EU-Kommission: Jede zehnte medizinische Behandlung fehlerhaft

24. November 2008, 10:56
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Gesundheitskommissarin will mehr Sicherheit und Rechte für Patienten - Klagen sollen erleichtert werden - Ärztekammer sieht Vorschlag kritisch

Berlin/Brüssel  - Nach Angaben der EU-Kommission in Brüssel ist jede zehnte medizinische Behandlung in der Europäischen Union fehlerhaft. In rund zehn Prozent der Fälle entstehe in der EU bei medizinischen Behandlungen Schaden, sagte EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "Die Welt" (Montag). "Medizinische Fehler sind eine echte Herausforderung für die europäischen Gesundheitssysteme." Sie forderte die Mitgliedstaaten auf, die Sicherheit und die Rechte der Patienten zu verbessern.

Erleichterung von Klagen

Laut EU-Kommission treten pro Jahr allein in Krankenhäusern bei medizinischen Behandlungen in 15 Millionen Fällen Fehler auf. "Wir erwarten, dass die Mitgliedstaaten eine Reihe von Empfehlungen umsetzen, um die Sicherheit von Patienten zu verbessern", sagte Vassiliou. "Dazu gehört auch, dass im Falle von medizinischen Behandlungsfehlern Klagen erleichtert werden und eine Entschädigung sichergestellt wird." Die Kommissarin will am kommenden Mittwoch konkrete Pläne vorlegen.

Kritik aus Österreich

Im Falle von möglichen medizinischen Behandlungsfehlern Klagen zu erleichtern und Entschädigungen sicherzustellen, "ist nicht der richtige Weg, um Fehler zu vermeiden", weist Thomas Szekeres, Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, die Empfehlungen der EU-Kommissarin für Gesundheit, zurück.  Seien Ärzte leichter klagbar würden die Kosten langfristig auf die Allgemeinheit der Patienten durch erhöhte Prämienbeiträge zurückfallen, denn Schadenersatzforderungen an Ärzte werden von den Versicherungen der Mediziner bezahlt.

Das österreichische Gesundheitssystem sei zudem "eines der besten weltweit", wie der diesjährige dritte Platz beim Consumer Health Index beweise, so Szekeres: "Die Zahlen der EU-Kommissarin treffen vielleicht auf andere Staaten zu - sicher nicht auf Österreich." Auf längere Sicht müsse man "statt auf Drohungen, Klagen und Einschüchterungen auf Qualitätsmanagement, Qualitätskontrolle und den richtigen Umgang mit Fehlern setzen, um so die Sicherheit der Patienten auch weiterhin zu garantieren", erklärt der Vizepräsident.

Wenn die EU-Pläne tatsächlich umgesetzt würden, käme es in Österreich bald zu amerikanischen Verhältnissen und schwierige Operationen würden von fast keinem Arzt mehr aus Angst vor Entschädigungszahlungen durchgeführt werden, warnt Szekeres. (APA/dpa/red)

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    Laut EU-Kommission treten pro Jahr allein in Krankenhäusern bei medizinischen Behandlungen in 15 Millionen Fällen Fehler auf.

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