Linz09 präsentierte sich in Israel

24. November 2008, 11:44
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Umgang zu NS-Vergangenheit und Zusammenarbeit mit israelischen Künstlern war Schwerpunkt der Präsentation

Linz/Tel Aviv - Linz Europäische Kulturhauptstadt 2009 hat sich am Montag in Israel präsentiert. In einer Pressekonferenz in Tel Aviv, das im kommenden Jahr ebenfalls feiert - Gründung vor 100 Jahren - stellten der stellvertretende Linz09-Intendant Ulrich Fuchs und der oberösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl das Programm der Kulturhauptstadt vor.

Ein Schwerpunkt der Präsentation lag auf dem Umgang von Linz mit seiner NS-Vergangenheit, die im Kulturhauptstadt-Jahr mit Unterstützung der politisch Verantwortlichen nicht verschwiegen, sondern mit etlichen kulturellen Projekten über das bisherige Maß hinaus noch mehr aufgearbeitet werden soll. Weiters ging es um die Kooperation mit israelischen Künstlern, die sich in Linz 2009 mit verschiedenen Projekten präsentieren werden.

Ausstellung "Kulturhauptstadt des Führers"

Fuchs wies auf die dreitägige Eröffnung von Linz09 hin, die schon zu Silvester 2008 startet. Bereits geöffnet ist die Ausstellung "Kulturhauptstadt des Führers", die zur Grundlage hat, dass Adolf Hitler Linz zu seiner Patenstadt erklärt hat und sie zur Kulturhauptstadt des 3. Reiches machen wollte. Sie setzt sich mit dem Kunstverständnis der Nationalsozialisten auseinander. Im kommenden Jahr befassen sich darüber hinaus die Projekte "Unter uns" und "In Situ" mit dem kulturellen Erbe der NS-Zeit in Linz.

Das Stück "Purimspil" (Premiere im März in einem Stollen in Linz) von David Maayan hat das Purimsfest zum Inhalt, mit dem die Juden in einem Art ausgelassenen Faschingstreiben das Überleben in biblischer Zeit feiern. Das Skript stammt von Joshua Sobol. Die "Bibliothek der geretteten Erinnerungen" im Herbst 2009 soll eine Brücke zu vergangenem jüdischen Alltagsleben schlagen. Menschen aus 15 Ländern erzählten dazu ihre höchst persönlichen Geschichten, außerdem wurden insgesamt 25.000 alte Familienfotos digitalisiert.

Der Filmregisseur Micha Shagrir, der Oberösterreich 1938 im Alter von wenigen Monaten verlassen musste, dreht für Linz09 einen Film über Oberösterreicher im Ausland und ihr Verhältnis zur alten Heimat. Das Acco Theater Center, das wegweisende neue Formen sozialen Theaters in Israel kreiert und starke Allianzen zwischen arabischen und jüdischen Künstlern etabliert hat, wird mit zwei Stücken an einem Abend in Linz gastieren. Nicht zuletzt wird sich die Kulturhauptstadt auch sportlich geben: Der Youth European Soccer Cup YES09 wird ist ein Fußballturnier, zu dem rund 500 junge Fußballspieler aus früheren und künftigen Kulturhauptstädten erwartet werden, auch eine gemischte Mannschaft aus Israelis und Palästinensern soll daran teilnehmen.

Rund 200 Projekte

Linz ist im kommenden Jahr gemeinsam mit Vilnius Europäische Kulturhauptstadt. Dafür steht ein Budget von 68 Mio. Euro zu Verfügung. Jeweils 20 Mio. kommen von Bund, Land und Stadt, dazu kommen noch Sponsorgelder. In der Stadt werden zudem noch rund 300 Mio. Euro für Infrastrukturprojekte im Kulturbereich ausgegeben, beispielsweise für die Erweiterung des Schlossmuseums. In dem erst kürzlich präsentierten endgültigen Programm sind rund 200 Projekte mit mehreren tausend Mitwirkenden vorgesehen, die dafür sorgen sollen, dass 2009 nahezu an jedem Tag in Linz ein Kulturprogramm geboten wird. (APA)

 

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