Experten warnen vor übereilten Investments

24. November 2008, 14:07
17 Postings

Erste Bank: Wiener Börse sehr billig, Finanzkrise noch nicht zu Ende

Wien - Trotz der aktuell höchst attraktiven Bewertung der im Leitindex der Wiener Börse, dem ATX, zusammengefassten Unternehmen warnen die Analysten der Erste Bank vor übereilten Investments in Aktien. Die Finanzkrise sei noch nicht ausgestanden, der Abwärtstrend an den internationalen und der Wiener Börse "voll intakt", so die Experten am Montag zum Ausblick auf die Aktienmärkte.

Sollte sich das gegenwärtig extrem negative Umfeld stabilisieren, erscheine eine kurzfristige Erholung der Aktienkurse noch 2008 möglich. Für 2009 werden zwei Szenarien für gleich wahrscheinlich gehalten. Szenario 1 geht von einer vorübergehenden Rezessionsphase aus, die Finanzkrise kommt 2009 ins Stoppen. Szenario 2 geht von einer nachhaltigen Rezession aus, die Krise erfasst weitere Kreise.

"Im ersten Fall wären die Kursverluste weitgehend berücksichtigt. Das Sentiment würde 2009 drehen und eine positive Performance von bis zu 15 bis 20 Prozent wäre möglich. Im zweiten Fall wären die erreichten Bewertungsrelationen noch immer nicht günstig. Die Performance für 2009 wäre im günstigsten Fall eine Null bzw. neuerlich negativ", so Erste-Chefanalyst Friedrich Mostböck.

Märkte der Eurozone seien fundamental gesehen gegenüber US-Märkten zu favorisieren. Ein hoher Spread aus der Gewinnrendite versus der Rendite aus 10-jährigen Staatsanleihen von 780 Basispunkten spreche für europäische Aktien. In Österreich betrage dieser Spread - trotz deutlich erfolgter Gewinnrevisionen - sogar mehr als unglaubliche 1.300 Basispunkte. "Nur leider interessiert das zurzeit noch niemanden so wirklich", so Mostböck.

Die historisch günstige Bewertung im ATX von etwa 5 spreche für sich selbst. Aufgrund der hohen Prognoseunsicherheit sei ein Blick auf das Kurs/Buchwert-Multiple derzeit aussagekräftiger: Dieses liege für 2008 mit 0,8 auf einem historischen Tiefstand.

Aus der Wiener Börse dürfte jede Ost-Fantasie draußen sein. Der Rückgang des ATX von 67 Prozent in den letzten 16 Monaten sei noch kräftiger ausgefallen als 1990 nach der ersten Ernüchterung nach der Ostöffnung, als der Rückgang 58 Prozent nach 33 Monaten betrug. Die aktuellen BIP-Prognosen des Erste Group-Research zur Wirtschaftslage der CEE-8-Länder gehen nach wie vor von einem 2,1-prozentigen Wachstum für 2009 aus, während die Eurozone um 0,4 Prozent schrumpfen sollte.

"Schwieriges Umfeld"

"Als Investmentstrategie in einem branchenmäßig äußerst schwierigen Umfeld würden wir empfehlen, den Schwerpunkt auf Stock picking zu legen", so Günther Artner, Co-Head of CEE Equity Research. Investments sollten sehr selektiv vorgenommen werden. Der Fokus sollte dabei auf defensive Werte, die trotz stabilen Ergebnissen im Kurs stark korrigiert haben oder eine hohe Dividendenrendite aufweisen - wie Verbund, EVN und Post - gelegt werden.

Weiters werden Wachstumswerte, die sich unabhängig von der Konjunktur entwickeln, empfohlen, dazu zählt die Erste den Impfstoffentwickler Intercell. Ebenfalls im Mittelpunkt stehen industrielle Werte mit Fokus Energietechnik, die nur mäßige Gewinnrückgänge aufweisen. Hierzu zählt Andritz.

Zu den sonstigen Werten, die über Gebühr an der Börse abgestraft worden sind, empfehlen die Erste-Analysten Vienna Insurance Group und Kapsch TrafficCom. Dazu kommen noch liquide Blue Chips, mit starker Kapitalstruktur. (APA)

Share if you care.