Die Zwerge pfeifen's aus dem Bunker

23. November 2008, 19:29
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Die bissige Linz09-Satire "Der Zwerg ruft" von Kurt Palm unter der Pöstlingberg'schen Grottenbahn

Linz - Den Vorwehen von Linz09 auf der Spur, angestachelt von den Turbulenzen der Projekteinreichungsphase, begibt sich Regisseur und Stückautor Kurt Palm in die Tiefe. In einem Bunker unter der Pöstlingberg'schen Grottenbahn (Ausstattung: Michaela Mandel) schaute er Ende letzter Woche der zur Premiere versammelten Off-Szene der Stadt tief ins Herz. Denn wenn schon nicht dort, so schlummert jedenfalls hier, im Bauch des "Heiligen Bergs", das in Linz noch nie zuvor gesehene, geradezu märchenhafte Potenzial.

Es obliegt den drei Kupfermuckn-Verkäufern Rudi, Bertl und Lindi (Karl Ferdinand Kratzl, Ferry Öllinger und Georg Lindorfer) als wunderbar komödiantisches Triumvirat, den Kulturschatz zu heben.

In zwei Glassärgen schlummern Schneewittchen und Hitler, auf Erweckung samt Projekteinreichung wartend. Bis zu deren Auferstehung leistet sich Palm leider vermeidbare Längen. Der Volksbildner per Selbstdefinition weiß zwar (Sozial-)Geschichte charmant einzubinden, mit den Obdachlosen als Sprachrohr von unten, macht er aber auch vor dem breiten Nacherzählen Grimm'scher Märchen nicht halt. Die scheint notwendig, bleibt doch das gifthalber farblos herumstaksende Schneewittchen (Maxi Blaha) auch rollentechnisch etwas blass. Um Hitler ist man da schon bemühter. Helmut Fröhlich gelingt eine komische Verkörperung mit bekannten Mustern, die nie abgeschmackt daherkommt, auch wenn ihr ab und an allzu billige Wortspielchen in den Mund gelegt sind. Glänzende Augen kriegt Hitler, als er hört, dass sein Linz endlich europäische Kulturmetropole wird - ein Palm, wer Böses denkt.

Worauf alles wartet, das wird schließlich auch zum veritablen Höhepunkt. Der Intendant und sein auf der Donau schippernder Botschafter (Theo Helm als stets bekiffter Herbert von Ebensee) tanzen zur Projektbegutachtung an. Matthias Hack gibt eine donnernde Persiflage auf Martin Heller, der als Reto Dunkler energisch aus dem Programmbuch zitiert und zugleich Linzer Torte in der Faust zerbröselt.

Bei dieser sorgt bekanntlich, einsam zwischen trockener Teigschicht und einem ebensolchen Geflecht ruhend, die Marmelade für Genießbarkeit. Zuckersüß schmiert Palm sie der künftigen Kulturhauptstadt ums Maul. Und erntet befriedigte Bravos für das heitere Therapieren sattsam bekannter Probleme. (Wolfgang Schmutz / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2008)

 

  • Artikelbild
    foto: theater phönix / christian herzenberger
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