Singen? Nicht genügend!

24. November 2008, 12:26
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Bernhard Kohl wurde für zwei Jahre gesperrt. Bei seiner Anhörung gestand der Radsportler mit vielen Worten nichts Neues

Wien - Gestärkt durch ein Gläschen naturbelassenen Orangensaft sowie durch seinen deutschen Anwalt Siegfried Fröhlich ging Bernhard Kohl, der gefallene Bergkönig der Tour de France, gestern, Montag, im Wiener Haus des Sports in seine Anhörung vor der fünfköpfigen Rechtskommission der nationalen Anti-Doping Agentur (Nada). Nach nicht ganz drei Stunden hatte der 27-Jährige alles gesagt, was er zu sagen hatte. Für die Kommission unter Vorsitz von Anwalt Gernot Schaar war das zu wenig, um von der für Radsportler vorgesehenen Höchststrafe für Doping Abstand zu nehmen.

Kohl wurde nach 45-minütiger Beratung wegen Dopings mit dem Epo-Präparat Cera rückwirkend mit 3. Juli für zwei Jahre gesperrt. Alle danach erreichten Ergebnisse, also auch der dritte Tour-Gesamtrang, werden gestrichen. Zudem hat er die Verfahrenskosten (inklusive Orangensaft) in moderater Höhe von 3000 Euro zu bezahlen.
Anders als bei seinem weinerlichen Doping-Geständnis am 15. Oktober, anlässlich dessen er umfassende Aufklärung versprochen hatte, wirkte Kohl diesmal gefasst. Vor der finalen Beratung der Kommission hatte er noch gehofft, dass seine Aussage "entsprechend gewürdigt wird. Dann wäre das ein gutes Zeichen für den Sport, die Sportler. Wenn nicht, werden wir in das leidige Thema des Schweigens zurückkommen."

Nach dem Urteil war der Niederösterreicher, dem bei nachträglichen Kontrollen zweier bei der Tour de France abgegebener Dopingproben der Missbrauch von Cera nachgewiesen worden war, dann vor allem "enttäuscht. Ich finde es schade, dass ich die gleiche Strafe bekomme wie jemand, der alles leugnet." Er habe bis auf ein Detail, das er wegen einer möglichen folgenden Gerichtsverhandlung nicht preisgeben wollte, definitiv dargelegt, wie es zur Beschaffung der Dopingmittel gekommen sei.

Namenlose Enttäuschung

Zur Frage, ob er, wie angekündigt, Hintermänner seines Dopingvergehens genannt habe, wollte Kohl auf anwaltlichen Rat hin nichts sagen. In dieser Hinsicht wurde der Vorsitzende der Rechtskommission, Gernot Schaar, deutlich. "Seine Auskünfte haben nicht genügt. Er hat uns keine Namen genannt, wer seine Hintermänner sind, damit war das Strafausmaß klar." Kohls Geständnis habe nur betroffen, was durch die am 3. und 15. Juli abgelieferten positiven Tests ohnehin bewiesen gewesen wäre. Schaar: "Er hat uns nichts mitgeteilt, was eine Kronzeugenregelung ermöglicht hätte."

Anwalt Fröhlich lobte seinen Klienten. Kohl habe "den Sprint der Sportler hin zum Geständnis" gewonnen. Und Fröhlich rügte den "Sprint zur Rechtssprechung" . Zwischen dem Bekanntwerden der positiven Dopingtests (13. Oktober) und dem Schuldspruch seien nur rund fünf Wochen zur Vorbereitung geblieben. Freilich hätten es auch drei Wochen sein können. Den ersten Anhörungstermin hatte Kohl wegen eines schon länger geplanten Urlaubs platzen lassen.

Fröhlich hatte immerhin so viel Zeit, um die Verteidigungsstrategie in zwei Richtungen zu entwickeln. So fragte er, ob die Tour de France durch den Streit der Tour-Organisation mit dem Radsportweltverband überhaupt dessen Gerichtsbarkeit unterliege. Und schließlich beruhe das Urteil auf dem neuen Code der Internationalen Anti-Doping Agentur (Wada), der erst mit 1. Jänner 2009 in Kraft trete.

Kohl will nach schriftlicher Ausfertigung des Urteils über eine Berufung entscheiden. Beraten könnte er sich auch mit seinem Manager Stefan Matschiner, der am Montag im Ausland weilte. Auch Matschiner war "enttäuscht" über das Strafausmaß. (Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe, 25.11.2008)

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    Bernhard Kohl hatte sich ein milderes Urteil erhofft.

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