ich sehe die Substanz nicht": So fasste MAK-Direktor Peter Noever im APA-Gespräch seine ersten Eindrücke zu den "schwer dechiffrierbaren" kulturpolitischen Vorhaben der neuen Regierung zusammen. Durch die budgetären Probleme der vergangenen Jahre habe die österreichische Politik mit den Bundesmuseen "Flaggschiffe in die Welt gesetzt, die sich nicht mehr bewegen können", so Noever.

Sammlungserweiterung

Wie schnell die zugesicherten 20 Mio. Euro, die es für Kunst und Kultur künftig mehr geben soll, selbst dann aufgebraucht sind, wenn die Kulturpolitik nur lange Jahre verschobene Indexanpassungen erfüllt, belegt Noever: Das MAK allein habe nur durch die Nicht-Anpassung an die Inflation "2 Mio. Euro verloren". Und trotz Ankündigung eines "definierten Freiraumes für die Museen zur gezielten Sammlungserweiterung im Bereich der Gegenwartskunst" habe Noever derzeit "kein Ankaufsbudget".

Der MAK-Direktor bezifferte den finanziellen Bedarf aller Bundesmuseen dafür, nachhaltig Gegenwartskunst zu sammeln, auf fünf bis zehn Mio. Euro jährlich. Dies sei "leistbar". Angesichts der vielfachen Bereiche, die auf eine Erhöhung aus den zugesicherten 20 Mio. Euro heraus hoffen, sei die "Frage, ob das überbleibt". In den Budgetverhandlungen werde es wohl nicht mehr Geld geben, so Noever, da sich "abzeichnet, dass die wirtschaftliche Situation wesentlich schwieriger wird".

"Verteidigung der Kunst"

Es sei in Hinblick auf das im Koalitionsabkommen hervorgestrichenen Bekenntnis zur Gegenwartskunst "positiv, dass das überhaupt ein Thema ist. Man muss nur schauen, dass es ein Thema bleibt", so Noever. Dafür hat auch ein ganzseitiges Inserat der Direktoren von MAK, MUMOK, Albertina und Belvedere am Wochenende gesorgt, in dem auf die "Verteidigung der Kunst" gepocht wurde. Die Kosten dafür gingen laut Noever nicht auf die Ankaufs- oder überhaupt die Museumsbudgets: "Das wurde uns freundlicherweise free of charge von den Medien zur Verfügung gestellt", so Noever.

Mit der voraussehbaren Wiederbestellung von Claudia Schmied zur zuständigen Ministerin sei man "gut positioniert. Das klare Bekenntnis zur zeitgenössischen Kunst ist ihr wichtig, das hat es schon lange nicht gegeben." (APA)

 

Share if you care.