Deutsches Geschäftsklima auf Tiefstand

24. November 2008, 12:38
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Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist im November auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren gesunken

Mit dem sechsten Rückgang in Folge sank der wichtigste Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft - das ifo-Geschäftsklima - von 90,2 Punkten im Vormonat auf 85,5 Punkte, wie das ifo Institut am Montag mitteilte. Der Rückgang war wesentlich kräftiger als Experten mit 89,0 Punkten zuvor erwartet hatten. Sowohl die Lageeinschätzung als auch die Erwartungen für die nächsten sechs Monat trübten sich deutlich ein.

Die Erwartungskomponente ging von 81,4 Punkten im Vormonat auf 77,6 Punkte zurück. Volkswirte hatten mit einer nur moderaten Eintrübung auf 81,4 Punkte gerechnet. Die Lagebeurteilung sank von 99,9 Punkten auf 94,8 Punkte, während Experten einen Rückgang auf nur 97,3 Punkte erwartet hatten.

"Insgesamt hat sich der konjunkturelle Abschwung verschärft und wird nun auch den Arbeitsmarkt erfassen", kommentierte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn die Ergebnisse.

Rezession erwartet

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet nun ebenso wie andere Experten mit einer Rezession im kommenden Jahr. Das Institut nahm heute seine Prognose für die deutsche Wirtschaftsentwicklung 2009 auf ein Minus von "knapp 0,5" Prozent zurück. Noch im Oktober hatte das IW ein Plus von 0,6 Prozent erwartet. Die Unternehmen hätten bei der jüngsten Konjunkturumfrage überwiegend pessimistisch in das kommende Jahr geschaut, teilte das IW mit.

"Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab", hieß es bei der Deutschen Postbank. Die Wirtschaft Deutschlands und der Eurozone dürfte einen "sehr harten Winter" durchlaufen. Nach Anzeichen einer Stabilisierung suche man derzeit vergeblich. "Selbst der letzte optimistische Unternehmer dürfte nun eingesehen haben, wie drastisch die aktuelle Krise ist", unterstrich DekaBank-Experte Gunnar Meyke.

Ein Ende der konjunkturellen Durststrecke sei angesichts zuletzt immer wieder enttäuschender Stimmungsindikatoren nicht in Sicht, urteilen die Volkswirte von HSBC Trinkaus. Vielmehr dürften sich die negativen Impulse der Finanzmarktkrise erst im kommenden Jahr voll entfalten. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte auf die anhaltende Konjunkturschwäche laut Commerzbank mit kräftigen Leitzinssenkungen reagieren. Bis zum Frühjahr 2009 werde die EZB den Leitzins von derzeit 3,25 Prozent auf 1,75 Prozent zurücknehmen.

Alle Wirtschaftsbereiche erfasst

Laut ifo trübte sich die Stimmung im November in allen erfassten Wirtschaftsbereichen ein, besonders kräftig aber im Verarbeitenden Gewerbe. Im Groß- und Einzelhandel gab die Kennzahl ebenfalls nach. Die Einzelhändler rechneten mit einer deutlich negativeren Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten. Im Bauhauptgewerbe sei der Geschäftsklimaindex indes nur leicht gesunken. Das ifo-Geschäftsklima basiert auf rund 7.000 monatlichen Unternehmensmeldungen.

IW-Chef Michael Hüther sprach von einem "Bild der Rezession", aber einer Lage, "mit der wir umgehen können". Die Zahl der Arbeitslosen dürfte laut IW um 190.000 auf fast 3,5 Millionen im Jahresdurchschnitt steigen. Um der Krise zu begegnen, sprach sich Hüther für Steuersenkungen verbunden mit einer Abschaffung des Solidaritätszuschlags.

Der Wirtschaftsabschwung wird sich nach der jüngsten IW-Umfrage bei 1.800 deutschen Unternehmen im kommenden Jahr verstärken. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich damit aber nicht im freien Fall", sagte Hüther. Knapp 37 Prozent der befragten Firmen gehen 2009 von einem Produktionsrückgang aus, fast 40 Prozent erwarten eine Stagnation und gut 24 Prozent ein Plus. Das IW prognostiziert einen Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent im nächsten Jahr. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte im Jahresdurchschnitt um 190.000 auf annähernd 3,5 Millionen steigen.(APA)

 

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