Pressestimmen: "Sozialisten sind verrückt geworden"

24. November 2008, 12:07
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"La Croix": Wieder einmal leidet das Image der Politik

Paris - Französische Tageszeitungen beschäftigen sich am Montag mit der Selbstzerfleischung der größten Oppositionspartei, der Sozialisten (PS), nach dem knappen Ausgang der Wahl der Parteivorsitzenden am Freitag.

"Liberation" (Paris):

"Verrückte! Sie sind verrückt geworden! Die selbstmörderische Tollwut, die die Sozialisten seit zwei Tagen erfasst hat, hinterlässt eine tief verstörte, wütende und desillusionierte Linke. Bereits der endlose Prozess der Ernennung des Vorsitzenden hatte das Bild eines verbitterten und byzantinischen Wettbewerbs fest in den Köpfen verankert. Das war, so dachte man, das Ergebnis antiquierter Verfahren, die mangels neuer respektiert wurden - auf jeden Fall aber demokratisch sind. Die Anfechtung der Stichwahl, die von Schummeleien hervorgerufenen Anschuldigungen und die übertriebene Drohung, die Meinungsverschiedenheit vor Gericht zu bringen, wandeln den obskuren Prozess in eine offensichtliche Posse um. Auf diese Weise könnte ein Gericht dazu gebracht werden, den Chef der Opposition in Frankreich zu ernennen!"

"Le Midi Libre" (Montpellier):

"Der PS geht es schlecht, sehr schlecht. Die Partei hat Kopfschmerzen nach dem angefochtenen Sieg von Martine Aubry (der Bürgermeisterin von Lille) bei der Abstimmung über den künftigen Parteichef. Auch tun ihr alle Muskeln weh, weil die Anhänger, die ihre Kraft ausmachen, völlig uneins sind. Zerrissen. (...) Ségolène Royal, die Widerspenstige, hat dies verstanden. Und sie will daraus Profit ziehen - mit Blick auf die Präsidentschaftswahl von 2012. Indem sie ihren Platz in der sozialistischen Familie beansprucht und zugleich in den Widerstand geht. So bestätigt sie ihre Führungsrolle bei der Erneuerung - mit Unterstützung jener Truppen, die gegen den Archaismus der Partei ankämpfen."

"La Croix" (Paris):

"Die gewaltigen Risse und die große Bedeutung der persönlichen Interessen werden in den Köpfen bleiben. Diejenigen, die andere politische Überzeugungen haben, dürfen sich nicht freuen, ihre Gegner auf diese Art und Weise baden gehen zu sehen. Denn selbst wenn man heute die sozialistische Siegerin noch nicht kennt, weiß man schon jetzt, wer der große Verlierer ist. Es ist ein weiteres Mal das Image der Politik. Die Mitglieder und Sympathisanten der PS könnten es leid werden. Die Gleichgültigen, die schon jetzt Schwierigkeiten haben, sich zum Wählen aufzuraffen, könnten im besten Fall bei ihrer Gleichgültigkeit bleiben, im schlimmsten Fall sich dem extremistischen Lager zuwenden. Ein schlechtes Wochenende für alle." (APA/dpa)

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