Flüchtlingslager von Soldaten geplündert

24. November 2008, 15:53
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Eine Frau bei Unruhen getötet - Aufgebrachte Bewohner attackieren UN-Fahrzeuge

Kibati - Soldaten der kongolesischen Streitkräfte haben laut Augenzeugen ein Flüchtlingslager nördlich von Goma geplündert. Den Berichten zufolge zogen sie in der Nacht zum Sonntag in Kibati von Haus zu Haus und von Zelt zu Zelt und verlangten Geld und Lebensmittel. Bei den zahlreichen Schüssen in die Luft sei eine 45-jährige Frau von einem Querschläger getötet worden. Die Vereinten Nationen konnten die Angaben zunächst nicht bestätigen.

"Sie kamen in meine Hütte, zielten mit einem Gewehr auf mein Gesicht und schrien: 'Wach auf, wach auf, gib uns Geld und alles, was Du sonst noch hast!", berichtete der 60-jährige Patrice Sebahunde aus Kibati. Die Soldaten hätten sämtlich Lebensmittel und Bekleidungsstücke seiner Familie gestohlen. Etwa zehn weitere Bewohner bestätigten diese Angaben gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Ein UN-Sprecher vor Ort erklärte indessen, ihm lägen keine Informationen über Schießereien und Plünderungen in Kibati vor.

Kritik an UNO

Die Bewohner übten inzwischen heftige Kritik an den Vereinten Nationen. Diese hätten beim Schutz der Zivilbevölkerung versagt und arbeiteten letztlich mit den Rebellen zusammen, hieß es. Am Sonntagnachmittag wurde ein Konvoi der UN-Friedenstruppe MONUC von Soldaten gestoppt, da ehemalige Rebellen unter den Blauhelmsoldaten vermutet wurden. Zugleich wurde der Konvoi von tausenden aufgebrachten Flüchtlingen mit Steinen beworfen. Der Sprecher der UN-Friedenstruppe, Oberst Jean-Paul Dietrich, erklärte, im Konvoi hätten sich in der Tat zehn Rebellen befunden, die sich ergeben hätten. Sie seien den Soldaten ausgehändigt worden.

Die Kämpfe im Osten des Kongos eskalierten im August und führten zur Flucht von einer Viertel Million Menschen. Der UNO-Sicherheitsrat hatte am vergangenen Donnerstag geschlossen dafür gestimmt, die 17.000 Mann starke MONUC wie von Frankreich gefordert um 3.000 Soldaten und Polizisten aufzustocken, um die Gewalt im Ost-Kongo in den Griff zu bekommen. Die MONUC ist die größte aller Blauhelm-Missionen. (APA/AP)

 

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