Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage schließen

24. November 2008, 17:00
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Wer fördert, der fordert: Die fetten Fördertöpfe von AMS und Wifi und die entsprechenden Auflagen wurden beim jüngsten HR-Circle präsentiert

"Im Zentrum von allen Aktivitäten steht die Eingliederung in den Arbeitsmarkt." Wenn man den Experten Glauben schenkt, dann sollte ständige Aus- und Weiterbildung sowohl bei Unternehmen als auch bei Mitarbeitern hoch im Kurs stehen. "Geistige Flexibilität" sei die Antwort auf die veränderten wirtschaftlichen Bedingungen. Um sich im Dickicht des Förderungsdschungels zurecht zu finden, stand der jüngste HR-Circle im Zeichen der Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung, die Firmen über das AMS oder das WIFI in Anspruch nehmen können.

Eingliederungsbeihilfe

Als "Zuschuss zu den Lohn- und Lohnnebenkosten" bezeichnet Benjamin Prätorius die vom AMS gewährte Eingliederungsbeihilfe "Come Back". Gefördert werden kann das Arbeitsverhältnis von vorgemerkten Arbeitslosen ab 45 Jahren (bei Frauen) und ab 50 Jahren (bei Männern) und von Arbeitssuchenden, die mindestens 6 Monate (bei Personen unter 25 Jahren) bzw. 12 Monate (bei Personen ab 25 Jahren) arbeitslos vorgemerkt sind. Anspruchsberechtigt sind prinzipiell alle Arbeitgeber mit Ausnahme von politischen Parteien und radikalen Vereinen.

Je nach regionaler Geschäftsstelle des AMS variiert die Höhe der Förderung, berichtet der AMS-Experte. Das Maximum sind 66,7 Prozent der Bemessungsgrundlage. Im Normalfall wird die Beihilfe zwischen drei und sieben Monate gewährt. Die Anfrage zur Förderung müsse "mindestens einen Tag vor Dienstbeginn" beim AMS erfolgen, betont Prätorius. Ansonsten könne sie nicht gewährt werden.

"Implacement Stiftungen"

Ein weiters Modell für Unternehmen, um Fördergelder zu lukrieren, sind "Implacement Stiftungen". In den Genuss dieser Finanzspritze kommen Firmen, deren Personalbedarf am Arbeitsmarkt nicht abgedeckt werden kann, weil es keine Fachkräfte mit den gefragten Qualifikationen gibt. Das AMS unterstützt die Arbeitgeber bei der Personalauswahl mit dem Ziel, dass das dann in einem "fixen Beschäftigungsverhältnis" mündet, so Prätorius. Die Leute werden in den Unternehmen "theoretisch und praktisch" ausgebildet. Die Firmen können sich während dieser Zeit - die kann immerhin bis zu drei Jahre dauern - die Lohn- und Lohnnebenkosten sparen. Die Teilnehmer werden vom AMS mittels Schulungsarbeitslosengeld oder Notstandshilfe bezahlt.

Förderung für Lehrlinge

Um Lehrlingen eine Starthilfe zu geben und Unternehmen zur Aufnahme dieser zu animieren, hat das AMS schon vor längerer Zeit eine eigene "Förderung der Lehrausbildung" initiiert. Die Kontaktnahme des Betriebes mit dem AMS muss immer vor der Einstellung erfolgen. "Die Person muss vor der Aufnahme beim AMS gemeldet gewesen sein", erläutert AMS-Experte Fritz Zigmund die Kriterien. Gefördert werden u.a. Jugendliche mit "physischer, psychischer, geistiger Einschränkung oder Behinderung". Weiters können Personen mit "sozialer Fehlanpassung" (Haft, Vorstrafen), Schulabbrecher und Langzeitbeschäftigungslose unterstützt werden.

Explizit richtet sich diese AMS-Hilfe auch an "Mädchen in Männerberufen". "Das betrifft so gut wie alle technischen Berufe", erklärt Zigmund. Die Beihilfe wird jeweils für ein Lehr-/Ausbildungsjahr bewilligt. Sie kann für längstens drei Jahre gewährt werden. Der monatliche Zuschuss für Betriebe bewegt sich zwischen 400 und 755 Euro.

Qualifizierungsförderung

Nicht junge sondern ältere Arbeitsnehmer stehen im Mittelpunkt der "Qualifizierungsförderung für Beschäftigte". "Durch Qualifizierung soll die Arbeitsfähigkeit der Älteren gewährleistet bleiben und die Flexibilität in den Betrieben erhöht werden", beschreibt Doris Choma die Ziele der Maßnahme. Förderbar sind über 45-Jährige - unabhängig von Geschlecht und Qualifikation - sowie jüngere Frauen, die höchstens über einen Lehr- oder mittleren Abschluss verfügen. Als weitere Gruppe kommen WiedereinsteigerInnen nach der Elternkarenz in Frage. Sie müssen mindestens ein halbes Jahr bei den Kindern zu Hause gewesen sein. "Das gilt auch für Männer", präzisiert Choma.

Die Voraussetzung bei allen Antragstellern ist, dass sie sich in einem vollversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis oder in Elternkarenz befinden. Abgegolten werden zwei Drittel der Kurskosten; bei Frauen über 45-Jahren sind es drei Viertel. Die Qualifizierungsmaßnahme muss mindestens 16 Stunden dauern und "arbeitsmarktpolitisch sinnvoll" sein, heißt es etwas kryptisch.

Flexibilitätsberatung

Eine weitere Maßnahme ist die "Flexibilitätsberatung für Betriebe", die von Unternehmen mit über 50 Mitarbeitern kostenlos in Anspruch genommen werden kann. "Das Ziel ist es, Themen aufs Tapet zu bringen, mit denen sich Betriebe sonst nicht beschäftigen", so Choma. Solche Themen können etwa Mobilität, Arbeitszeit, Diversity Management oder Productive Ageing sein. Für kleinere Firmen bis zu 50 Mitarbeiter gibt es die "Qualifizierungsberatung", die sich über drei Beratungstage erstreckt und thematisch im Bereich Personalmanagement- und beratung angesiedelt ist.

Niederösterreich

Über "umfangreiche Förderungsmöglichkeiten" in Niederösterreich referierte Robert Pfeffer vom WIFI. "Weiterbildung wird immer wichtiger, aber auch teurer", sagt Pfeffer und betont, dass Firmen solche Investitionen als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen können. In Niederösterreich gebe es wie in allen anderen Bundesländern auch unterschiedliche Fördergeber.

Qualifizierungsverbünde

Im Bereich der Möglichkeiten, die das AMS bietet, gibt es zusätzlich neben der schon oben erläuterten Qualifizierungsförderung für Beschäftigte und der Qualifizierungsberatung für Betriebe das Modell der "Qualifizierungsverbünde". Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von mindestens drei Betrieben, wobei nicht weniger als 50 Prozent Klein- und Mittelbetriebe sein dürfen. Das Ziel ist, gemeinsam und Qualifizierungsmaßnahmen für die Mitarbeiter zu planen und durchzuführen. Die Beratungskosten übernimmt das AMS zur Gänze. Die Dauer ist auf sechs Tage beschränkt.

Lehrlinge werden getestet

Förderungen für Unternehmen bietet auch die Wirtschaftskammer Niederösterreich. Etwa bei der "Testung von LehrstellenbewerberInnen". Jeder Betrieb kann in den WIFI Berufsinformationszentren bis zu 4 Jugendliche pro Jahr kostenlos testen lassen. Der "Check" reicht von der Persönlichkeitsanalyse bis zur Ermittlung der motorischen Fähigkeiten. Um Lehrlingen Zusatzkurse zu ermöglichen, hat die NÖ Landesregierung das Modell "Top Kursgeld für Lehrlinge" ins Leben gerufen. Die Ausbildung muss mindestens 30 Stunden dauern und wird mit maximal 400 Euro pro Lehrling gefördert.

"Job konkret"

Um die "Lücke zwischen Angebot und Nachfrage" am Arbeitsmarkt zu schließen, offeriert das Land NÖ gemeinsam mit AMS, WK und AK "Job konkret" oder die Implacementstiftung, berichtet Robert Pfeffer. Eine Maßnahme, die mit regionalen Modifikationen in allen Bundesländern existiert. Während der Stiftungszeit sind sowohl "Learning in the job" als auch externe Qualifizierung Bestandteil des Programms. Die Betriebe sollten die Teilnehmer in ein vollversichertes Dienstverhältnis übernehmen. "Da liegt die Erfolgsquote bei knapp über 90 Prozent", sagt Pfeffer. Die maximal geförderte Summe pro "Bildungsplan" beläuft sich auf 5.730 Euro. (om, derStandard.at, 24.11.2008)

Veranstaltungshinweis

Der nächste Vortrag im Rahmen des HRCircle findet am 15. Jänner 2009 statt. Karlheinz Kopf (Generalsekretär des österr. Wirtschaftsbundes) referiert über das Thema "Mitarbeiter/innen-Beteiligung".

Links:

HR-Circle

AMS-Unternehmensförderungen

Wifi

  • Robert Pfeffer, Doris Choma, Benjamin Prätorius und Fritz Zigmund.
    foto: derstandard.at

    Robert Pfeffer, Doris Choma, Benjamin Prätorius und Fritz Zigmund.

  • Benjamin Prätorius (AMS Esteplatz, Service für Unternehmen).
    foto: derstandard.at

    Benjamin Prätorius (AMS Esteplatz, Service für Unternehmen).

  • Fritz Zigmund (AMS Jugendliche).
    foto: derstandard.at

    Fritz Zigmund (AMS Jugendliche).

  •  Doris Choma (AMS Wien, Landesgeschäftsstelle).
    foto: derstandard.at

    Doris Choma (AMS Wien, Landesgeschäftsstelle).

  • Robert Pfeffer (Wifi Niederöstereich).
    foto: derstandard.at

    Robert Pfeffer (Wifi Niederöstereich).

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