Porträt: Reinhold Mitterlehner

24. November 2008, 14:36
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Mühlviertler Chef über die Wirtschaft - Von der Wirtschaftskammer ins Ministerium - Sein Vorbild: Ernst Happel

Wien - Mit Reinhold Mitterlehner hat sich Josef Pröll keinen Bequemen ins Wirtschaftsministerium geholt. Der Mühlviertler, bisher stellvertretender Generalsekretär in der Wirtschaftskammer, behält seine Meinung ungern für sich, auch nicht, wenn sie sich nicht mit der Parteilinie deckt. Das wiederum ist ein Hauptgrund, warum der bald 53-jährige Mitterlehner eine ewige Zukunftshoffnung zu bleiben drohte. Langzeit-Parteichef Wolfgang Schüssel konnte Mitterlehner ganz und gar nicht leiden, und umgekehrt war es nicht anders.

Jurist als Wirtschaftsbund-Generalsekretär

Überraschend ist, wen Mitterlehner als sein politisches Vorbild angibt. Nicht eine der Größen aus Volkspartei oder Wirtschaftskammer ist es, die den gebürtigen Helfenberger besonders beeindruckt hat, sondern Fußballspieler- und Trainer-Legende Ernst Happel. Immerhin, auch ein echter "Schwarzer" findet sich auf Mitterlehners Vorbilder-Liste: Franz Leitenbauer, Mühlviertler Politurgestein, 40 Jahre Bürgermeister der Gemeinde Atzesberg und über 33 Jahre Abgeordneter zum Oberösterreichischen Landtag.

Von seiner Ausbildung her ist Mitterlehner Jurist, dazu kam ein Post-Graduate-Lehrgang für Verbandsmanagement in Fribourg. In der Wirtschaftskammer Oberösterreich heuerte er schon 1980 an, ab 1992 fungierte er in Wien als Wirtschaftsbund-Generalsekretär und eigentlich schon damals sagte man: Aus dem wird noch was.

Allzu viel wurde er freilich lange nicht, gerade einmal für sechs Jahre Gemeinderat in Ahorn. 2000 ging er dann mit dem neuen Präsidenten Christoph Leitl in die Wirtschaftskammer und wurde dort stellvertretender Generalsekretär, zusätzlich sicherte er sich ein Mandat im Nationalrat, wo er zuletzt Wirtschaftssprecher der Volkspartei war.

Wichtiger war Mitterlehner aber, wenn es um Sozialpartner-Materien ging. Lange lief ohne ihn politisch wenig, wenn es galt, Pensions- oder Arbeitsrechtreformen auszuverhandeln. Erst in den letzten Jahren lief ihm hier Wirtschaftsbund-Generalsekretär Karlheinz Kopf ein wenig den Rang ab, vor allem im Gesundheitsbereich.

Großes Detailwissen

Mitterlehner hat sich ungeachtet dessen ein großes Detailwissen angeeignet, in der Gewerkschaft ist er recht beliebt. Das liegt wohl auch daran, dass er in vielem deutlich sozialer wirkt als so mancher Vertreter des Arbeitnehmerflügels der Volkspartei. Mitterlehner war beispielsweise einer der ersten, der der sogenannten "Tobin Tax" das Wort redete. In der Ausländerpolitik vertrat er stets eine liberalere Linie als die Bundespartei.

Der neue Minister ist überhaupt in vielem unberechenbar. Im Eurofighter-U-Ausschuss, der ihn manchmal ordentlich zu langweilen schien, konnte er ab und an richtig loslegen und überraschte mit kritischen Fragen an Zeugen, die man so von anderen ÖVP-Gremiumsmitgliedern aber gar nicht kannte.

Diese Unberechenbarkeit wird Mitterlehner von manchen in der Volkspartei als fehlende Loyalität, Sturheit oder Eingebildetheit ausgelegt. Andere mögen ihn gerade deshalb, weil er weniger als andere in das heute übliche Politiker-Schema einzuordnen ist. Bei Journalisten ist der gesellige Mitterlehner entsprechend beliebt.

Privat ist Mitterlehner, geboren am 10.12.1955, verheiratet und Vater von drei Kindern, zwei davon gemeinsam mit seiner Ehefrau Anna Maria. Die älteste der drei Tochter stammt aus einer früheren Verbindung. Als Lieblingsgericht gibt Mitterlehner übrigens Schweinsbraten an. Für ihn bleibt zu hoffen, dass ihm das besser bekommt als Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky, deren Politkarriere gerade nach nicht einmal zwei Jahren schon wieder zu Ende geht. (APA)

 

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