Beweise für Verwicklung Belgrads in Srebrenica-Massaker

24. November 2008, 14:29
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Anklage des UNO-Tribunals soll Telefon-Abhör-Protokolle von Perisic und Mladic besitzen

Sarajevo/Belgrad - Für die Verwicklung der jugoslawischen Streitkräfte und des serbischen Regimes von Slobodan Milosevic in das Massaker von Srebrenica im Jahre 1995 gibt es neue Indizien, die im Gerichtsverfahren gegen den früheren jugoslawischen Generalstabchef Momcilo Perisic zur Sprache kommen könnten. Das berichtete die bosnischen Tageszeitung "Dnevni Avaz" (Montagausgabe). Das Gerichtsverfahren gegen Perisic läuft seit Anfang Oktober vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien.

Dem bosnischen Blatt zufolge hatte die Tribunalsanklage vom kroatischen Nachrichtendienst Unterlagen erhalten, die die frühere Militär- und Staatsführung Belgrads in Zusammenhang mit dem Massaker an rund 8.000 bosniakischen Einwohnern der ostbosnischen Kleinstadt im Sommer 1995 belasten. Unter den Unterlagen befinden sich demnach bisher unbekannte Aufzeichnungen von abgehörten Telefongesprächen zwischen Perisic und dem weiterhin flüchtigen Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic. Dieser war bereits 1995 vom UNO-Tribunal des Völkermordes in Srebrenica angeklagt worden.

Grundlage

Diese Dokumente, über die die Tribunalsanklage bisher nicht verfügt hätte, würden eine starke Grundlage für den Antrag Sarajevos zur Erneuerung eines Gerichtsverfahrens vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) darstellen, so die Zeitung. Bosnien hatte 1993 eine Völkermord-Klage gegen Belgrad eingereicht, die 1996 vom IGH angenommen wurde. Serbien hätte den Völkermord in der früheren Bosniaken-Enklave Srebrenica im Juli 1995 zwar verhindern können, sei aber nicht direkt für ihn verantwortlich gewesen, lautete das Urteil von Februar 2007.

Die Anklage gegen Perisic vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal bezieht sich unter anderem auf den Beschuss von Sarajevo und Zagreb, aber auch die Einnahme der UNO-Schutzzone Srebrenica im Juli 1995. (APA)

 

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