Kurzarbeit in Österreich explodiert

24. November 2008, 13:31
9 Postings

25.000 Beschäftigte sind derzeit bedroht, die betroffensten Branchen sind heuer vor allem der Autozulieferer, Metalle, Kunststoff und Holz

Wien -  Rund 25.000 Arbeitnehmer in 50 Betrieben sind derzeit in Österreich von Kurzarbeit betroffen beziehungsweise bedroht. In dieser Zahl enthalten seien sowohl Anfragen als auch bereits vereinbarte Kurzarbeitsverträge, betonte der stellvertretende Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp), Karl Proyer, am Montag bei einer Pressekonferenz.

Laut Arbeitsmarktservice (AMS) arbeiten derzeit genau 5.981 Personen kurz. Im Vergleich dazu haben im Vorjahr in den Monaten Oktober, November, Dezember im Schnitt jeweils 200 Personen kurzgearbeitet. Betroffene Branchen sind heuer vor allem der Autozulieferer (automotiver Bereich), Metalle, Kunststoff und Holz.

Kurzarbeit kann zur Überbrückung von Auftragsausfällen für drei Monate beantragt und bis maximal ein Jahr verlängert werden. Die Arbeitszeit kann pro Monat auf maximal 80 Prozent der Wochenarbeitszeit reduziert werden. Bei einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden kann die Arbeitszeit pro Monat auf 32 Stunden gesenkt werden. Für die Betroffenen gilt ein Kündigungsschutz entsprechend der Dauer der Kurzarbeit.

Österreich habe mit der Kurzarbeit ein sehr ausgefeiltes Kriseninstrument, so Proyer. Die Vereinbarung erfolge auf KV-Ebene, Zugang und Umsetzung gehen sehr schnell. Lohnkürzungen, wie sie kürzlich von der Industriellenvereinigung (IV) vorgeschlagen wurden, seien gerade angesichts einer Rezession kein Mittel um Arbeitslosigkeit zu verhindern, sagte GPA-Vorsitzender Wolfgang Katzian. IV-Präsident Veit Sorger hatte kürzlich vorgeschlagen, zur Überbrückung von Auftragseinbrüchen ein neues Arbeitsmodell in Unternehmen mit Lohnverzicht und staatlichen Lohnzuschüssen zu erarbeiten.

Dies führe zu einer Schwächung der Kaufkraft und würde die Spirale nach unten verstärken. Vor dem Hintergrund stagnierender Exporte, gewinne die Inlandsnachfrage an Bedeutung. Um diese zu stärken, bedürfe es entsprechender Lohn- und Gehaltsabschlüsse und deutlicher Steuerentlastungen, damit die Lohnzuwächse nicht von der kalten Progression aufgefressen werde, so Katzian.

Von einem generellen Lohnverzicht sei nie die Rede gewesen, betonte am Montag IV-Präsident Sorger. Sein Vorschlag habe sich nur auf einzelne, speziellen Fälle vor allem auf den automotiven Bereich bezogen. Ein etwaiger befristeter Teilausfall könne beispielsweise auch mit der Zusage der Nachzahlung bei Anspringen der Aufträge verbunden sein. Bevor Menschen freigesetzt werden, ist es noch allemal besser, den Arbeitsplatz zu erhalten und zeitlich begrenzt zu versuchen, den Kostendruck zu senken. Dazu gehören naturgemäß auch Kurzarbeitsmodelle und Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen", betonte Sorger.

Zufriedenheit mit Lohnrunde

Mit den Ergebnissen der heurigen Herbstlohnrunde zeigt sich Proyer zufrieden. Die Abschlüsse lagen zwischen 3,5 und 4 Prozent, wobei überall die niedrigen Einkommen stärker berücksichtigt wurden. Man sei auch durchaus bereit gewesen, für die Durchsetzung der Forderungen zu agitieren.

Die GPA verhandelt pro Jahr mehr als 160 Kollektivverträge in fast allen Branchen und schließt damit die Lohn- und Gehaltserhöhungen für fast 1,3 Mio. Beschäftigte ab. Im Vorjahr wurde durch kollektivvertragliche Erhöhungen eine Summe von 1,2 Mrd. Euro bewegt.

Die GPA hat in einer Umfrage durch das Meinungsforschungsinstitut Ifes den Stellenwert der Lohn- und Gehaltspolitik abfragen lassen. Die Ergebnisse der im September/Oktober bei 520 Angestellten durchgeführten Befragung zeigen, dass die Attraktivität der Gewerkschaft stark an den Erfolgen in der Gehaltspolitik gemessen wird. Außerdem bestehe eine Tendenz zur Individualisierung und Verbetrieblichung der Gehaltsentwicklung bis in mittlere Angestelltenbereiche. (APA)

Share if you care.