Reichster Chinese im Visier der Justiz

24. November 2008, 17:09
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Huang Guangyu gilt als reichster Chinese. Nun wird ihm Manipulation mit den Aktien eines Unternehmens seines Bruders vorgeworfen

Huang Guangyu zählt mit einem Vermögen von rund fünf Milliarden Euro zu den reichsten Unternehmern Chinas. Ihm werden Wirtschaftsverbrechen vorgeworfen. Behörden nahmen ihn nun offenbar in Gewahrsam.

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Peking - Chinas reichstem Unternehmer nützten seine geschätzten 43 Mrd. Yuan (fünf Mrd. Euro) an Vermögen nicht viel. Huang Guangyu verschwand über Nacht. Er wurde offenbar von anonymen Behörden in Gewahrsam genommen. Das viele Geld schützte den 39-jährigen Chef von 1300 Elektronik-Kaufhäusern der Pengrun-Gruppe, die als Gome Electrical Appliances Holdings Ltd. an der Hongkonger Börse gehandelt wird, nicht davor, von Chinas Medien etlicher Wirtschaftsverbrechen verdächtigt zu werden.

Über den Milliardär brach zuerst das hochangesehene Hausmagazin des Börsenrats Cai Jing den Stab. Hunderte Tageszeitungen, Staatsrundfunk und -fernsehen übernahmen am Montag die Vorwürfe. Sie unterstellen Börsenbetrug und Aktienschwindel im Zusammenhang mit der Firma des ebenso reichen Bruders Huang Junqin. Huang Guangyu sei seit dem 19. November von der Polizei in Untersuchungshaft genommen worden. In Hongkong wurde gestern der Handel mit den Aktien von Gome ausgesetzt.

Amtliche Stellen aber weigerten sich bis Montagnacht, die Vorwürfe zu bestätigen. Nicht einmal seine Inhaftierung wollten sie zugeben. Die Polizei teilte der offiziellen Nachrichtenagentur Xinhua lakonisch mit, dass sie mit der Sache nichts zu tun habe. Für Huang Guangyu sei das Ministerium für Öffentliche Sicherheit zuständig. Von dort gab es die Auskunft, dass man nichts Genaues wisse. Auch der Vorstand von Gome erhielt vorerst keine Mitteilung von den Behörden. Er sprach von "Anschuldigungen nach Hörensagen".

Huang war im September auf der "Hurun" -Liste der 1000 Reichsten Chinas, die der Brite Rupert Hoogewerf jährlich erstellt, auf Nummer eins gesetzt worden - zum dritten Mal in den vergangenen fünf Jahren. Auch die Forbes-Liste setzte ihn mit geschätzt zwei Mrd. Euro Vermögen auf Platz zwei unter ihren 400 Reichsten Chinas.

Huang, der mit seinem Bruder aus Guangdong (Südchina) stammte, dort die Schule mit 16 abbrach, bevor beide 1987 in Peking mit 4000 Yuan Erspartem und 30.000 Yuan Krediten ihren ersten Laden aufmachten, verdankt sein Vermögen offenbar auch zweifelhaften Marktdeals. Nach Auskunft des Briten Hoogewerf soll der Chef über 300.000 Mitarbeiter einen Teil der Gome-Kaufhäuser an den Hongkonger Ableger des Konzerns für 1,9 Mrd. Dollar verkauft haben. Pikantes Detail: An der Hongkonger Firma halte er 35 Prozent. Dutzende Untergesellschaften und Töchter machten es schwer, seine Immo-, Investmentgeschäfte und Aktiendeals an der Börse zu durchschauen.

Die Brüder stehen zum zweiten Mal unter öffentlichem Verdacht. 2006 wurde gegen sie als angebliche Kreditbetrüger und Immobilienspekulanten ermittelt. Sie gerieten ins Visier der Behörden, als die Bank of China auf illegal vergebene Immobilien- und Autokredite stießen. Die Ermittlungen wurden ergebnislos eingestellt. (Johnny Erling, Peking, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.11.2008)

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    Huang Guangyu baute eine Elektronik-kette mit 300.000 Mitarbeitern auf. Er soll einen Teil der Kaufhäuser an einen Ableger seines Konzerns für 1,9 Milliarden Dollar verkauft haben.

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