Weniger Kohle für die Alternativen

24. November 2008, 16:18
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Durch die Finanzkrise steht weniger Geld für den Ausbau erneuerbarer Energie­träger zur Verfügung. Dennoch herrscht Optimismus

Durch die Finanzkrise stehen weniger Geldmittel für den Ausbau erneuerbarer Energieträger zur Verfügung. Dennoch gibt sich die Branche optimistisch und setzt etwa auf Investitionen von Öl- und Energiekonzernen.

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Autofahrer dürfen sich freuen: Von 150 Dollar pro Barrel im Juli fiel der Ölpreis jüngst auf unter 50. Das bringt auch bei den Treibstoffpreisen Entlastungen. Weniger freut dies Anbieter "grüner Energien" - ihnen kommt mit dem Preisrutsch ein wichtiges Argument für den Umstieg auf alternative Konzepte abhanden.

Infolge der Finanzkrise könnte zudem die Bereitschaft sinken, Geld für den Klimaschutz lockerzumachen, sorgt sich etwa UN-Klimachef Yvo de Boer. Und Stefan Hantsch von der IG-Windkraft bedauert: "In einigen Ländern, auch in Österreich, überdeckt die Finanzkrise die Energiekrise in der politischen Dringlichkeit."

Zahlen der Londoner Marktforscher New Energy Finance untermauern die Bedenken. Demnach sammelten die Anbieter alternativer Energieformen von Januar bis ins dritte Quartal 2008 insgesamt 13 Milliarden Dollar an Risiko- und Private-Equity-Kapital ein. Das ist deutlich mehr, als die 9,8 Milliarden, die 2007 flossen. Dennoch schrumpften die Ausgaben für Großprojekte von 23,8 Milliarden im zweiten Quartal 2008 auf 17,7 Milliarden im dritten. Einen Rückgang erwartet New Energy Finance auch für kleinere Investitionen im vierten Quartal. Marktbeobachter und Anbieter glauben trotzdem nicht, dass es mit Wind, Sonne oder Geothermie nun schnell wieder abwärts geht.

"Durch den Konjunkturabschwung verlieren Rohstoffe wie Stahl oder Kupfer stark an Wert. Damit sinken die Produktionskosten von Solarpanels oder Windrädern, und das macht sie billiger", führt E-Control-Experte Christian Schönbauer ins Treffen.

"Wir sind heuer um 80 Prozent gewachsen", zeigt sich Robert Kanduth, Chef des Solartechnik-Anbieters Greenonetec, zuversichtlich, "im kommenden Jahr sollen es 30 bis 40 Prozent sein." Rupert Hasenöhrl vom Solarthermiespezialisten Sonnenkraft sieht in der derzeitigen Krise eine Chance: "Langfristig erkennen die Kunden das Sparpotenzial." Risiko für einzelne Marktteilnehmer gebe es dennoch: "Wer jetzt einen Kredit braucht, ist ein armer Hund, denn die Banken verlangen enorme Sicherheiten."

Mehr Eigenkapital nötig

Tatsächlich wirkt nach Ansicht von Jürgen Wahl vom Technologie-Investor Gamma-Capital-Partners das Thema Fremdfinanzierung am stärksten dämpfend: "Während man bis vor einem halben Jahr Projekte im Verhältnis 10 bis 15 Prozent Eigenkapital und 85 bis 90 Prozent Fremdkapital finanzieren konnte, wird sich dieses Verhältnis in den nächsten Monaten signifikant verschieben." In Zukunft werde wesentlich mehr Eigenkapital aufzubringen sein und weniger umgesetzt werden.

Im Vergleich zu Branchen wie Bauwirtschaft oder Fahrzeugbau lägen Investitionen in erneuerbare Energieträger dennoch vorn. Was dabei hilft: Für den künftigen US-Präsidenten Barack Obama sollen die USA eine führende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel übernehmen. "Die neue Ausrichtung der US-Energiepolitik hat mehr positive Auswirkungen als die Finanzkrise negative", ist Hantsch überzeugt.

Oliver Grabherr von Gamma-Capital-Partner sieht einen Investoren-Wechsel: "Vermehrt treten nun Öl- und Energiekonzerne auf."

Er ortet die Branche sogar in einem antizyklischen Aufwind: "Es ist sehr viel Geld in den diversen Venture Capital Fonds reserviert." Die Zukunft ist aber nicht für alle rosig. Rohstoffgebundene Technologien wie Biomasse werden es in Zukunft aufgrund der höheren Preisvolatilitäten schwerer haben als rohstoffunabhängige Energieträger wie Fotovoltaik oder Wasserkraft, meint Wahl.

Einhellig glaubt die Branche, dass gerade Technologien, die maßgeblich zur Energieeffizienz beitragen, in wirtschaftlich schlechten Zeiten an Bedeutung gewinnen, weil sie neben den positiven Umwelteffekten mithelfen, Geld zu sparen. Selbst der momentan niedrige Ölpreis würde da nur vorübergehend dämpfend wirken.

Energieagentur-Chef Fritz Unterpertinger wünscht sich allerdings noch kräftige Impulse: "Der Staat muss jetzt zwei Milliarden an Fördermitteln über die Wohnbauförderung hinaus in die Hand nehmen, denn die Investitionen in Energie helfen, die Konjunkturdelle zu übertauchen." (Regina Bruckner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.11.2008)

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    Für Wasserkraft-, Wind- und Solarenergie-Projekte ziehen wegen des Konjunkturabschwungs dunkle Wolken am Horizont auf. Die geplante Neuausrichtung der US-Energiepolitik lässt aber hoffen.

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