Porträt: Günther Kräuter

24. November 2008, 16:19
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Arbeiterfischer Kräuter lenkt das rote Boot: Neuer SPÖ-Bundesgeschäftsführer wurde vor allem als Rechnungshofsprecher bekannt

Wien - Für vieles wurde er schon genannt, geworden ist er nichts. Doch Geduld zahlt sich aus. Günther Kräuter (51) muckte nie auf, wenn er wieder einmal übergangen wurde, und kann sich jetzt über eine ganz hübsche neue Aufgabe freuen. An der Seite von Laura Rudas soll er als der Erfahrene die Bundesgeschäftsführung der SPÖ leiten und darf damit den Schalthebel sozialdemokratischer Macht mit in Händen halten.

Kräuter gilt unter der SPÖ-Abgeordneten-Riege als einer der Sympathischen. Meistens gut gelaunt hat er fast immer einen Scherz auf den Lippen. Zwar wird ihm Eitelkeit nachgesagt, aber allzu übelnimmt ihm das kaum jemand, denn Böser sei er keiner, heißt es quer durch die SPÖ. Ob er nun die nötige Härte für die Rolle des Kettenhunds in der Partei hat, davon sind nicht alle in der Sozialdemokratie überzeugt. Freuen wird seine Nominierung jedenfalls Landeshauptmann Franz Voves, der seinen steirischen Landsmann gerne 2006 im Kabinett Gusenbauer untergebracht hätte.

Studium des "Bergwesens"

Geboren ist Kräuter in Leoben, zwischen Weihnachten und Silvester 1956, genauer am 30.12.. Nach der Matura probierte er es in seiner Geburtsstadt kurz an der Montan-Uni mit dem Studium des "Bergwesens". Schnell ging es aber weiter ans Grazer Juridicum, wo er auch promovierte. Sein erster Job war jener als Verwaltungsjurist in Gratkorn, in der Politik fasste der langjährige Mitarbeiter der Kinderfreunde Fuß, als er im Regierungsbüro der steirischen Landesregierung als Sekretär anheuerte. Klubsekretär im steirischen SPÖ-Landtagsklub war er, Landesbeamter ab 1992, Oberregierungsrat seit 1998.

Zu diesem Zeitpunkt saß Kräuter schon über Jahre im Nationalrat, wo er mittlerweile nach Josef Cap der zweit längst gediente rote Mandatar ist. Bereits am 22.10.1991 wurde er angelobt. Dass er nie wieder wegmusste, lag auch daran, dass er sich den Bezirksparteivorsitz der SPÖ Graz/Umgebung sicherte. Denn ganz brav war Kräuter nicht immer. So war er etwa einer jener Abgeordneten, die 1997 gegen die Klublinie mit dem Großteil der Opposition gegen Rasterfahndung und Lauschangriff stimmten.

Im Nationalrat wurde Kräuter vor allem als Rechnungshofsprecher (seit 2001) bekannt, er verpasste sich sogar eine persönliche Homepage mit der Adresse http://www.rechnungshofsprecher.at/. Besonders ins Zeug warf er sich noch dazu im Eurofighter-U-Ausschuss, wo er eigentlich als einziger der Sozialdemokraten mit Herz an der Aufdeckung vermeintlicher Ungereimtheiten unter Schwarz-Blau mitwirkte.

Kräuter ist seit 1983 mit einer Lehrerin verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Gerne tritt er auf den Fußball, unter anderem im FC Nationalrat an der Seite von Karlheinz Kopf und Heinz-Christian Strache. Weitere Leidenschaft Kräuters ist das Angeln. Er ist seit einigen Jahren Vorsitzender der steirischen Arbeiterfischer. (APA)

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