Armenischer Außenminister zu Gesprächen in Istanbul

24. November 2008, 14:05
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Ankara will Botschafter in Eriwan ohne Missionseröffnung ernennen

Istanbul - Die Türkei und Armenien arbeiten weiter an einer schrittweisen Normalisierung ihrer Beziehungen. Der armenische Außenminister Edward Nalbandian traf am Montag in Istanbul ein, um Gespräche mit seinem türkischen Amtskollegen Ali Babacan zu führen. Die Online-Ausgabe der Tageszeitung "Hürriyet" berichtete, die Türkei sei grundsätzlich zur Entsendung eines Botschafters nach Eriwan bereit, ohne dort aber eine diplomatische Vertretung zu eröffnen. Im Gegenzug müsse sich Armenien bereiterklären, den Vorwurf des Völkermordes an Armeniern im Osmanischen Reich in einer gemeinsamen Kommission mit der Türkei untersuchen zu lassen.

Beide Staaten unterhalten bisher keine diplomatischen Beziehungen. Armenien fordert von der Türkei eine Anerkennung von Gewalttaten 1915 als Völkermord. Bei Massakern im Osmanischen Reich sollen nach Schätzungen bis zu 1,8 Millionen Armenier ums Leben gekommen sein. Die Türkei geht dagegen von etwa 200.000 Toten aus und lehnt die Einstufung der "kriegsbedingten Ereignisse" als Völkermord kategorisch ab.

Historischer Gül-Besuch in Armenien

Als erster Staatschef der Türkei hatte Präsident Abdullah Gül im September das Nachbarland Armenien besucht und eine Zusammenarbeit angeboten. Sein armenischer Amtskollegen Serzh Sarkisian hatte ihn zum Qualifikationsspiel beider Länder zur Fußballweltmeisterschaft 2010 eingeladen. Der armenische Präsident hatte Ende August in einem Interview mit der türkischen Zeitung "Radikal" erklärt, die türkische Anerkennung eines Völkermordes an den Armeniern sei keine Voraussetzung für die Verbesserung der Beziehungen. (APA/dpa)

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